The Intersphere

Klopje Popje
The Frames

Hamburg, Logo, 08.03.2010


Konzertbericht

Reviewdatum: 21.03.2010
Stil: Alternative, Progressive, Art Rock, Avantgarde

Links:

The Intersphere Homepage



Redakteur(e):

Kay Markschies


The Intersphere, Klopje Popje, Frames,
Hamburg, Logo, 08.03.2010

Das Hamburger Logo habe ich in der Vergangenheit lieben und hassen gelernt. Obwohl Piesel und seine Crew den Sound -trotz aller Bitten - meistens viel zu laut aufdrehen und man sich an die ungewöhnliche Architektur der Bühne erst einmal gewöhnen muss, sind Konzerte im Logo eigentlich immer legendär gewesen.

Und, wer weiß, vielleicht wird man auch an diesen 08. März noch einmal in bester Erinnerung zurückdenken.
Wer meine Rezension des neuen THE INTERSPHERE-Albums gelesen hat, der kann nachvollziehen, dass ich in freudiger Erwartung nach Hamburg gefahren bin. Und der Abend sollte schließlich auch ein guter werden.
Das fing schon beim Interview mit Moritz und Thomas von THE INTERSPHERE an.
Bereits vor dem Konzert herrschte eine fast familiäre Atmosphäre vor, alle Bands mischten sich im gut gefüllten Saal unser das Volk und schnackten das ein oder andere Wort mit dem Hamburger Fan.

Beginnen sollte der Abend mit einer Band aus Hannover. Im Zuge der diesjährigen Auswahl für den Eurovision in Oslo ist Musik aus Hannover ja derzeit in aller Munde. FRAMES aus der niedersächsischen Landeshauptstadt machen jedoch völlig andere Musik. Ihre Musik ist vom Retro-Progrock der 70er Jahre beseelt und kommt völlig ohne Gesang aus.
Obwohl diese Art von Musik ja nicht gerade ein Paradebeispiel für Kommerz ist, wurden FRAMES erst kürzlich mit einem Plattendeal bei Steamhammer/SPV belohnt und veröffentlichen dieser Tage dort ihr Debüt "Mosaik" .

Ich finde es immer wieder faszinierend, dass nachwachsende Rockkünstler auch alte Musikrichtungen wiederentdecken und wiederbeleben.
Die FRAMES tun dies in eindrucksvoller Weise tun, was auch das Hamburger Publikum zu schätzen wusste. Zwar tanzte niemand auf den Tischen, der knapp halbstündige Auftritt endete jedoch in langen wohlwollenden Applaus und verlassen hat den Saal auch niemand, was ja auch schon einmal viel wert ist.

Weiter ging es mit den Holländern KLOPJE POPJE, die gerade ganz frisch den Amsterdamer Pop-Preis einheimsen konnten und THE INTERSPHERE schon in den Niederlanden begleiteten.

Und wer jetzt die nächste Progrock erwartet hatte, musste ziemlich überrascht gewesen sein. KLOPJE POPJE spielen nämlich sehr abgefahrenen Avantgarde und kombinieren verschiedene Stile von Rock, Metal bis hin zu Jazz in einer Weise, die man in der Vergangenheit hauptsächlich von Bands wie MR.BUNGLE gewohnt war.
Der Auftritt von KLOPJE POPJE wurde nicht nur musikalisch ein Genuss, sondern ließ die Zuhörerschaft des öfteren schmunzeln. Denn neben exzellenten und kilttragenden Musikern, sehr durchdachten Songstrukturen, einem äußerst extrovertierten Sänger haben KLOPJE POPJE vor allen Dingen eines: Humor in den Songtexten.
Insgesamt lieferte das Quintett aus Holland einen sehr sehr überzeugenden Auftritt ab.
Ich kann euch nur empfehlen, euch die Jungs mal anzugucken, wenn sie bei euch in der Gegend sind. Ihre erste EP könnt ihr per Download über die MySpace-Seite der Band beziehen.

Kommen wir zur Band, wegen der ich in erster Linie gekommen war - THE INTERSPHERE. Wie ich oben schon erwähnte, hat deren neueste Platte "Interspheres - Atmospheres" mich wirklich begeistert.


Da war die Neugierde natürlich entsprechend groß, ob die Mannheimer die Energie ihres Sound auch live so auf die Bühnenbretter übertragen können.

Und sie können !

Begleitet von einer eigenen Lichtproduktion ging es gleich ohne angezogene Handbremse in die ersten beiden Songs des Debüts "s.o.b.p". Kaum waren die letzten Takte von Wizard And Elf On The Shelf und smallOnes brainpain verklungen, ertönte bereits das Gitarrengewaber von Right Through Me, dem Opener der aktuellen CD.

Spätestens bei diesem dritten Song konnte auch derjenige, der die Band zuvor noch nicht live erleben konnte, spüren, dass THE INTERSPHERE wirklich Livequalitäten hat und der Vierer bei Konzerten alles gibt.
Bei Sebastian und Christoph floss schon mächtig der Schweiß, Schlagzeuger Moritz malträtierte seine Drums derart, dass man schon ein bisschen Angst um seine Felle, Kessel und Becken haben musste. Gut, wenn man einen Endorser hat ! ;-)

Dem Überhit Prodigy Composers folgten fast ausnahmslos Songs von "Interspheres - Atmospheres", erst zum Ende des regulären Sets und bei den Zugaben lies man den Blick wieder ein bisschen in die Vergangenheit schweifen.


Den absoluten Höhepunkt erreichte das Konzert jedoch bei dem Song Koma, bei dem alles im Publikum wild durcheinander sprang und einige der niedrige Decke dabei beängstigend nahe gekommen sind.

Ich muss mein Lob, mit dem ich vor vier Wochen "Interspheres - Atmospheres" in den siebten Himmel gehievt habe, erneuern. Das, was die Band an diesem Abend abgeliefert hat, ist bei deutschen Bands wirklich sehr selten zu finden - Spielfreude, einen internationalen Sound, überragende Kompositionen und der Wille, immer alles zu geben.
Auch wenn dieses Konzert nur vor knapp 150 Zuschauern stattfand, kann man der Band nur raten, ihren Weg konsequent und unbeirrbar weiterzugehen. Dann werden THE INTERSPHERE zukünftig größere Locations buchen müssen.

Kay Markschies, 08.03.2010

 

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