Gov't Mule

Holy Haunted House


CD-Review

Reviewdatum: 09.11.2008
Jahr: 2008

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Redakteur(e):

Epi Schmidt


Holy Haunted House, Eigenvertrieb, 2008
Warren HaynesVocals, Guitar
Matt AbtsDrums
Danny LouisKeyboards, Vocals & Other Goodies
Andy HessBass
Audley FreedGuitar on Disc Two
Produziert von: Bruce "Slim" Judd Länge: 156 Min 36 Sek Medium: CD
CD 1:
01. Play With Fire06. Larger Than Life
02. Time To Confess07. Fallen Down
03. Million Miles From Yesterday08. The Other One Jam
04. Rocking Horse09. Blind Man In The Dark
05. Birth Of The Mule
CD 2:
The Holy Haunted House Set w/ Audley Freed on Guitar
01. The Song Remains The Same07. D'Yer Mak'er
02. The Rain Song08. No Quarter
03. Over The Hills And Far Away09. The Ocean
04. The Crunge10. Come Into My Kitchen
05. Dancing Days11. 32/20 Blues
06. Drums

Zum sich langsam neigenden Jahr, macht sich mancher so seine Gedanken, auch bezüglich der anstehenden Feiertage. Über Weihnachten geht's ja doch meistens besinnlicher und ritualisiert zu, aber Silvester folgt ja nicht weit danach. Wohnte man jetzt in den Vereinigten Staaten (seit ein paar Tagen wieder etwas leichter vorstellbar), dann viele einem die Entscheidung, wie man den Jahreswechsel feiert um einiges leichter: Seit über einem Jahrzehnt finden die herrlichen "New Years Eve" Konzerte von GOV'T MULE statt. Dokumentiert u. a. auf der fantastischen "Live At Roseland Ballroom" CD, deren Wiederauflage die Kollegen Braun und Gerecht erst kürzlich priesen.
Aber Mule-Heads und Haynes Fans werden nicht nur bestens ins neue Jahr gehievt, sondern bekommen auch zu Weihnachten eins übergebraten und der offenbar niemals rastende Warren Haynes lässt seinen Kapelle auch an Halloween nicht zur Ruhe kommen, weil auch da gefeiert werden muss. 2007 kamen die Fans dabei in den Genuss eines besonderen Konzertes, denn nach dem "Vorspiel", widmete die Band einen ganzen Set dem 1973 LED ZEPPELIN Album "Houses Of The Holy". Wer darf sich da dran wagen? Warren darf das. Ort der Tat: das O'Shaugnessy Theatre in St. Paul, Minnesota.

Zunächst aber, geht es mit der gewohnt/geliebten Kost los. Das heißt, ganz so auch wieder nicht, denn mit "Mighty High" (wieder-) entdeckten GOV'T MULE im letzten Jahr ihr Liebe für Dub- und Reggae-Klänge und erschreckten damit doch den ein oder anderen Jam-Rock Fan. Dass sich das - bei einer Band dieses Kalibers - besser anhört als liest, darf man getrost annehmen und auch wenn einen Andy Hess' Bass direkt in Bob Marleys "Babylon By Bus" Live-Album beamen mag, behält doch Haynes' typischer Gesang und sein immer wieder erfrischendes Gitarrenspiel den erdigen Sound, und damit Stil, bei, den so viele an ihm verehren. "Play With Fire" bekommt, wie schon auf "Mighty High" die entsprechende Dub-Behandlung und klingt damit erstaunlich gut.
Und auch Time To Confess hat funky Reggae-Rhythmen kehrt aber an den entscheidenden Stellen wieder in seinen ursprünglich vorbestimmten Groove zurück, denn nur da funktionieren die prägenden Riffs und Trademark-Licks von Mr. Haynes. Selbstverständlich - und wie erhofft! - ziehen sich die Songs wieder deutlich gegenüber ihren Studiovorlagen geben ausreichen Platz für Improvisationen. Ich hab noch nicht genau rausgefunden wie, aber Haynes und, nicht zuletzt, seine Band schaffen es auch bei tausendmal gespielten Songs immer noch die Steigerung reinzubringen, die einem ein Erlebnis, nahezu wie beim ersten Hören, verschafft. Die Bandbreite wurde ja mittlerweile durch Danny Louis' Keyboards erhöht und der überzeugt und begeistert auch mit tollen Soli.
Der Sound von Warren Haynes ist ein Traum für jeden Gitarristen, wozu die Gibson und der Soldano Verstärker nur zum Teil beitragen. Es sind die Finger, die diesen Klang ermöglichen.
Rocking Horse, vom 95er Debütalbum, ist mir zunächst etwas zu hingeschludert, fast überhastet gespielt, aber ab dem Break biegt das Schlachtschiff auf den Free Jam Kurs und lässt die Halle abheben. Allen Woody in allen Ehren, aber was der Ex-BLACK CROWES-Bassist da abliefert ist schon hochklassigst! Getrieben, natürlich, vom unvergleichlichen Matt Abts an den Drums, bekommt so auch Haynes richtig Feuer und die Band erntet sogar Szenenapplaus. Bei solchen Aktionen - wie auch das folgende Birth Of The Mule unterstreicht - begeben sich die Musiker weit in den Jazz-Bereich und anders wäre dieses Zusammenspiel auch kaum so interessant zu halten. Schlichtweg: genial!

