Graveyard Boogie Band

Resurection


CD-Review

Reviewdatum: 08.05.2001
Jahr: 2000

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Redakteur(e):

Lutz Melzer


Graveyard Boogie Band
Graveyard Boogie Band, 2000 (?)
Länge: ca. 37 Min Medium: CD
1. Bring Back Southern Rock And Roll6. Can't Remember
2. Make Love To You Tonite7. Color Blind
3. What's Goin' On8. Do Me No Favors
4. This Ole World9. No Contest
5. Snake In The Road, Pt. I & II

Das Internet eröffnet ja ganz neue Möglichkeiten, Bands kennenzulernen, die man sonst nie mitbekommen hätte. Gerade wenn es darum geht, ein Southern Rock Fan aus Europa zu sein. Dabei kommt einem so manche Perle in die Finger, aber auch viel Schrott, Halbgares oder Mittelmäßiges.

Hier vorliegen habe ich also eine CD, die über mp3.com vorgestellt und vertrieben wird, was man der ganzen Aufmachung bereits entnehmen kann.
Das muß an sich ja noch nichts bedeuten, sieht aber natürlich hauptsächlich nach mp3.com-Werbung aus. Ärgerlicher ist schon, daß es keine Besetzungsliste gibt, aber nach eifrigem Durchhören und außerdem Studium der Website bin ich ziemlich sicher, eine Einzelperson verbirgt sich hinter dem originellen Namen Graveyard Boogie Band.

Was zunächst auffällt: Hier holpert ein Drumcomputer vor sich hin!
Genau so, nur etwas besser, klingt es, wenn ich für NOCTURN meine Songs als bandinternes (!) Demo produziere, um sie der Band vorzustellen...(Gefickt eingeschädelt Herr Melzer. Ein bisserl Werbung für die eigene Band eingestreut. Red.)
Ansonsten hört man eine sehr rauhe, aber nicht wirklich gute Gesangsstimme, die manchmal ein bißchen an den "General" von der GENERAL LEE BAND erinnert, sowie Bass und Gitarren.

Die Songs im Einzelnen:

Bring back southern Rock and Roll: Los geht es mit einem Boogie, der aber schwer unter dem ungroovie programmierten, sich zudem wiederholenden Schlagzeug zu leiden hat. Die Gitarren sind dagegen im typischen originalen Southern Sound gehalten und auch gut gespielt. Das bereits im Titel erkennbare Thema ist sozusagen eine Variation von Gottschalks "What happened to Rock'n'Roll"...
Schade ist nur, wenn man eine Abrechnung mit "moderner" Musik schreibt, und dabei etwa eine Textzeile wie "need soulfull music" vorkommt, während darunter ein Computer-Drum zu hören ist!

Make love to you tonite: Beginnt mutig mit einem Drumintro, klingt sehr nach Computer, die Gitarren versöhnen dann wieder halbwegs. Im Prinzip eine Rocknummer, ganz erträglich.

What's goin' on?: Hier sticht sofort heraus, daß der Bass auf jeden Fall echt ist, er groovt hier mit einer guten Linie los. Es handelt sich bei diesem Track um so eine Art laid-back Southern funky stuff. Mit einer anderen Band im Studio bestimmt nett zum Mitwippen, aber die Computerdrums und der nicht mal mittelmäßige Sänger verhindern trotz guter Gitarren, daß das eventuelle Potential des Songs ausgeschöpft wird.

This ole world: Hier handelt es sich um einen Standard-Slowblues, der tatsächlich mit der Zeile "Woke up early this morning" beginnt!! Bei so einer Nummer paßt das Computer-Schlagzeug natürlich besonders gut...Aber die prinzipielle Langeweile dieser Nummer hätte womöglich auch ein mit feeling gespieltes Schlagzeug nicht mehr stoppen können.

Snake in the road pt.I & II: Dieser Track beginnt mit einem netten Acoustic Intro inklusive Slide Guitar. Ja, das läßt sich anhören!
Auch der folgende Midtempo-Rocker (natürlich wie alle Songs wieder mit Drum-computer) kommt ganz gut.

Can't Remember ist ein zügig-flockiger Rocker, hat allerdings komische Soundschwankungen am Anfang. Ist das Absicht?

Color Blind ist ein durchaus netter midtempo-Song inklusiver solider Slidegitarren-Arbeit. Das zugrundeliegende Riff ist jedenfalls ok.

Do me no Favors: Noch so ein Southern funky Song, leichte Stevie Ray Vaughn-Einflüsse sind bei den Gitarren herauszuhören. Das Drumcomputerintro ist hier wieder besonders furchtbar, auch stört das dämlich programmierte pattern der Bassdrum doch erheblich.

No Contest: Der letzte Track, ist ein etwas schnellerer Blues als This ole world, aber ansonsten auch nicht weiter der Rede wert.

Fazit: obskure Entdeckungen können sehr spannend sein, und viele Unbekannte hätten es verdient, einem breiterem Publikum erreichbar zu sein; es gibt aber auch Leute oder CDs, die unbekannt bleiben dürfen.
Bei allen positiven Ansätzen und stilistisch eindeutigen Gitarrensounds und Songwriting-Techniken: Diese CD gehört dazu! Denn letztlich sind die ekligen programmierten Drums und der schwache Sänger nur das Ausführungsproblem dieser "Band".
Schlimmer: Es fehlt eklatant an guten Songs, einige nette Riffs reichen dafür nicht! Es ist nicht ein einziger, gelungener, griffiger Refrain auf dieser CD zu finden! Da helfen dann die durchaus soliden Gitarren nicht mehr.
Noch eine Kleinigkeit am Rande: Warum muß man jeden Song bei irgendeinem Gitarrensolo ausfaden (außer No.4)?
Letztlich hat also, wer von dieser CD nichts mitbekommen hat, auch nichts verpaßt.

Lutz Melzer 08.05.2001

 

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