Gov't Mule

High & Mighty


CD-Review

Reviewdatum: 07.09.2006
Jahr: 2006

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Redakteur(e):

Frank Ipach


Gov't Mule
High & Mighty, Blue Rose Records, 2006
Warren Haynes Guitars, Vocals
Matt Abts Drums
Andy Hess Bass
Danny Louis Keyboards
Produziert von: Gordie Johnson Länge: 72 Min 02 Sek Medium: CD
1. Mr. High & Mighty8. Nothing Again
2. Brand New Angel9. Million Miles From Yesterday
3. So Weak, So Strong10. Brighter Days
4. Streamline Woman11. Endless Parade
5. Child Of The EarthBonus Track:
6. Like Flies12. 3 String George
7. Unring The Bell

Wenn man, wie ich, seine musikalische Sozialisation in den frühen bis mittleren 70's durchlebte und somit Gitarrenhelden wie Jimmy Page, Paul Kossoff, Rory Gallagher, Johnny Winter, Jeff Beck, Ritchie Blackmore, Robin Trower, Duane Allman und Dickey Betts auf seinem persönlichen Altar anbetete, fällt es ganz, ganz leicht einen Axeman wie Warren Haynes zu lieben. Tief verwurzelt in den Siebzigern präsentiert Haynes mit seiner wahnsinnig gut harmonierenden Band seit jeher ein flammendes Potpourrie aus Erinnerungen dieses musikalisch sehr fruchtbaren Jahrzehnts.

Durchweg famose oder zumindest gute Alben gelangen Haynes und seinen Kumpanen bisher aber eher selten. Immer waren es 3 oder 4 Hammersongs pro Album, die sich dann auch als Killertracks in seinen umwerfenden Konzerten wiederfanden. Fred nannte z.B. schon Bad little doggie und Soulshine, mir fielen da noch Thorazine shuffle, Slackjaw jezebel und Beautifully broken ein, so dass sich schon eine gehörige Anzahl geiler Titel angesammelt hat. Fakt ist aber, dass Haynes, ganz abgesehen von seinen unbestritten meisterlichen, gitarristischen Fähigkeiten, zu selten ein glückliches Händchen beim Songwriting besaß, will sagen Titel schrieb, die außer grandioser Saitenarbeit auch auf eine gehaltvolle und dauerhafte Songstruktur verweisen konnten. Man kann sich schließlich nicht über die Länge eines kompletten Albums nur an Haynes' sahnigem Gitarrenton ergötzen oder Matt Abts ebenso wuchtiges wie filigranes Schlagzeugspiel bestaunen, mal ganz abgesehen von der superben Kompetenz des Bassisten Andy Hess und Tastendrückers Danny Louis. Das war seit jeher alles stimmig und groovte ohne Ende, und für Jam- oder reine Gitarrenfreaks mag es ausreichend gewesen sein. Doch ein Studioalbum ohne großartige Hänger oder Lückenbüsser fehlte bislang in GOV'T MULEs Historie.

"High & Mighty" ist nun so ein Album. 12 Songs, kein Ausfall. Natürlich findet sich auch hier etwas zu mäkeln. Nothing again mag etwas gewöhnlich klingen, guter Standard, mehr nicht. Der Reggae-Song Unring the bell krankt an der etwas zu steifen Umsetzung dieses kaum nachzuahmenden jamaikanischen Einheitstaktes, wobei Matt Abts und Andy Hess einfach nicht diese federnde Leichtigkeit innewohnt, um einen Reggae-Song hell strahlen zu lassen. Hätte man möglicherweise auch weglassen können, diesen Track. Geschenkt.
Bei Brighter days hat sich der gute Warren zwar etwas zu offenkundig vom Slide-Lick aus LED ZEP's In my time of dying inspirieren lassen, doch sowas verzeiht man ihm natürlich auch. Ist halt auch nur ein LED ZEP-Fan, der Gute...

Der Rest ist grandios bis gut und haut mich insbesondere bei ersten 4 Songs derartig aus dem Sessel, dass ich anfänglich glaubte, ich könne es hier mit einem Album des Jahres zu tun haben. Dies zwar nicht ganz, verehrte Herrschaften, aber dennoch bleibt die Erkenntnis, dass Warren mit So weak, so strong eine seine vorzüglichsten Balladen geschrieben hat, immer in Andenken an ZEPPELINs "The Song Remains The Same"-Phase und mit dem Bonus-Track 3 String George ein kolossales Groove-Monster im Stile von BOOKER T. & THE M.G's geschaffen hat.
Hut ab, GOV'T MULE! Wir freuen uns auf die Deutschland-Tour.

Frank Ipach, 07.09.2006

 

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