Einzelne Songs hier rauszugreifen, hat nahezu keinen Zweck, denn man begeistert sich sicher immer wieder an anderen Passagen auf dieser Scheibe. Trotzdem sei nochmals erwähnt, wie selbst so alte Schlachtrösser wie Fallen Down nichts von ihrer einstmaligen Faszination verloren haben. Wie sich Warren da gesanglich immer noch reinsteigert, als wäre der Text gestern geschrieben worden. Die abdriftenden Jams sind garantiert nicht jedermanns Geschmack, aber sie sind immer spannend gemacht und wer sich eine Mule-Scheibe - vor allem eine Live-Scheibe! - zulegt erwartet das!
Was erwartet einen aber im Zep-Set? Zunächst hat Warren mit Audley Freed einen weiteren früheren BLACK CROWES Musiker, als zweiten Gitarristen, eingeladen. Der war ja schon damals dabei, als die CROWES, auf ihrem "Live At The Greek" Album, zusammen mit Jimmy Page, ein ganzes Led Zeppelin Set auf die Bühne brachten und ist somit für diesen prädestiniert. Ab D'yer Mak'er ist er mit an Bord.
Nach kurzem "Vorgeplänkel" erklingen auch schon die bekannten Eröffnungsakkorde von The Song Remains The Same. Ich empfinde es nicht als ganz so druckvoll, wie das Original, aber der Stil der Band ist ja auch ein etwas anderer. Wie Warren Haynes den Gesang meistert, natürlich auch seine ganze eigene Art, funktioniert dafür erstaunlich gut und man vermisst Robert Plants Stimme kein bisschen.
Wären nicht bestimmte Töne und Akkorde unwiderruflich unter die Schädeldecke jedes Rockfans gebrannt, könnte man The Rain Song auch für einen Song aus der Mule-Schublade halten. Gewisse Freiheiten nehmen sich die Musiker da stellenweise raus, sind aber an den entscheidenden Punkten absolut bei der Sache, um die würdige Luftschiff-Atmosphäre zu kreieren.
Längen lassen sich auch bei dieser Musik, gerade live, nicht vermeiden und wer nur auf Abgehnummern a la Whole Lotta Love und Black Dog steht, nun, dessen Lieblingsalbum ist "Houses Of the Holy" ohnehin nicht. Zudem lassen es sich GOV'T MULE nicht nehmen, z.B. Dancing Days in einen Funk-Jam übergehen zu lassen, der einem James Brown auch nicht schlecht gestanden hätte. Den Sprung zurück schaffen sie allerdings nicht, da müssen dann tatsächlich abbrechen. Was dem Ganzen keinen Abbruch tut - die Stimmung ist gut.
Ja, hin und wieder vermisst man die Power von Plants Gesang, doch die Gitarrenarbeit macht das - für mich - wett. Genauso, wie Matt Abts kein "Bonzo-Solo" abliefert, jedoch ließen seine Schlagzeugsoli, meines Wissens, bisher noch keinen unbeeindruckt zurück.
Für eine lockere Partystimmung sorgt dann wieder D'Yer Mak'er mit seinem Karibikflair gepaart mit Blues-Rock-Anleihen, die sich bei den folgenden Songs wieder verstärken und heavier kommen. Für wen LED ZEPPELIN die allein selig machenden Götter sind, für den ist das hier sicher eine zwiespältige Angelegenheit, aber wer über den Tellerrand blicken kann, der hat hier garantiert Spaß und findet auch einige Anregungen.
Robert Johnsons Come On Into My Kitchen wird nur kurz angespielt, aber sein 32/20 Blues wird ausgiebig zelebriert und allesamt steigern sich noch mal in einen wahren Spielrausch. Wenn es aus ist, hält man kurz die Luft an, schaut ungläubig und lässt ein lautes "Yeah!" erschallen.
Bevor man sich die 150ste Version von Soulshine (wenngleich immer wieder gern gehört) ins Regal stellt, sollte man sich doch mal mit diesen Versionen - sowohl von CD 1 als auch CD 2 - erfreuen. Und dann ein paar Tränchen verdrücken, dass man das hierzulande wohl nie "on stage" erleben wird. Deswegen: Ran an dieses Teil!

Epi Schmidt, 09.11.2008

 

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