Katatonia

Junius
Alcest

Hamburg, Markthalle, 05.12.2012

( English translation by Google Translation by Google )

Konzertbericht

Reviewdatum: 06.02.2013
Stil: Progressive Dark Metal

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Redakteur(e):

Kay Markschies


Katatonia, Alcest, Junius,
Hamburg, Markthalle, 05.12.2012

Na, der Tag hätte auch besser beginnen können. Da ist man nach relativ langer Zeit mal wieder für HOOKED ON MUSIC zu einem Konzert unterwegs und die Hansestadt Hamburg hat nichts Besseres zu tun, als seine Bewohner und die, die über die A7 in die Metropole pilgern, mit einem der eher selten vorkommenden Schneestürme zu verdrießen.

Ich sah mich auf jeden Fall vor Beginn des KATATONIA-Konzertes an diesem 05.Dezember schon eher auf der Autobahnraststätte Holmmoor bei Quickborn mit festgefahrenen Reifen, anstatt im Fotografengraben den Sound der Dark Metal-Schweden aus nächster Nähe mitzubekommen.
Doch der liebe Gott hatte ein Einsehen und glücklicherweise leistungsfähige Straßenmeistereien an diesem Abend vom Himmel geschickt, so dass ich so pünktlich vor der Hamburger Markthalle stand, dass ich nicht einmal den Auftritt der US-Jungs von JUNIUS verpassen sollte.

Das Dreiergespann aus KATATONIA, ALCEST und JUNIUS versprach auf jeden Fall schon einmal feinsten schwermütig angehauchten Dark Metal und eine wahrlich sehr internationale Zusammenstellung, schließlich sind in diesem Package gleich Musiker aus drei Nationen (Schweden, Frankreich , USA) vereint.
Noch bevor JUNIUS auf der spärlich beleuchteten Bühne loslegten, ist den Zuschauern schon mal eines bewusst geworden: In den USA scheinen Vollbärte und Kaputzen-Hoodies immer noch stark im Trend zu sein. Anders ist es nicht zu erklären, dass gleich alle Mitglieder der US-Metaller sich für ein solches Outfit entschieden.

Musikalisch gaben sich die vier Jungs aus Boston hingegen weniger uniformistisch. Die Mischung aus schweren heruntergestimmten Gitarren, sphärischen Keyboard-Teppichen und melodischen Gesängen lässt sich vielleicht als eine Mischung aus LIFE OF AGONY und mittelalterlich angehauchtem Hardcore beschreiben. Der Menge hat es auf jeden Fall gefallen, der Saal war bereits pickepackevoll und der abschließende Applaus nach ca. 45 Minuten kam nicht nur von denen, die exclusiv wegen JUNIUS den Weg in die Markthalle gefunden hatten.

Nach diesem Abstecher über den Atlantik folgte nun der europäische Teil des Konzertabends. Als Mitte des Metal-Sandwichs versuchten ALCEST aus Frankreich nun die Masse zu begeistern. Ein Unterfangen, das den Jungs aus Avignon gelingen sollte. Die Hamburger Fanbasis schien jedenfalls vollzählig angetreten zu sein, so manches ALCEST-Shirt zierte die Brust von Mann und Frau.
Dabei muss man für den Sound der Franzosen exclusiv geboren sein. ALCEST sind ein typischer Fall von „entweder man liebt sie oder man hasst sie“. Der Grund dafür sind die teilweise doch recht langgezogenen und monoton wirkenden Soundteppiche, die einen ganz anderen Ansatz haben als z.B. die technisch versierten Soundstrukturen von KATATONIA. Ich brauchte beim letzten Album „Les Voyages de l'Âme“ jedenfalls eine ganze Weile, bis ich mich dem Sound hingeben konnte. Dieses fast Mantraartige an ALCEST, das seinen Ursprung auch zu einem großen Teil aus der Alternative- und Gothic-Ecke bezieht, erinnert manchmal auch (nicht von der Härte, sondern von der Machart her) an ANATHEMA.
Eine andere Frage ist immer, ob solche Musik auch live funktioniert. In Hamburg hat das geklappt. Den Norddeutschen sagt man ja nach, sie seien eher stoisch, und wenn man ehrlich ist, tobt bei Vorgruppen meistens sowieso noch nicht der Mob. So fand das ALCEST-Konzert genau die Atmosphäre, die man für die Musik der Franzosen benötigt: stilles, genüssliches Zuhören.
Dass der Gig von ALCEST ein voller Erfolg war, konnte das Quartett jedenfalls unschwer am Applaus nach ihrem letzten Song erkennen.

Kommen wir zum Headliner KATATONIA, einer meiner persönlichen Faves zurzeit. Und nicht nur ich scheine derzeit diese perfekte Mischung aus Schwermetall und Harmonie bei den Schweden großartig zu finden, die ziemlich volle Markthalle war ein zusätzliches Indiz dafür, dass KATATONIA inzwischen eine internationale Band mit Renommee und einer starken Fanbasis sind.
Ein Grund dürften die starken vier letzten Alben sein, die auch die Grundlage der Setlist an diesem Abend werden sollte. Mit dem Opener des neuen Albums „Dead End Kings“ The Parting ging es los, gefolgt von Buildings, zu dem KATATONIA bereits eine EP hinterher geschoben haben.
Schon bei den beiden Hits Delibertation und MyTwin von „The Great Cold Distance“ wurde klar, dass die beiden „Neuen“ Per Eriksson und Niklas Sandin sich auch live außerordentlich gut in die Band eingefunden haben. Ich hatte den Eindruck, dass gerade bei den mehrstimmigen Gesangspassagen Jonas nun häufiger unterstützt wird, als dies in der Vergangenheit der Fall war. Und spätestens beim Solo von Lethean sollte jedem klar gewesen sein, dass Jonas und Anders sich da zwei weitere Juwelen vom ohnehin schon gut ausgebildeten schwedischen Musikermarkt geangelt haben.
Ein Songhighlight folgte dem anderen, bei der Zusammenstellung der Setlist haben KATATONIA auf dieser Tour ein glückliches Händchen bewiesen. Der einzige Wehrmutstropfen, den es zu verkraften gab, war der doch ein wenig undiffenziert abgemischte Sound. Die (zugegebenermaßen eingespielten) Keyboards und Samples waren kaum auszumachen und kamen eigentlich nur bei den ruhigeren Stücken zum Tragen … das finde ich eigentlich immer ein bisschen schade. Hier täte manchmal ein bisschen weniger Lautstärke und weniger Fokus auf Bass und Schlagzeug gut.

Dennoch waren nach den Zugaben Forsaker und Leaders alle Hamburger restlos begeistert und man sah durchweg in zufriedene Gesichter, was sich ändern sollte, als die Besucher schließlich ins Freie auf die inzwischen auf 10cm angewachsene Schneedecke traten.

Kay Markschies, 05.12.2012

 

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