Henrik Freischlader

Hannover, Bluesgarage, 24.05.2006

( English translation by Google Translation by Google )

Konzertbericht

Reviewdatum: 24.05.2006

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Redakteur(e):

Joachim Domrath


Hannover-Isernhagen, Blues Garage, 24.05.2006

Besetzung:
Henrik Freischlader: Lead Vocals, Electric Guitars
Oliver Schmellenkamp: Bass
Mickey Neher: Drums, Percussion, Vocals
Sascha Kühn: Keyboards

Man sah es schon von weitem. Am Himmel braute sich etwas zusammen. Dunkelste Wolkenberge türmten sich in den unheimlichsten Formen aufeinander. Der Himmel tat sich auf und es schüttete als wären die Niagara Fälle direkt über Isernhagen. In letzter Minuten konnten wir die rettenden Hallen der Bluesgarage erreichen und waren froh, in Sicherheit zu sein.
Doch dieser Schein sollte trügen. Denn was der BLUESHAFTIGE mit seiner Band kurze Zeit später auf die zahlreichen Besucher in der Bluesgarage losließ, dagegen war das Unwetter vor der Tür nur ein laues Lüftchen.

Der BLUESHAFTIGE, das ist Henrik Freischlader und dazu seine neue Band. Kein anderer junger deutscher Gitarrist konnte sich mit seinem Können in den letzten Jahren so überzeugend in Szene setzen.

Das Konzert hatte dann auch sein besonderes Feeling. Wo schon bekommt der geneigte Besucher mit seiner Eintrittskarte gleich den akribischen Soundcheck mitgeliefert. Was des einen sein Glück, ist des anderen sein Pech. Durch eine ungewollte 6-stündige Fahrt von Wuppertal nach Isernhagen war der Zeitplan der Band gehörig durcheinander geraten.
Die ersten Besucher wurden also Zeuge des Soundchecks. Die Bluesgarage als Konzertsaal mit dem gleichzeitigen Charme eines Übungsraumes.
Und dieser Soundcheck war um Klassen besser, als manches komplette Konzert der vergangenen Jahre bzw. Jahrzehnte. Und dazu gehören so namhafte Bands wie LED ZEPPELIN und SANTANA. Andere Opfer der Hannoveraner Messehallen-Konzerte werden sich gut daran erinnern.
Trotz aller Hektik war die Band aber nicht so richtig aus der Ruhe zu bringen, obwohl auch noch Stammtrommler Dirk Sengotta kurzfristig durch Mickey Neher ersetzt werden musste. Aber dazu später mehr.

Henrik Freischlader Um 22 Uhr war es dann soweit. Die vier Blues-Musketiere enterten die stimmungsvolle Bühne der Garage und starteten mit dem Titeltrack des aktuellen Albums "The Blues" gleich voll durch. Die Band ging sofort mit äußerster Konzentration zur Sache.
Beeindruckend: die Röhre von Henrik. Man vermutet hinter dieser Stimme eher ein Urviech Marke Mitch Ryder oder Eric Burdon. Und da steht ein junger, stets freundlich lächelnder Mann, den viele Schwiegermütter sofort in ihr Herz schließen würden.
Damit der Saal so richtig in Stimmung kam, folgte mit Disappointed Women sofort der nächste Kracher vom neuen Album. Die Gitarre klang hier nicht ganz so harsch und gnadenlos wie beim Opener. Dafür steigerte Henrik das Tempo bei seinen Solo-Eskapaden beträchtlich. Egal ob harsch oder fein, der Gitarrensound war immer allererste Sahne.
Henrik Freischlader Das gilt auch für die gediegene Keyboard-Begleitung durch Sascha Kühn, der nicht nur technisch ein Könner seinen Fachs ist. Die beiden Orgel- und Piano-Soli im Laufe des Abends gefielen durch Abwechslungsreichtum und einen gewissen Funky-Sound. Ist Sascha vielleicht ein Nachfahre des legendären Jazz-Pianisten Joachim Kühn?
Bassist Oliver Schmellenkamp bot eine überzeugende Leistung auf seinen vier Saiten und lieferte später ein gediegenes Solo bei Nothin' To Loose ab.
Und nun zur "Notlösung" Mickey Neher, der an seinen Gretsch Drums lässig wirbelte, als würde er seit Jahren mit den Jungs zusammenspielen. Die meisten im Publikum dürften nicht einmal mitbekommen haben, dass Mickey für den verhinderten Dirk Sengotta eingesprungen ist.
Und Humor hat Mickey auch. Mit seinem sympathischen Grinsen im Gesicht [wo sonst? Red.] scheint er ein absolut stressfreier Zeitgenosse zu sein. Und dass man für ein kerniges Schlagzeugspiel keine riesige Schießbude braucht, zeigte erneut dieses Konzert. An seiner Schlagtechnik erkennt man außerdem den geborenen Jazzer in ihm. Auf sein großes Solo musste er aber bis zur Zugabe warten.

