Greylevel

Opus One


CD-Review

Reviewdatum: 23.02.2007
Jahr: 2006

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Redakteur(e):

Jürgen Gallitz-Duckar


Opus One, ProgRock Records, 2006
Derek Barber Vocals, Guitar, Keyboards, Bass
Esther Barber Vocals, Keyboards
Richard Shukin Guitar
Produziert von: Derek & Esther Barber Länge: 58 Min 59 Sek Medium: CD
1. Sojourn4. Your Light
2. Taken5. Possessing Nothing
3. Blue Waves6. Rest

Ich lehne am Betonpfeiler im U-Bahnhof und warte auf die letzte Bahn. Möchte noch ein wenig Musik hören, aber bloss nix Lautes mehr nach dem wilden Partyabend. Fingere meine letzte Zigarette aus der Packung und beobachte das Liebespärchen zwei Bänke weiter links, während ich mit den Lippen Rauchringe forme. Die warme, stickige Luft macht mich schläfrig, doch ab und an kommt ein kühler Hauch von irgendwoher und sorgt dafür, dass ich nicht völlig wegdöse. Mal gucken was ich im Player dabei habe. Ne neue Band aus Kanada, GREYLEVEL, hat Freund Frank gesagt, nennen die sich. Soll ich mal hören.

Leicht psychedelische Keyboardschlieren und schleppende Beats, dazu ganz verhalten rockende Gitarren. Sowas ist jetzt richtig. Der Sänger hat ne angenehm melancholische Stimme, die ganz wunderbar zu dieser Nachtmusik passt. Genau, Nachtmusik. Das erinnert mich doch an die eine Platte der WALKABOUTS, "Nighttown" hieß die. Großartige Musik war das. Ja, das passt. GREYLEVEL sind ein wenig wie diese Scheibe. Oder ARCHIVE, diese Pop-Prog Trip-Hopper, auch so 'ne wirklich gute Band.

Meine Gedanken driften ab, während mich die wohligen Soundwellen mit ihrer Elegie umhüllen. Was sagt der da bei diesem eingestreuten Radio-Sprachfetzen-Sample? Na egal, schon vorbei. Ah, jetzt - ne wunderbar klare Akustikgitarre steht auf einmal völlig allein im Vordergrund. Schön sowas. Bisschen auch wie die alten CDs von den PORCUPINE TREE, bevor die die Gitarrenkeule rausholten. Wobei, gegen so die eine oder andere härtere Stelle wär ja jetzt gar nix einzuwenden. Hält wach und es sind noch 13 Minuten bis die Bahn kommt. Diese Gesangslinien des Ehepaars Barber haben auch was angenehm poppiges, durchaus eingängig. Sowas mag ich auch.
Jetzt könnte aber wirklich mal ne lautere Stelle kommen, Mensch, sonst penn ich noch weg.
Wollen sie nicht. Naja, ist das Debut, "Opus One", da sollen ja wohl noch weitere Scheiben nachkommen. Können ja nächstes Mal vielleicht die eine oder andere aufrüttelnde Stelle einbauen. Aber ansonsten wirklich großartige Musik und das obwohl die keinen Drummer haben. Komisch, bin ja sonst so drum-fixiert, aber das passt hier trotzdem. Alles ein bisschen wie aus einer Traumwelt.

Ah, da kommt die Bahn. Ich werde Frank sagen, das ist Musik für die Stunden des Zwielichts. Soll er sich auch mal gönnen, nach der Spätschicht z.B., da wirkt die richtig gut.

Jürgen Gallitz-Duckar, 23.02.2007

 

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