Gov't Mule

By A Thread


CD-Review

Reviewdatum: 02.11.2009
Jahr: 2009
Stil: Blues, Rock, Jam

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Redakteur(e):

Frank Ipach


Gov't Mule
By A Thread, Provogue Records, 2009
Warren HaynesGuitars, Vocals
Matt AbtsDrums, Percussion
Danny LouisKeyboards, Rhythm Guitar
Jorgen CarlssonBass
Guests:
Billy F. GibbonsLead Guitar (Track 1)
Andy HessBass (Tracks 11 & 12)
Produziert von: Warren Haynes & Gordie Johnson Länge: 67 Min 37 Sek Medium: CD
01. Broke Down On The Brazos07. Frozen Fear
02. Steppin' Lightly08. Forevermore
03. Railroad Boy09. Inside Outside Woman Blues #3
04. Monday Morning Meltdown10. Scenes From A Troubled Mind
05. Gordon James11.World Wake Up
06. Any Open Window

In einem Genre mit eng gezirkelten Grenzen findet der alte Fuchs Warren Haynes immer noch das eine oder andere Türchen, um dahinter die Farben des Blues-Rock Horizonts ein wenig aufzufrischen. Damit ist jetzt nicht das Cover der neuen Scheibe "By A Thread" gemeint, das, wie üblich, in bunt gezeichneter Kunstfertigkeit daherkommt, sondern natürlich GOV'T MULEs Wagemut, bei jeder neuen Platte ein paar kleine Überraschungen parat zu halten.

Die Schlüssel zu diesen Zimmern mit Aussicht hält Mr. Haynes nicht allein in Händen, nein, seine Kollegen, Drummer Matt Abts, Tasten-Wizard Danny Louis und der neue Bassist Jorgen Carlsson, dessen Bass mit daumendicken Saiten bespannt zu sein scheint, sind ebenso legitimiert, ihrem Chef gleichberechtigt zur Seite zu stehen. Nicht umsonst sind einige Tracks des neuen Longplayers im Quartett komponiert, während Warren seine nachdenklichen Lyrics beisteuert.

Manche der neuen Tracks klingen zunächst schroff und kantig, reiben sich an ihrer Moll getönten Düsternis, bis sich nach einer gewissen Anlaufzeit ihre erhabene Größe offenbart. Ein Titel wie das 8-minütige Psychedelia-Drama Monday Morning Meltdown, welches in seiner Komplexität einer Jam-und-Fusion Großtat gleichkommt, gefällt da möglicherweise nicht auf den ersten Blick, doch am Ende ziert es als eines der besten Stücke des neuem Albums das Gesamtwerk dieser bewundernswerten Band.

Eingangs verwöhnen uns GOV'T MULE mit einem zünftigen Gitarrenduell zwischen Warren Haynes und niemand geringerem als Billy Gibbons, dem Langbart aus Texas. Knisternde Spannung und für Sologitarrenfreaks vielleicht sogar noch um eine knappe Minute zu kurz.
Bei Railroad Boy verrocken sie einen 100 Jahre alten Folksong, den Haynes schon seit Teenagertagen mit sich herumträgt. Möglicherweise würde Rory Gallagher so etwas auch gerne spielen, lebte er denn noch. Ebenso traditionalistisch geht's in My open window zu, treibender Blues-Rock im Geiste des unvergessenen Jimi Hendrix. Der völlig irrsinnige Wah-Wah-Sturm auf Inside outside woman Blues könnte auch aus einer vergessen geglaubten BAND OF GYPSYS Session stammen. Die Band spielt hier mit einer massiven Kraft, die ihresgleichen sucht.
Warren Haynes' Vorliebe zu LED ZEPPELIN taucht im Uptemo-Mittelteil des anfänglich schwergewichtig voran groovenden Scenes from a troubled mind auf. Wenn da der gute Warren nicht an The song remains the same vom "Houses Of The Holy"-Album gedacht hat, na, dann weiß ich nicht...

Die Band bleibt aber letztlich immer bei sich selbst, die GOV'T MULE Stilistik ist und bleibt stets unverkennbar, Warren Haynes' charakteristische Handschrift verfügt nach all den Jahren und tausenden von Konzerten über soviel Selbstbewußtsein, dass die kleinen Grußadressen an die lieb gewonnenen Altmeister nichts anderem als einem Tribut und einer dankbaren Verneigung gleichkommen. So haben die Fans das gerne, deswegen wird dieses Quartett verehrt und geliebt. GOV'T MULE wissen genau wo sie herkommen, sie wissen erst recht was sie tun, und sie tun es mit Leidenschaft und großer Bravour. Sie haben sich im Laufe der Jahre die Prinzipien einer gut funktionierenden und unverwechselbaren Band zu eigen gemacht.

Frank Ipach, 01.11.2009

 

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