Henrik Freischlader

Recorded By Martin Meinschäfer

( English translation by Google Translation by Google )

CD-Review

Reviewdatum: 29.11.2009
Jahr: 2009
Stil: Blues

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Redakteur(e):

Frank Ipach


Henrik Freischlader
Recorded By Martin Meinschäfer, Cable Car Records, 2009
Henrik FreischladerVocals, Backing Vocals, Guitars, Bass, Drums, Percussion, Hammond Organ
Produziert von: Henrik Freischlader Länge: 74 Min 01 Sek Medium: CD
01. I08. Cry Again
02. Got It Made (Like This)09. The Wrong Way
03. So Damn Cool10. Never Be True
04. You Will Come11. Desert Love
05. Breakout12. Bad Dreams
06. In Your Arms13. Your Love Of Mine
07. The Bridge

Wirklich, mit einem Henrik Freischlader Soloalbum habe ich zum jetzigen Zeitpunkt nicht unbedingt gerechnet. Ein paar Jahre ist der Wuppertaler Bluesgitarrist und Sänger erst im Business, veröffentlichte grad mal 2 Studioalben und ein 3-stöckiges Livealbum, sowie eine Kollaboration mit seinen Kumpels von 5 LIVE, da kommt er mit der doch recht waghalsigen Idee, ein waschechtes Soloalbum einzuspielen. Solo im wahrsten Sinne des Wortes, denn Freischlader spielt sämtliche Instrumente eigenhändig, macht überall eine sehr gute bis passable Figur, kennt keinerlei Berührungsängste mit schwierigen Instrumenten wie Schlagzeug oder Hammondorgel, streichelt und zupft den Bass so souverän als sei es für ihn eine Selbstverständlichkeit und wagt sich sogar an diverse Percussioninstrumente.

Für Henrik, der ja schon als Kind mit Schlagzeug- und Klavierunterricht seine musikalischen Wurzeln festigte und erst als 14-jähriger zu seinem jetzigen Instrument fand, geriet alles zu einem einzigen Experiment und grandiosen Abenteuer. Wie man in seinem sehr aufschlussreichen filmischen Studiotagebuch erfährt, hat Freischlader vor knapp 10 Jahren, als 16-jähriger Bengel, auf bescheidener Ebene einen ähnlichen Versuch gestartet und entschloss sich nun, mit seiner inzwischen größeren Erfahrung und vor alle Dingen ordentlichem Studioequipment einen erneuten Versuch zu starten.

Eines vorweg, liebe Freunde, rein klanglich hat Freischlader mit der Wahl des Studios (Megaphon Studios in Arnsberg) und seines technischen Kompagnon schon mal ins Schwarze getroffen. Das Album heißt nicht umsonst "Recorded by Martin Meinschäfer" - was ungewöhnlich genug anmutet - sondern beruft sich auf eine tiefe Dankbarkeit Freischladers an seinen fabelhaften Soundingenieur. Die Platte klingt tief und satt, analog im besten Sinne des Wortes. Mich persönlich fasziniert neben Henriks tollem Gitarrensound vor allem der gewaltige naturgetreue Schlagzeugsound.
Ganz nebenbei bemerkt, weil es gerne auch mal vergessen wird, überzeugt dieses Werk auch mit einer wunderbaren Ausstattung (fold out digipack) und sehr gelungenem Artwork, sprich tollen Fotos von Timo Wilke.

Wo liegt nun der Unterschied zu Freischladers bisherigem Schaffen? Ganz abgesehen davon, dass er alles alleine spielt und etwaige Defizite in der Instrumentenbehandlung einkalkuliert wurden, sicherlich in der Verbesserung seines Gesangs. Freischladers Stimme klingt erwachsener und reifer und überzeugender als je zuvor. Er versucht sich erfolgreich an mehrstimmigen Backing-Vocals und bringt somit eine gewisse soulige Note ins Gesamtklangbild. Überraschenderweise klingt Henrik auf den wolkenweich dahinschwebenden Balladen wie In your arms und Desert love wie das deutsche Pendant zu John Mayer, dem er einige Harmoniewendungen entlehnt zu haben scheint.

Kommen wir zu Freischladers Hauptinstrument, der Gitarre. Er bedient natürlich ein ganzes Arsenal von Klampfen, variiert klanglich zwischen scharfen Stratocasters und eher milden Gibson ES-345 oder Les Paul Tönen, sowie Dobro und simpler Akustikgitarre. Alles zu seiner Zeit und ideal in Balladen, straighten Blues-Rocknummern und swingendem Chicago-Blues umgesetzt. Seine flinken Finger, sein überaus versiertes Spiel sind nun schon seit einigen Jährchen bekannt, jedoch sein Talent die Gitarre schreien, heulen und weinen zu lassen wird auf "Recorded By Martin Meinschäfer" mehr als deutlich herausgekehrt. Manchmal scheint es fast, als versuche er ein wildes Pferd zu zähmen, seinen druckvollen und heißblütigen Sound so gerade eben unterm dampfenden Kessel zu halten, nur um eine Explosion zu verhindern. Wohlbemerkt, eine Explosion, die niemand überleben würde... Im Schlusssolo von Desert love steckt z.B. so viel ungezügelte Energie, da schießen die lang gezogenen Töne wie glühende Pfeile durch den Wind. Das hat Stil!

Alles in allem ist Henrik Freischlader mit seinem Soloalbum ein wahrer Glücksgriff gelungen. Das hätte auch schief gehen können, hätte uninteressant oder langweilig werden können, bleibt aber meistenteils verdammt spannend und unterhaltsam. Gut, es hätten vielleicht auch 10 oder 11 Titel gereicht, um dem Album noch mehr Stringenz zu schenken, doch dies ist wirklich Nörgeln auf hohem Niveau. Mit dieser Platte kann man wirklich absolut zufrieden sein. Für die Zukunft dürfen wir von Henrik Freischlader wohl noch einiges erwarten.

Frank Ipach, 29.11.2009

 

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