Nachdem eine schöne Frau (Oh Pretty Woman) zu den musikalischen Akten gelegt war, erklang mit Tired Of Beggin' einer meiner Bluesrock-Lieblingssongs der letzten Jahre aus den soliden Realtone Amps. Die Nummer überzeugte live noch mehr als auf Platte. Vielleicht auch, weil die Band hier doch wesentlich länger zur Sache geht und der Song noch mehr rockt. Auf jeden Fall eine Übernummer, die allein schon den Kauf der CD rechtfertigt.
Henrik Freischlader Die Stimmung im Saal erreichte zum ersten Mal den Siedepunkt. Reif für Hollywood sind die Gesichts-Verzückungen, wenn Henrik bei seinen Gitarrensoli in die Twilight Zone des Blues Rock abzutauchen scheint. Er spielt nicht nur den Blues, er lebt ihn.
Ein weiteres Highlight des Abends war Peter Greens I Loved Another Woman. Dagegen sieht die Urversion blass aus. Henrik Freischlader verpasste der betagten MAC-Nummer eine rockige Frischzellenkur und machte aus dem schon guten Klassiker ein wahres Schmankerl. SANTANA meets CREAM by Albert King.

Auch im zweiten Set wurde musikalisch viel Hochkarätiges geboten. Johnny "Guitar" Watsons Too Tired tönte rhythmisch kräftig aufgemöbelt und klang dadurch wesentlich knackiger als das Original. Zwischenzeitlich erinnerte Henriks Gitarrensound in den feinfühligen Phasen etwas an Joe Pass. Die Band groovte dazu perfekt im Rhythmus.
Henrik Freischlader Nach einem weiteren Klassiker in Form von The Sky Is Cryin' kamen als krönender Abschluss die Kracher Nothin' To Loose vom aktuellen Album und der Alltime-Hit Let The Good Times Roll. Gerade beim letzten Stück legten Henrik und Co. rockig noch ein paar PS drauf und bezogen das Publikum geschickt in ihre Musik mit ein.
Gut fürs Publikum, schlecht für die Band. Die hatte natürlich jetzt keine Chance mehr, den Saal ohne Zugabe lebendig zu verlassen. 30 Minuten sollten es noch werden. Zuerst romantisch verklärt mit Lonely World von "The Blues". Die musikalischen Rausschmeißer erfolgten dann in Form von Jimis Fire und Voodoo Chile.

Fazit: Eine deutsche Bluesrockband lehrt vielen anglo-amerikanischen Vorbildern das Fürchten. Das gilt sowohl für das Können an den Instrumenten wie auch bei der Präsentation der Songs. Und Henriks raue Röhre gehört in die vordersten Ränge der Rock- und Bluesliga. Das hat er auch live überzeugend unter Beweis gestellt.
Und wen der BLUESHAFTIGE einmal packt, den lässt er nicht mehr los.

Zum Interview mit Henrik Freischlader bitte hier klicken.

Joachim Domrath, 26.05.2006

 

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