Gov't Mule

Sco-Mule


CD-Review

Reviewdatum: 23.01.2015
Jahr: 2015
Stil: Jazz

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Redakteur(e):

Marc Langels


Gov't Mule
Sco-Mule, Mascot Label Group, 2015
Warren HaynesGitarre
Allen WoodyBass
Matt AbtsSchlagzeug
John ScofieldGitarre
Dr. Dan MatrazzoKeyboards
Gastmusiker
Jimmy HerringGitarre
Mike BarnesGitarre
Produziert von: Gov't Mule Länge: 135 Min 46 Sek Medium: CD
Disc 1Disc 1
01. Hottentot01. Pass The Peas
02. Tom Thumb02. Devil Likes It Slow
03. Doin' It To Death03. Hottentot (Alternate Version)
04. Birth Of The Mule04. Kind Of Bird (Alternate Version)
05. Sco-Mule05. Afro Blue
06. Kind Of Bird

Die Jam-Rock-Formation GOV’T MULE ist tief im Blues-Rock verwurzelt. Aber Band-Leader Warren Haynes war noch nie scheu davor, über seinen musikalischen Tellerrand zu schauen und dies dann auch zu dokumentieren. Das belegen sie immer wieder auf ihren Konzerten, bei denen sie zu besonderen Anlässen – an Halloween und an Sylvester – immer wieder Konzerte geben, bei denen, natürlich neben der eigenen Musik, auch das Material anderer Künstler aufgeführt wird. So geschehen und kürzlich veröffentlicht unter anderem mit “Dark Side Of The Mule“. Aber davon abgesehen verschließen sich GOV’T MULE auch nicht interessanten musikalischen Kollaborationen, wie diese Doppel-CD beweist. Denn dabei werden sie begleitet – und in gewisser Weise auch herausgefordert - von der Jazz-Größe John Scofield.

Dieser hat in den vergangenen Jahren immer mal wieder durch seine Zusammenarbeit mit der Formation MEDESKI, MARTIN & WOOD frischen – und insbesondere groovigen - Wind in die manchmal doch etwas verkrustete Jazz-Szene gepustet. Insofern erscheint Scofield auch als idealer Partner insbesondere für die Rhythmus-Sektion Allen Woody (Bass) und Matt Abts (Schlagzeug). Diese darf hier fast noch mehr brillieren als auf den bisherigen GOV’T MULE-Werken, alleine schon, weil die sehr jazzigen Kompositionen mehr Freiraum für Improvisationen gerade auch von Bass und Schlagzeug bieten. Aber im Mittelpunkt des spielerischen Interesses stehen die beiden Gitarristen. Die Spiel-Stile der beiden „Duellanten“, Warren Haynes und John Scofield, könnten wohl nicht viel verschiedener sein. Auf der einen Seite der vom Blues geprägte, sehr gefühlvolle Ansatz mit dem entsprechenden Ton von Haynes, auf der anderen der eher perfekt ausgebildete Jazz-Ansatz mit seinem etwas schneidenden Sound von Scofield. Diese Kontraste machen das Album aus Sicht von Gitarristen und Fans natürlich sehr spannend – und beide liefern sich hier tolle Duelle.

Bei Duellen muss man ja meist einen der Beiden zum Sieger erklären – und auch hier ist es deutlich festzustellen, dass sich Haynes in den Blues-orientierteren Songs deutlich mehr in seinem Element zu fühlen scheint, als bei den stark Jazz-geprägten Kompositionen. Tatkräftige Unterstützung erhält das Quartett dabei von Dr. Dan Matrazzo (der auch schon mit der ALLMAN BROTHERS BAND aufgenommen hat und in seinen Tagen am Berklee College Of Music eine Band zusammen mit Steve Vai hatte) an den Keyboards, der seinen gehörigen Teil dazu beiträgt, dass die Stücke durch neue Sounds frisch und interessant klingen. Denn seien wir ehrlich: mehr als zweieinviertel Stunden nur Gitarren-Soli wären selbst für Hardcore-Gitarren-Fans nicht immer spannend. Da tut etwas instrumentale Auflockerung zwischendurch schon ganz gut. Zumal Matrazzo mit den beiden Haupt-Protagonisten durchaus mithalten und ihnen etwas entgegensetzen kann. Auf der Bonus-CD erhalten Haynes und Scofield zudem noch weitere „Hilfe“. Bei Devil Likes It Hot spielen sie zusammen mit Jimmy Herring (Ex-THE OTHER ONES und WIDESPREAD PANIC) und zum finalen Afro Blue gesellt sich Mike Barnes dazu.

Natürlich befindet sich auf diesen beiden CDs keine Musik, um sie zur Hintergrundbeschallung einzusetzen. Das Material ist anspruchsvoll und sollte bewusst genossen werden. Damit gilt das gleiche wie für die meisten anderen Jazz-Alben auch, denn “Sco-Mule“ ist definitiv nicht das, was man sonst von GOV’T MULE gewohnt ist. Die Versionen der Kompositionen – selbst wenn es sich um MULE-Songs wie Birth Of The Mule handelt (was ohnehin ja eine Verbeugung vor dem Miles Davis-Klassiker “Birth Of The Cool“ ist) – extrem aufgejazzt. Zudem kommt stellenweise (etwa bei der THE J.B.‘s-Nummer Pass The Peas) eine deutliche Funk-Seite zum Vorschein, welch Wunder, war doch James Brown einer der Komponisten dieses alten Klassikers.

GOV’T MULE und John Scofield ist mit dieser Doppel-CD wirklich ein großer Wurf gelungen. Vorausgesetzt man steht auf viele Noten, lange Improvisationen und entsprechende überlange Kompositionen, jazzige Akkord-Folgen, ständige Rhythmus-Wechsel und spielfreudige Musiker. Dann ist man hier an der absolut richtigen Stelle, denn beide Seiten treiben sich geradezu an, um das Beste aus sich herauszuholen. Wer jedoch ein weitgehend „normales“ GOV’T MULE-Album erwartet (oder ein typisches Live-Album mit einem Special Guest, der sich ein wenig einbringt), der sollte von “Sco-Mule“ tunlichst die Finger lassen. Der musikalische Schock wäre vermutlich zu groß. Aber vielleicht führt dieses Werk ja einige Jazz-Anhänger an die großartige Jam-Rock-Band heran. Dass sie mit einem Großmeister des Jazz mithalten können, haben Warren Haynes, Allen Woody und Matt Abts spätestens hier bewiesen und zwar mit Nachdruck.

Marc Langels, 21.01.2015

 

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