Gov't Mule

Live At Roseland Ballroom


CD-Review

Reviewdatum: 30.07.2008
Jahr: 2007

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Redakteur(e):

Steve Braun


Live At Roseland Ballroom, Evangeline, 1996 [2007]
Warren HaynesVocals, Guitars
Allen WoodyBass
Matt AbtsDrums
Produziert von: Michael Barbiero Länge: 63 Min 16 Sek Medium: CD
01. Trane05. Kind Of Bird
02. Temporary Saint06. Mule
03. Painted Silver Light07. Voodoo Chile
04. Don't Step On The Gras Sam

...... mein Gott, ich kann es gar nicht glauben: Allen Woody ist jetzt seit ziemlich genau 7 Jahren tot und es gab nur ganz wenige Bass-Player, die es mir in vergleichbarer Art und Weise besorgt haben!! Ein verrückter Typ, mit einem einzigartigen schrulligen Witz, herrlich durchgeknallt, seinen Bass knurrig traktierend: das war Captain Al, einer der besten Basser, die diesen Planeten jemals betreten haben ..... und da finde ich es leider ziemlich unpassend, daß der Bonus-Track ausgerechnet aus der Post-Woody-Phase, mit Jack Cassidy am Bass, stammt - ein kleinerer Faux-pas, der aufgrund der überragenden Qualität dieses feinen Tracks gerade noch so zu tolerieren ist. Wer Allen Woody tatsächlich noch nicht gesehen haben sollte, dem empfehle ich alte ABB-DVDs bzw. die GOV'T MULE-DVD "Rising low" - oder eben diese hier zu besprechende Live-CD.
"Live At Roseland Ballroom" (im folgenden nur kurz "LaRB" genannt) erschien erstmals 1996 und war MULEs zweite Veröffentlichung. Im vergangenen Jahr kam dann eine neue Edition heraus, die mit einem gelungenen Remastering die Sound-Schwächen der 96er vergessen ließ. Draufgepackt wurde noch ein Bonus-Track und genau dieses Teil liegt mir hier vor.

Puh, das ist ein ganz harter Knochen - einfach machen es GOV'T MULE dem unbedarften [Erst]Hörer von "LaRB" nun wirklich nicht. Nun sind es aber gerade diese verquasten Dinger, die sich einem nicht sofort in den Gehörgang drehen und festbeißen, die nach mehrmaligem Hören geradezu süchtig machen! "LaRB" war mein zweites Album nach der "Dose", das ich vom "Maultier" zu hören bekam und -ich gebe es gerne zu- ich habe erstmal geschluckt. Nachdem ich mich aber durch die harte Schale gekämpft hatte, war ich überrascht, welche Finessen sich dahinter verbergen.
Mit "LatRB" begründeten MULE ihre Tradition, den Jahreswechsel gemeinsam mit ihren Fan's zu verbringen und so wurde "LaRB" zum Jahreswechsel '95/96 in besagter Lokalität aufgenommen. Obwohl sich die Band erst im gleichen Jahr gegründetet hatte, verfügte sie bereits zum Jahreswechsel über eine beachtliche Fan-Base, die sich überwiegend aus ABB-Freaks rekrutierte. Dieses "New Years Eve" wurde zur MULE-Institution und findet seitdem jährlich in NYC statt, allerdings zumeist im Beacon Theater, denn der Roseland Ballroom ist mittlerweile viel zu klein. NYE-Mitschnitte gibt es auf der MULE-Website als Download zu erwerben.

Los geht's mit einer völlig abgefahrenen Version von Trane - yeah man, that's "hittin' the bong with Captain Al" ;-)) Dann zwei Tracks, die ich vergangenes Jahr in Stuttgarts Longhorn in einer sensationellen Neu-Auflage gehört habe: Temporary Saint und Painted Silver Light werden in aktuellen Sets der Band eher selten berücksichtigt. Don't step on the grass Sam, eine alte STEPPENWOLF-Nummer, folgt in einer total ausgeflippten Version - dann ein fast jazz-rockiger Track: Kind Of Bird ist eine ABB-Nummer von deren großartiger 91er "Shades Of Two Worlds". Zuguterletzt noch DER GOV'T MULE-Track überhaupt, der Klassiker schlechthin: Mule in einer hammerharten Version.
Dazu gibt es noch eine Wahnsinns-Interpretation des Klassikers Voodoo Chile, wobei ich mir schon eine Nummer mit Allen Woody als "Zugabe" gewünscht hätte. Naja, wenigstens ist mit Chuck Leavall mein Lieblings-Keyboarder dabei und kein geringerer als Mr. Jack Cassidy (Ex-JEFFERSON AIRPLANE) zupft den Bass.

