Halford

Judas Priest

Ich bekenne - Die Autobiografie des Sängers von Judas Priest

( English translation by Google Translation by Google )

Buch-Review

Reviewdatum: 07.04.2021
Stil: Biografie
Autor: Rob Halford
Seitenzahl: 528
ISBN: 978-3-453-27343-6
Preis: 24,00 EUR

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Verlag: Heyne Hardcore


Redakteur(e):

Epi Schmidt


"Metal God", "Hell Bent For Leather",“Wild Nights, Hot And Crazy Days“... ja (spätestens nach der Lektüre dieses Buches), selbst "Turbo Lover" oder "Living After Midnight" wären keine verkehrten Titel für dieses Buch gewesen. Im Grunde wären ein Großteil der JUDAS PRIEST-Songtitel für Halfords Autobiografie geeignet gewesen. Schließlich stammen die Texte dafür ja von ihm und so manche Zeile wird der Leser in Zukunft anders deuten.

“Ich bekenne“ ist aber wohl die ziemlich genaue Übersetzung des englischen Originaltitels “Confess – The Autobiography“ und somit passend. Wobei es die große “Offenbarung“ oder das “Eingeständnis“ (womit man “Confess“ auch übersetzen kann) ja nicht mehr ist, nachdem der Metal God – eingetragenes Warenzeichen! - sich vor Jahren bereits ob seiner Homosexualität geoutet hat.

Trotzdem erfährt man hier mehr, als manchem lieb sein könnte. In Robs Worten: “Ich bekenne enthält die reine Wahrheit und nichts als die Wahrheit“.

 

Die ein oder andere Person wurde trotzdem durch Änderung des Namens oder Details die auf ihren Namen schließen lassen geschützt. Mit sich selbst geht Rob da weit schonungsloser um.

Und das auf überaus unterhaltsame Weise. Bereits während der ersten Seiten muss ich öfter schmunzeln. Halford ist ist nun einmal ein Kind aus Walsall, gelegen im englischen “Black Country“, und hier pflegt man nicht lange um den heißen Brei herumzureden.

 

Anfangs unterscheidet sich sein Geschichte noch wenig von der anderer Musiker, die im Nachkriegs-England der 50er/60er Jahre aufgewachsen sind, aber das ändert sich bald. Nicht zuletzt mit Robs Erkenntnis: “Als ich zehn Jahre alt war, wusste ich, dass ich schwul bin“. Und als mit 13 Jahren sein Dad auf die Schliche kommt, hat Rob ein “Nein, ich streite es nicht ab“ parat.

Und das obwohl er zeitlebens Schwierigkeiten, nicht zuletzt in Beziehungen, gerne aus dem Weg gegangen ist, wodurch diese meist nicht kleiner wurden.

 

Eine ordentliche Lehre oder ein Studium, wie bei vielen seiner Musikerkollegen, war bei Rob nicht drin. Bisschen ins Theater rein schnubbern, als Filialleiter eines Herrenmodegeschäftes arbeiten und dann gab's recht bald nur noch Musik. Und nach ein paar Versuchen mit eigenen Bands und dem Glücksfall, dass seine Schwester mit Ian Hill, dem Bassisten von PRIEST, liiert war, fand Rob seine Bestimmung: Sänger von JUDAS PRIEST zu sein. Mehrmals macht er im Buch deutlich, dass er nie etwas anderes sein wollte. Auch nicht während seiner Solo-Projekte und seiner zeitweiligen “Auszeit“ von der Band, die – laut seiner Aussage – eher aus einem Missverständnis heraus entstand.

 

Natürlich geht’s hier auch um PRIEST und der Sänger nimmt uns mit ins Studio, auf und hinter die Bühne, und “all around the world“. Zu Streitereien, Unfällen – auf und abseits der Bühne - , Bestzungswechseln, mittleren Exzessen und ungeschönten Wahrheiten. Wie der, dass Glenn Tipton als Live-Perfomer wohl nicht mehr vollständig zurückkehren wird. Es geht aber in erster Linie um ihn selber. Und auch da nimmt er den Leser mit. Zu seinen Liebschaften, glücklichen und unglücklichen, und an Örtlichkeiten, wo man ihn, zumindest in den frühen Tage seiner Karriere nicht vermutet hätte. Damit hat Halford kein Problem. Ein Problem war es eher, dass er sich so lange verheimlichen musste. Man kann sich das als... , ja, “normaler Mann“ will mir hier nicht über die Lippen, denn was ist schon “normal“?, wohl nicht vorstellen. Wenn alles geheim bleiben muss, ungeheure Anstrengungen für ein bisschen persönliche Freiheit unternommen werden müssen.

 

Wenn man dann noch einen Hang zu Alkohol (und später auch Drogen) hat und der Durst mit den Jahren immer größer wird, dann hat man mehr als ein Bündel zu schleppen.

Trotzdem währenddessen Meisterwerke des Heavy Metal geschaffen zu haben und vielleicht des Genres herausragendster Sänger zu sein, dem gebührt aller Respekt.

Letztlich hat er auch alle Probleme gemeistert. Mittlerweile ist er gut die Hälfte seines Lebens “trocken“ und drogenfrei, mit seinem Leben und Partner im Reinen und immer noch in der Lage begeisternde Musik und Shows abzuliefern. Und selbst die weltweite Pandemie hat er genutzt, denn sonst wäre dieses Buch vielleicht nie geschrieben worden. “Ich bin froh, mir das alles von der Seele geschrieben zu haben“, bekennt er am Schluss. Und so ziemlich jeder Metal-Fan dürfte über dieses Buch ebenfalls froh sein. Auch, weil häufig der typisch englische Humor mit im Spiel ist und es auch in mancher Katastrophe was zu Lachen gibt. Aus meiner Sicht eine Pflichtlektüre. Auch wenn sich, wie gesagt, mancher Songtext hernach anders lesen lässt.

 

Und zum Schluss appelliere ich noch an seinen Heimatort Walsall, an dem er, zumindest zeitweise, immer noch lebt (Metaller sind bodenständig!): So oft wie in diesem Buch der Name Walsall und das umliegende Black Country (die West Midlands von England) erwähnt werden, wäre es nur recht und billig, wenn man ihm hier eines Tages die gewünschte lebensgroße Statue aufstellt. “Hier komme ich her und hier will ich zur ewigen Ruhe gebettet werden“.

Auf dass wir darauf noch ganz viele Jahre warten müssen! Für einen Metal-Gott sind knapp 70 doch bestenfalls mal mittelspäte Jugend.

Das letzte Statement gehört dem Autor selbst:

Ich werde nicht damit aufhören, mir den Arsch abzusingen!“

Amen.

 

 

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