Hanoi Rocks

Up Around The Bend

( English translation by Google Translation by Google )

CD-Review

Reviewdatum: 17.05.2004
Jahr: 2004

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Redakteur(e):

Epi Schmidt


Hanoi Rocks
Up Around The Bend... The Definitive Collection, Sanctuary Records, 2004
Länge: 147 Min 19 Sek Medium: Do-CD
CD 1:
1. Tragedy12. Oriental Beat
2. Village Girl13. Love's An Injection
3. Stop Cryin'14. I Want You
4. Lost In The City15. Café Avenue
5. Cheyenne16. Nothing New
6. 11th Street Kidzz17. Self Destruction Blues
7. Motorvatini'18. Beer And A Cigarette
8. Don't Follow Me19. Taxi Driver
9. Teenangels Outsiders20. Problem Child
10. Sweet Home Surburbia21. Dead By X-Mas
11. MC Baby
CD 2:
1. Malibu Beach Nightmare10. Don't You Ever Leave Me
2. Mental Beat11. Underwater World
3. Until I Get You12. Boulevard Of Broken Dreams
4. Tooting Bec Wreck13. Million Miles Away (aka Never Get Enough)
5. Beating Gets Faster14. Lightnin' Bar Blues (live)
6. Ice Cream Summer15. Visitor (live)
7. Back To Mystery City16. Under My Wheels (live)
8. Up Around The Bend17. I Feel Alright (live)
9. High School18. The Train Kept A-Rollin' (live)

Also ich find's klasse, wenn so solche "Sampler" rauskommen. Man muss wahrscheinlich nicht unbedingt jede HANOI ROCKS Scheibe haben, aber nicht umsonst sind die Finnen bis heute der erfolgreichste Rock-Act ihrer Heimat (wenn nicht ganz Skandinaviens) und da kann man sie nicht so ohne weiteres übergehen. Als die Herren von GUNS 'N ROSES noch was im Schädel hatten, waren sie solche Fans dieser Band, dass sie sogar deren Scheiben auf ihrem "Uzi Suicide"-Label wiederveröffentlichten.

Ganz offensichtlich beeinflusst von Glam-Rockern wie den NEW YORK DOLLS, kann man die Band aber nicht auf eine bloße Kopie reduzieren. Durch ihr Schaffen zieht sich der rote Faden ihrer Punk-Wurzeln, denn in entsprechenden Bands haben die Gründungsmitglieder Antti Hulkko, Jan Stenfors, Matti Fagerholm, Sami Takamäki und Jesper Sporre ihre Karriere begonnen.
Natürlich klingt Tragedy wie direkt aus einer KISS-LP geklaut (mal abgesehen von dem BEACH BOYS-Background-Gesang), aber schon bei Village Girl wird ein anderer großer Einfluss deutlich: Der Punk und Wave wie ihn THE CLASH zelebrierten schimmert immer wieder durch die Kompositionen von HANOI ROCKS durch - fast immer mit einer gehörigen Rock-Attitüde versehen. Hin und wieder sind auch Ähnlichkeiten zu den BOOMTOWN RATS zu finden und mit Michael Monroe (die Band gab sich neue Namen als sie nach England umzog) hat man einen ähnlich charismatischen Sänger, der zudem noch ein fetziges Saxophon spielen kann und dies in Stop Cryin' gleich mal unter Beweis stellt.

Die ersten sechs Songs stammen alle vom Debut "Bangkok Shocks, Saigon Shakes, Hanoi Rocks" (1980) und zeigen eben jene unbekümmerte "Los-ab-geht's" Attitüde, die Punkbands eigen ist. Dazu kommt ein Gespür für eingängige Melodien und heraus kommen Songs wie Cheyenne, das fetzt und einem sofort die Gehörgänge hoch kriecht. Fast hysterisch hetzt Michael Monroe durch diesen "Rock-Wave".
Die nächsten sechs Lieder stammen vom Nachfolgealbum "Oriental Beat" und kommen wohl noch eine Spur rockiger und allemal ehrlicher als optisch ähnliche Bands wie sie damals in Amerika aus dem Boden schossen (dazu später mehr).