Fazit: als Einstieg in die Jam-Welt von GOV'T MULE denkbar ungeeignet, ist "Live At Roseland Ballroom" feinster Stoff für ältere Mule-Heads. Dig it and fly away ....
Thanx, Captain Al, Thanx for rockin my ass!!

Steve Braun, 30.07.2008

Ich stimme Steve in vielen Punkten seines Reviews zu. "Live At Roseland Ballroom" ist ein eher sperriges Live-Album. Eines, in das man sich doch ein paar Tage lang einhören muss, ehe es zu zünden beginnt.
Aber keine Sorge: Es zündet in jedem Fall; der manchmal eng sitzende Knopf geht garantiert auf!
Wer Allen Woody genauso exzellent fand wie Steve und ich, muss bei den Tracks dieser CD unbedingt mal versuchen allein auf den Bass zu hören. Neben Abts Drums und Haynes herausragender Gitarre ist das manchmal nicht ganz leicht.
-Aber ein wahrer Ohrenöffner!
Neben den eher sperrigen Takes brilliert die "Roseland Ballroom" zunächst mit den eingängigeren Takes Painted Silver Light, Temporary Saint und Voodoo Chile.
Aber nicht nur bei diesen Nummern bläst ein Föhn aus den Boxen, der völlig problemlos auch längere und längste Haare trocknet...!

Was ich nicht teilen kann, ist Steve's Einschätzung gegenüber der hier dargebotenen, sensationellen Voodoo Chile-Version. Captain Al hat meines Wissens Voodoo Chile niemals offiziell eingespielt. Es war und ist des rothaarigen Bären Eigenheit, diesen Song allein und ausschließlich mit Jack Casady wiederzugeben.
Jack stand während der Originalaufnahme dieses Takes an JIMI HENDRIX Seite und ist, aus Sicht des "Bären", allein berechtigt bei diesem Take, wird es vom Maultier interpretiert, am (übrigens ebenfalls herrlich knurrig gespielten) Bass zu stehen.
Damit an diesem zeitlosen Take kein Raubbau begangen wird, halte ich diese Einstellung von WARREN HAYNES für mehr als nur ehrenhaft!
Was aber dabei heraus kommt, wenn Haynes mit seinem Maulesel und der Bass-Legende Casady Voodoo Chile zum Besten geben, ist hier auf mehr als eindrucksvollste Weise zu erleben! Das ist hammer-hammerhart!
Wenn HENDRX diese Version seines Takes hören würde, er bekäme, seid mir diesen Ausrutscher ins niedere Niveau nicht gram, eine stundenlange Dauererektion!

Wer bei der "Live At Roseland Ballroom" auf Grund ihrer etwas sperrigen Takes ins zweifeln gerät, dem empfehle ich den Kauf allein nur wegen der unglaublichen Intensität Voodoo Chile's! Wer sich ein wenig umsieht, kann die CD nämlich zu Preisen erhalten, die den Kauf allein nur wegen dieses Hendrix Klassikers rechtfertigt.
Umso größer wird nach ein paar Hördurchgängen die Überraschung sein, mit welcher Wucht und mit welchem Groove ein GOV T MULE Take nach dem anderen aus den Boxen wummert!

Fazit: "Live At Roseland Ballroom" ist ein unglaublich intensives Live-Album für fortgeschrittene Hörer mit offenen Ohren und offenen Herzen. Mit einer Vollbedienung eines der besten Basser die dieser Erdzirkel jemals sah.
Captain Al hat mir zwar nicht den Arsch gerockt (das wär' ja auch noch schöner...), aber ganz mächtig die Birne!
-Und wenn ich Woody auf eine Stufe mit meinem absoluten Lieblingsbassisten (Leon Wilkeson) stelle, dann ist das die höchste Anerkennung, die ich diesem Mann zuteil werden lassen kann!
Fly On!

Christian "Grisu" Gerecht, 29.07.2008

 

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