Gov't Mule

Shout


CD-Review

Reviewdatum: 20.09.2013
Jahr: 2013
Stil: Jam Rock

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Redakteur(e):

Marc Langels


Gov't Mule
Shout, Blue Note Records, 2013
Warren HaynesGesang & Gitarre
Jorgen CarlssonBass
Danny LouisKeyboards, Gitarre & Gesang
Matt AbtsSchlagzeug
Produziert von: Warren Haynes Länge: 140 Min 16 Sek Medium: CD
CD 1CD 2
01. World Boss01. World Boss (With Ben Harper)
02. No Reward02. Funny Little Tragedy (With Elvis Costello)
03. Whisper In Your Soul03. How Could You Stoop So Low (With Dr. John)
04. Captured04. Captured (With Jim James)
05. Scared To Live05. Whisper In Your Soul (With Grace Potter)
06. How Could You Stoop So Low06. Scared To Live (With Toots Hibbert)
07. Forsaken Savior07. No Reward (With Glenn Hughes)
08. Done Got Wise08. Bring On The Music (With Ty Taylor)
09. When The World Gets Small09. Forsaken Savior (With Dave Matthews)
10. Funny Little Tragedy10. Done Got Wise (With Myles Kennedy)
11. Bring On The Music11. When The World Gets Small (With Steve Winwood)

Vier Jahre haben sich GOV’T MULE Zeit gelassen seit ihrem letzten Studio-Album “By A Thread“. In der Zwischenzeit haben sie sich offenbar wieder von den Dancehall- und Reggae-Experimenten befreit, die zumindest mir auf dem letzten Werk etwas missfielen. Aber auf ihrem Debüt für Blue Note Records zeichnen sich die Recken um Frontmann Warren Haynes wieder durch jene Art Jam Rock aus, für den sie bekannt geworden sind. Tief infiziert vom Blues und ihren Wurzeln, die ja nun einmal im Southern Rock stecken, kommen Warren Hayes und Co. mit elf neuen Stücken daher.

Aber Moment mal, wieso elf? Da stehen doch 22 Songs verteilt auf zwei CDs. Für ihren Einstand bei ihrem neuen Label haben sich GOV’T MULE etwas Besonderes einfallen lassen und zahlreiche, sehr bekannte Musiker-Kollegen ins Studio eingeladen. Diese durften dann den elf Stücken auf der zweiten CD mit ihrem Gesang und manchen kleineren musikalischen Änderungen an den Songs, diesen einen etwas anderen Anstrich verpassen als auf der ursprünglichen CD. Manchem der beteiligten Musiker gelang es dabei sogar, die Band dazu zu motivieren, den Song noch etwas zu verändern. Dazu an späterer Stelle noch etwas mehr.

Am besten sind GOV’T MULE auch auf dieser Scheibe aus meiner Sicht immer dann, wenn sie es schaffen, die Stücke wie live und spontan entstanden klingen zu lassen. Das gilt nicht nur für Haynes wieder einmal vorzüglichen Solo-Passagen (so ist zum Beispiel das Solo in dem siebeneinhalbminütigen When The World Gets Small ganz großes Kino und überstrahlt mühelos die ohnehin wundervolle Komposition), sondern eben auch für die Strukturen der Lieder. Ein herrliches Beispiel für diese Kunst ist das abschließende und absolut treffend betitelte Bring On The Music. In solchen Liedern kann man sich als Hörer einfach nur verlieren und eben auch mal zehn Minuten lang schwelgen.

Dabei trifft aber aus meiner Sicht nicht jede Komposition ins Schwarze. Ein Done Got Wise etwa mäandert etwas planlos vor sich hin und mag nicht so richtig zu infizieren. Dabei ist es weitestgehend unerheblich, ob es sich um das Original oder die von Myles Kennedy (ALTER BRIDGE, SLASH) eingesungene Variante handelt. Auch Whisper In Your Soul vermag bei mir im Original nicht nachhaltig zu zünden. Das ist aber zum Glück bei der Version mit Grace Potter am Mikrofon ganz anders. Die Dame hat wahrlich Dynamit in den Stimmbändern, das Haynes irgendwie nicht zur Verfügung hat. Dies sind aber zum Glück die einzigen beiden Ausnahmen auf dem ansonsten sehr gelungenen Werk, das wieder einmal die Ausnahmestellung der Band in der Jam Rock-Szene unterstreicht.

Die Bonus-CD ist dabei ein wirklicher Kauf-Anreiz für die Kunden, denn ein Dave Matthews (bei Forsaken Savior) oder aber Glenn „The Voice Of Rock“ Hughes (der hier No Reward intoniert) verleihen den Stücken schon noch einen neuen Reiz. Diese etwas andere Art, einen Titel vorzutragen, verleitet schon manches Mal dazu, die zweite CD statt der ersten in den Player zu bugsieren, alleine schon der Abwechslung halber, aber natürlich auch, weil sich hier einige exzellente Sänger tummeln. Besondere lobende Erwähnung verdienen sich dabei auch noch Ben Harper, der den World Boss mit viel Soul in der Stimme intoniert und Dr. John, der How Could You Stoop So Low sehr eindringlich vorträgt und so sogar noch einmal um knapp anderthalb Minuten verlängert. Aber GOV’T MULE ist es hier generell gelungen, die richtige Stimme für den jeweiligen Song als Gast-Star zu gewinnen. Das Einzige, was hier etwas verwundert ist allerdings der Umstand, dass nicht die Reihenfolge der ersten CD eingehalten wurde und so das bereits gelobte Bring On The Music mitten im Album platziert wurde.

“Shout“ ist wieder ein klassisches GOV’T MULE-Album geworden. Die Band vermeidet zum Glück allzu extreme Experimente wie noch auf “By A Thread“ und konzentriert sich auf ihre ureigensten Qualitäten. Dabei machen sie einmal mehr nahezu (bis auf zwei Songs) alles richtig. In dieser Form werden Warren Haynes und seine Mitstreiter, bei denen insbesondere Organist Danny Louis in einigen Passagen für ordentlich Atmosphäre sorgt, wohl einmal mehr ihren Thron als Könige des Jam Rock mühelos verteidigen. Und das Experiment mit der zweiten CD voller Gast-Sänger ist hier mal definitiv als voller Erfolg zu werten und für die Zukunft zur Nachahmung zu empfehlen.

Marc Langels, 17.09.2013

 

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