Henrik Freischlader

Live

( English translation by Google Translation by Google )

CD-Review

Reviewdatum: 08.10.2008
Jahr: 2008

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Redakteur(e):

Frank Ipach


Live, Pepper Cake/Zyx, 2008
Henrik FreischladerVocals, Guitar
Oliver SchmellenkampBass
Dirk SengottaDrums
Hardy Fischötter, Mickey NeherDrums
Sascha KühnKeyboards
Produziert von: Henrik Freischlader Band Länge: 171 Min 13 Sek Medium: CD
CD 1
01. The Blues06. Dirty Low Down And Bad
02. Disappointed Women07. Is It Right
03. Too Cool For Me08. Livin' It Up
04. Keep Playin'09. She's Back (For Another Try)
05. Nothin' To Lose
CD 2
01. HFB Overture05. Let The Good Times Roll
02. I Loved Another Woman06. Lonely World
03. Drum Solo07. Fire
04. She Ain't Got The Blues08. Voodoo Chile
CD 2
01. Intro06. Dirty Low Down And Bad
02. You07. When I First Saw You
03. Tired Of Beggin'08. Tightrope
04. Oh Pretty Woman09. She Ain't Got The Blues
05. Not Of That Kind

Egal wo man hinhört, egal was man so liest, die Henrik Freischlader Band kommt immer gut weg. Meistens endet das Ganze sogar in überschwänglichen Rezensionen. Diesem Spuk wollen wir nun endlich mal ein Ende bereiten...
Quatsch, als Blues-Rock Fan der ersten Stunde (also seit Kindesbeinen) kommt man einfach nicht umhin, der Freischlader-Gang Lob zu zollen. Das aktuelle "Live"-Album der Freischlader Band lässt kaum etwas anderes als eine gute Kritik zu.

Waren die beiden Studioalben ("The Blues" und "Get Closer") schon recht ordentlich bis verdammt gut, schießen die Jungs um Henrik mit ihrem Triple-Live-Album den Vogel ab, und dies nicht nur weil man hier für Normalpreis die absolute Vollbedienung in Sachen Quantität, sondern auch in Punkto Qualität erhält. Angefangen bei der stilvollen Aufmachung der CD, die als elegant schlichtes, aufklappbares Digi-Pack daherkommt und innerhalb des Booklets mit schönen Live-Pics beeindruckt, bis hin zur exquisiten Umsetzung der Musik in Tonqualität und Ausdruck.
CD 1 & 2 spiegeln einen Querschnitt aus zwei Gigs, die im März 2008 in Wuppertal stattfanden, wieder. CD 3 stellt einen echten Bonus für Fans dar. Hier setzen HFB diverse Live-Mitschnitte verschiedener Jahre (mit unterschiedlichen Drummern) zusammen, wobei die Aufnahmequalität etwas abfällt, zumal in den ruhigen Passagen das Gequatsche des Publikums recht gut zu hören ist. Das nervt etwas. Nervt mich bei Konzerten vor Ort auch immer wieder...

Wie es sich für ein Live-Dokument eigentlich gehört, aber nicht unbedingt immer Gültigkeit besitzt, übertreffen Freischlader, Dirk Sengotta (Drums) und Oliver Schmellenkamp (Bass) ihre Studioaufnahmen noch um einiges an Esprit und Überzeugungskraft. Wahrscheinlich liegt es daran, dass diese Art von Blues bzw. Blues-Rock einfach für die Bühne geschaffen ist. Derartige Musik lebt von der Live-Situation, weiß da erst richtig und in voller Blüte die ihr innewohnende Energie zur Entfaltung zu bringen. Man höre sich doch nur mal die alten Strategen (und durchaus auch Freischladers Vorbilder) aus den Sechzigern/Siebzigern an, meinetwegen Jimi Hendrix, Peter Green, Rory Gallagher, Johnny Winter, Pat Travers, Robin Trower, Stevie Ray Vaughan (okay, der war etwas später...), die haben in vielen Fällen ihre herausragendsten Leistungen im Konzert-Kontext vollbracht und wenn es das Schicksal zuließ, den Gig aufgezeichnet und veröffentlicht. Erinnere Rorys "Live In Europe" oder Jimis "Band Of Gypsies" oder auch "Free Live!"

Das Schöne an der Henrik Freischlader Band ist, dass sie auf der Bühne ganz offensichtlich ihren Spaß haben und den, aufgrund ihrer musikalischen und technischen Fähigkeiten, auch ausleben können und es schaffen, das Publikum mit einzubeziehen und es letztlich zu Begeisterungsstürmen hinzureissen. Sicher spielen sie an manchen Stellen den einen oder anderen Ton zuviel, Henrik übertreibt es manchmal mit seinem Geschwindigkeitsrausch (wie viele Gitarristen seines Qualitätslevels) und täte besser daran, sich hin und wieder auf die enorm gefühlvolle Interpretationsebene des Peter Green Stücks I loved another woman runterzuschrauben, zumal er hier auch mal mit der ES 335 spielt. Doch dies ist Jammern auf hohem Niveau. Wenn er es so möchte, soll er es tun, er ist grad Mitte Zwanzig, da darf man das noch...
Und kommt Drummer Dirk Sengotta eigentlich aus dem Jazz/Rock/Fusion Segment? Ehrlich gesagt, ich weiß es nicht. Doch so wie er seine manchmal etwas überbordenden Fills und Rolls produziert und vor allen Dingen seine filigrane Hi-Hat Arbeit immer gerne aus dem Hanggelenk schüttelt, liegt diese Vermutung nahe. Das kommt auf Platte jedenfalls alles sehr beeindruckend und wenn man die Jungs bei ihrer schweißtreibenden Arbeit noch 'live-haftig' beobachten darf, so wie momentan auf ihrer laufenden Deutschland-Tour (siehe Hooked On Music Tourkalender) wird es einen wohl aus den Schuhen hauen. Termin rauspicken und hingehen...

Wunderbar auch die Tatsache, dass Henrik Freischlader größtenteils auf selbstkomponiertes Material zurückgreift und sich nur ein paar Coversongs gestattet. Wie erwähnt, Peter Green, dann sein Liebling Keb`Mo und natürlich Jimi Hendrix, als Urvater der rockenden Blues-Gitarre. Allerdings frage ich mich manchmal, warum nicht auch mal ein Cover von Rory Gallagher? Wäre das nicht mal 'ne feine Herausforderung? Irgendwo im youTube-Kosmos schwirrt ja ein Video von Henrik beim Rorymania-Treffen herum, da wird gar nicht unübel auf Laundromat gejammt.
Doch ich schweife ein wenig ab, liebe Freunde. Fakt ist, wir haben in Freischlader einen deutschen Blues-Rock Gitarristen von internationalem Format, der mit seinem "Live" Album ein ganz hervorragendes und schwer empfehlenswertes Tondokument abgeliefert hat. Gehet hin und kauft es euch! Es lohnt sich.

(O.a. Live-Pic mit freundlicher Genehmigung von Robert C. Lemm.)

Frank Ipach, 08.10.2008

 

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