Green On Red

Valley Fever


CD & DVD-Review

Reviewdatum: 03.10.2006
Jahr: 2006

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Redakteur(e):

Epi Schmidt


Green On Red
Valley Fever - Live At The Rialto, Tucson, AZ, 9/04/05, Blue Rose Records, 2006
Dan Stuart Vocals, Guitar
Chuck Prophet Guitar, Vocals
Chris Cacavas Keyboards, Vocals
Marcus Carino Electric Bass
Jack Waterson Bass, Vocals
Daren Hess Drums
Produziert von: Jack Waterson Länge: 75 Min 77 Sek (CD) & ca. 85 Min (DVD) Medium: CD & DVD
1. Death And Angels9. Time Ain't Nothing
2. Hair Of The Dog10. The Drifter
3. Cheap Wine11. Sea Of Cortez
4. Gravity Talks12. We Ain't Free
5. Jimmy Boy13. Clarkesville
6. Keep On Moving14. Fading Away
7. No Free Lunch15. Ghost Hand
8. 16 Ways16. That's What Dreams Are Made For

Das ist auch wieder so eine Band, die einerseits Kultstatus hat und sich andererseits einem großen Teil von Musikhörern doch nur schwer erschließt. Ich gestehe gern, dass ich zu GREEN ON RED lange Jahre keinen rechten Zugang gefunden habe. Das ist für mich jetzt nicht so verwunderlich, denn das ging mir oft so mit Bands/Alben die von mancher Musikzeitschrift hochgejubelt wurde.
Jedenfalls hab ich mir "The Killer Inside Me" besorgt und war, na ja, leidlich angetan. Erst über die Umwege Chuck Prophet und Chris Cacavas, sowie über eine CD vom Kollegen Manni Hüther kam ich dann, quasi durch die Hintertür, doch wieder näher an diese Band. Soviel zur Vorgeschichte.

Die 1979 gegründeten GREEN ON RED fügten ihrem Stil über die Jahre Zutaten von Psychedelic über Punk und Rock bis Country hinzu und wurden sowohl eine der musikalischen Haupterben von Neil Young als auch Vorreiter der Americana/Roots-Welle.
Allein schon anhand der Produzenten kann man sehen, dass es sich hier um keine gewöhnliche Band handelt: Jim Dickinson (u.a. THE REPLACEMENTS, Alex Chilton, NORTH MISSISSIPPI ALLSTARS) für "Here Come The Snakes" und "The Killer Inside Me", Glyn Johns (THE WHO, John Hiatt, ROLLING STONES u.v.m.) bei "This Time Around" und Al Kooper (Nils Lofgren, LYNYRD SKYNYRD usw.) bei "Scapegoats". Wo solche Koryphäen arbeiten steckt Qualität dahinter.
Aber wie das mit zu vielen Köchen ausgeht weiß man auch, und nachdem vorher schon einige Mitglieder ausgeschieden waren, hatten die verbliebenen Dan Stuart und Chuck Prophet mit ihren Mi(e)tmusikern 1992 "Too Much Fun" und ließen die Sache, vielleicht auch etwas desillusioniert, bleiben.
Aber, ach, die Zeit heilt die meisten Wunden und im letzten Jahr, genauer am 4.9.2005, fanden sich die Originalmitglieder Dan Stuart, Chuck Prophet, Chris Cacavas und Jack Waterson wieder auf der Bühne vereint. Der frühere Schlagzeuger Alex MacNicol war 2004 verstorben und zu seinem Gedenken wurde auch dieses Konzert abgehalten. Den Platz von MacNicol übernahm Daren Hess.

Wer anders als Blue Rose Records stünde Gewehr bei Fuß um so ein Ereignis unseren Ohren und Augen nahe zu bringen - und das im schönen Digi-Pack, in dem sich sowohl CD als auch DVD zu dieser Show befinden.
Es kracht und brummt, "just like the old days" wie Dan Stuart bemerkt, und dann beginnt Death And Angels, wie damals, 1982 ihr Debütalbum.
Trotz aller Vorfreude sollte man sich doch zuerst die CD reinziehen um optisch nicht zu sehr abgelenkt zu werden. Nach wie vor ist die Band Geschmackssache, denn mit locker-leichten Melodien haben sie es nicht so. Es ist das Zusammenspiel dieser Musiker, das auch mal leicht schräg klingt, aber immer mehr fasziniert, lässt man sich erst mal drauf ein. Bereits beim ersten Titel wird mir bewusst, wie sehr Bands wie BIG IN IOWA oder die DRIVE-BY TRUCKERS von diesen Typen beeinflusst wurden.
Mit Hair Of The Dog wird es gleich eine ganze Spur rauer. Klasse, wie Chris Cacavas flüssige Pianoläufe über den Brat-Sound legt und Chuck Prophet Licks dazwischen schmeißt. Klingt wie Neil Young in seinen aggressiven Phasen. Der mittlerweile etwas nach Jack Nicholson aussehende Dan Stuart hat sich seinen Gesang bewahrt, der sich nicht um Schönheit, sondern um Ausdruckskraft schert und gerade damit zwingt er einen direkt zum Zuhören.

Für die versammelte Gemeinde war das natürlich ein Fest und ein Hit der Band nach dem anderen stolpert von der Bühne. Gravity Talks, fast locker-flockig durch Cacavas' Orgel, oder das melancholische Cheap Wine. Spätestens bei Jimmy Boy hat sich die Band richtig gefunden. Wie sich der Song langsam dynamisch aufbaut, sich steigert, immer mehr Elemente hinzufügt, fast schmerzlich diese Geschichte erzählt - klasse!
Zwischen offensichtlichem Country, wie bei No Free Lunch, und Heavy-Balladen, wie 16 Ways, die Gelegenheit für Solo-Orgien geben, wird Country-Rock a la BYRDS, BUFFALO SPRINGFIELD und ähnlichen Konsorten gegeben.
Auf der DVD ist natürlich witzig zu sehen, wie die Texte vom Notenständer abgelesen werden. Die Band macht aber da keinen Hehl draus, sondern reicht die Blätter nach jedem Lied sogar bereitwillig als Andenken ins Publikum. Ansonsten verstehen sie sich offenbar prächtig. Natürlich haben sich die Kerle optisch schon etwas verändert, aber das gilt für die meisten im Zuschauerraum wohl ebenso sehr, wie für die vor dem CD-Player bzw. Fernsehschirm. Die Freude spiegelt sich eindrucksvoll und unübersehbar in den Gesichtern und steckt regelrecht an.

Für einen Abend wie diesen, That's What Dreams Are Made For. Jedenfalls, wenn die Träume sich im Allgemeinen um die genannten Bands, Musiker und Stilrichtungen drehen. Wer schon vorher ein Fan dieser Band war, kommt an "Valley Fever" sowieso nicht vorbei, aber diese CD/DVD ist geeignet noch heute Fans für GREEN ON RED zu gewinnen.

Epi Schmidt, 03.10.2006

 

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