Eigentlich komisch, dass die Band mit einem gar nicht so "hardrockigen" Song wie Love's An Injection die Tür zu den Metal-Fans durchschritt (na ja, heute wundert einen manches was in den 80ern passierte...), allerdings ging es auf dem zugehörigen Album "Self Destruction Blues" durchaus auch anders zu, wie man bei I Want You hören kann. Da zeigt schon das einleitende Chuck Berry-Riff wo es lang geht: Jede Menge FACES oder wie später die QUIREBOYS klappert hier entlang, gekrönt von einem Monroe-Sax-Solo.
Die dicken Stadion-Balladen waren noch nicht so in Mode und so wird flott die Cafe Avenue runtergeschlendert - vom Straßenrand grüßen THE CURE.
Richtig geil kommt der Self Destruction Blues! Gleich zwei Mundharmonikas jammern hier richtig scharf um die Wette, während die Gitarre scheppert und Herr Monroe klingt als wenn er durch die Mundharmonika singen würde - leider fehlt der erhoffte Power-Part zum Ende.
Auch die folgenden Songs sind von diesem dritten Album und bei Problem Child handelt es sich nicht um die AC/DC-Nummer, sondern man saust eher im Punk-Wave Fahrwasser. Rohe Energie pur!
Richtig Spaß macht auch das "etwas andere Weihnachtslied" Dead By X-Mas, das auch irgendwo zwischen den BOOMTOWN RATS und leichten Ska-Einflüssen baumelt. Keine Angst - das sind nur Anhaltspunkte! Es macht wirklich Laune und der gute alte Rock'n'Roll kommt immer noch durch.

Mit fetzigen Akkorden eröffnet Malibu Beach Nightmare die zweite CD und mit so einem Power-Song konnte man sicher Fans von den RAMONES ebenso ködern wie Glam-Anhänger aus dem POISON/MÖTLEY CRÜE Lager.
Etwas abgedrehter ist der Mental Beat da schon und, tja, was soll ich sagen: Mir fallen da immer wieder THE CLASH ein.
Fällt direkt auf, wenn sich ein Song wie Until I Get You mehr im Midtempo-Bereich bewegt. Kommt trotzdem noch gut, weil einfach dieser "Fuck It"-Stil da ist, der sich nicht um Perfektion schert.
Bis zum siebten Song wird die LP "Back To Mystery City" hier größtenteils abgehandelt.
Da reitet Ice Cream Summer mehr auf der Pop-Schiene, während Back To Mystery City sich im Punk-Rock wälzt und sich etwas bei Mony, Mony bedient (interessanterweise ist das Duo Michael Monroe/Andy McCoy dem Duo Billy Idol/Steve Stevens nicht so unähnlich).

Dass diese Kollektion "Up Around The Bend" heißt, ist durchaus berechtigt, denn mit dem CCR-Hit waren die Finnen nicht nur erfolgreich, sondern sie haben auch eine absolute geile Version davon aufgenommen, die den Vergleich mit irgendeinem anderen gecoverten CCR-Song nicht zu scheuen braucht. Es rockt, und rockt und scheppert und knallt richtig klasse!!!
Leider war die Band in diesem Jahr (1984) auch schon auf ihrem Höhepunkt. Am 4. Dezember starb Nicholas "Razzle" Dingley (seit 1982 an den Drums) bei einem Autounfall den der (betrunkene) MÖTLEY CRÜE-Sänger Vince Neil verursacht hatte und der bis heute Anlass zu Streitigkeiten zwischen den Musikern beider Bands gibt. Feuer ins Öl goss unlängst die Veröffentlichung der CRÜE-CD-Box "Music To Crash Your Car To". Von Naivität kann man da schon nicht mehr sprechen...

Zurück zum Thema. Ein härterer Sound ist bei "Underwater World" zu verzeichnen und wer weiß, ob die Zeile "welcome to the jungle" nicht ein paar andere Jungs inspiriert hat. [guckst Du hier!]
Dieser härtere Sound setzt sich auf dem Boulevard Of Broken Dreams fort. Falls hier jemand eine Ballade vermutet hat - Falsch! Manche Band hätte mit einer "entschärften" Version wohl einen Stadion-Rock-Hit hieraus gemacht, sagen wir... KISS, z.B.
Dann kommt sie aber doch noch! Die Mega-Ballade. Million Miles Away wird aber glücklicherweise zwar von einem Piano untermalt, aber Regie führen die E-Gitarren (wir sind ja hier schließlich nicht bei POISON) und Streicher gibt's auch keine, dafür lässt Herr Monroe seine "Kanne" wieder mal ertönen und dann...?...hoppla... nein, es ist noch das gleiche Lied. Ein Rhythmuswechsel und ein Tempo, dass man direkt erschrickt, platzt hier einfach zwischenrein um sich nach ein paar Takten wieder zu verabschieden und sich dem ursprünglichen Song zuzuwenden.

Es folgen noch fünf Live-Mitschnitte die verdeutlichen wie die Band auf der Bühne abging. Besonders Spaß macht Under My Wheels, das hier klingt, als wäre es direkt aus der "Rocky Horror Picture Show" importiert worden und natürlich die alte YARDBIRDS-Nummer The Train Kept A-Rollin'.

Da sind zwei CDs bis oben hin voll mit wirklich gutem Material!
Sänger Michael Monroe und Gitarrist, sowie Songschreiber, Andy McCoy haben inzwischen HANOI ROCKS mit ein paar neuen Musikern wieder ins Leben gerufen und auch ein neues Album veröffentlicht, "Twelve Shots On The Rocks", welches in Finnland schon die Platin-Grenze überschritten hat.

Epi Schmidt, 17.05.2004

 

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