Henrik Freischlader

Still Frame Replay

( English translation by Google Translation by Google )

CD-Review

Reviewdatum: 01.03.2011
Jahr: 2011
Stil: Blues, Rock, Pop

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Redakteur(e):

Frank Ipach


Henrik Freischlader
Still Frame Replay, Cable Car Records, 2011
Henrik FreischladerVocals, Guitars, Bass, Drums
Moritz FuhrhopHammond Organ, Piano
Max KlaasPercussion
Björn KrügerDrums #7
Theofilos FotiadisBass #7
Joe BonamassaLead Guitar #1
Produziert von: Henrik Freischlader Länge: 53 Min 19 Sek Medium: CD
01. Still Frame Replay07. If I Could Only Be Myself
02. Longer Days08. I've Got It Good
03. Come On My Love09. Growing Old
04. What's My Name10. Do Did Done
05. The Memory Of Our Love11. Look At The Fool
06. Gentleman

Henrik Freischlader hat mit seinem letzten Studioalbum "Recorded By Martin Meinschäfer" eine weitere Sprosse der Erfogsleiter erklommen, spielt in der Regel vor ausverkauften Häusern, erntet Lob, Zuneigung und Anerkennung allerorten. Rückblickend bedeutet das aber auch, dass der Wuppertaler Mützenträger Unmengen von Energie und Arbeit investieren musste, um neben all seinem Talent dort hinzukommen, wo er jetzt steht: In der ersten Reihe der deutschen Blues- bzw. Rock-Künstler. Und dort wird man zweifellos kritisch beäugt.

So betreibt der auf der Bühne so ungemein locker und versiert erscheinende Freischlader Selbstreflexion, hört in sich hinein und stülpt Teile seines Inneren per Songtext nach außen. Schon der Titelsong seines Neulings "Still Frame Replay" verweist auf hektische und arbeitsame Zeiten, die dem Künstler im Rockzirkus alles abverlangen. Da heißt es nach dem Genuss dieses Openers erst einmal Durchschnaufen, zumal hier Henriks Kumpel Joe Bonamassa seine Visitenkarte in Form gleißender Gitarrensoli abgibt. Freischlader und Bonamassa gemeinsam auf einem Album, alle Achtung, da treffen sich der weiterhin aufstrebende deutsche Blues-Visionär und der inzwischen etablierte und von vielen Fans verehrte Saitenderwisch aus den USA zu einem inspirierten und hart rockenden Stelldichein.

Doch Durchschnaufen ist beileibe noch nicht angesagt, denn Freischlader gibt in Longer Days offen zu, dass ihm die Tage vor lauter Arbeit einfach zu kurz erscheinen. Auch auf diesem an Stevie Ray Vaughan gemahnenden Bluesrocker spielt Freischlader fast alles komplett selber ein, ähnlich seiner Vorgehensweise auf dem letzten Studiowerk. Bass, Schlagzeug, Gesang und Gitarre hat er fest am Zügel und lässt beizeiten die Peitsche knallen. Dieser Trend setzt sich im Zuge des Albums weiter fort. Neben aller Freischlader'schen Umtriebigkeit lässt der agile Protagonist gerade mal die Dienste seines angestammten Tour-Tastendrückers Moritz Fuhrhop zu, sowie die Percussion-Spielereien eines Jungspunds namens Max Klaas.
Auf einem einzigen Track, dem geradezu untypisch modern und düster rockenden If I could only be myself lädt sich Henrik seine Tourbegleiter aus 2010 hinzu: Drummer Björn Krüger, Bassmann Theofilos Fotiadis und eben den jungen Klaas. Ansonsten regiert hier die Selbstverwirklichung.

Ob jene Vision des Künstlers allerdings darin besteht, wie John Mayer höchstpersönlich zu klingen bleibt fragwürdig. Das in seiner popmusikalischen Ästhetik sehr schön vor sich hin federnde Gentleman verströmt zwar gewisse Reize und eine freundliche Hookline, sowie mainstreamiges Radio-Appeal, doch die Seelenverwandschaft zu Mayer gerät hier einfach zu plakativ. Das hat der gute Henrik doch gar nicht nötig, auch wenn er John Mayer noch so mag.
Da fühlt man sich doch bei einem gestandenen Slow-Blues wie The memory of our love, der sowohl Peter Green als auch Gary Moore gleichermaßen huldigt, wieder etwas wohler. Das zärtliche old-time Swing-Feeling von I've got it good z.B. verleitet den Hörer geradezu zum Schwärmen. Oder wenn schon Pop, dann so wie bei der romantischen Edelballade Growing old, die zwar auch ein leichtes John Mayer Flair verströmt, aber eben nur als Hintergedanken und nicht in Form bemühter Abkupferei.

Am ungewöhnlichsten und zugleich am coolsten präsentiert sich Henrik mit dem augenzwinkernden und verzaubernden Funky-Groove von What's my name, wo er auch gesanglich mal wieder alle Register zieht und uns abgefahrene, mehrschichtige Backing-Vocals kredenzt, die irgendwo zwischen Johnny Guitar Watson und dem Mittsiebziger Frank Zappa liegen.
Das bluesig harte und riffrockende Do did done steht dem rast- und ruhelosen Wuppertaler auch gut zu Gesichte und könnte in seiner Schmierigkeit fast von Humple Pies '72er Lp "Smokin'" inspiriert sein. Könnte, wohlgemerkt. Im abschließenden, nach Trost heischenden Look at the fool hat sich Henrik bei der Grundkonzeption wohl ein klein wenig von Oasis' Wonderwall-Akkorden leiten lassen, obwohl die Reise prinzipiell in eine andere Richtung weist.

Soweit so gut, Freischlader bleibt weiter auf der Suche nach seiner absoluten künstlerischen Identität, probiert und testet aus, landet viele Treffer, aber auch Fehlschüsse, macht im Grunde ein weiteres gutes Album, und hinterlässt uns mit der großen Hoffnung, dass es eines Tages diesen einen Longplayer geben wird, der die Gesamtheit aller Freischlader-Fans und allgemein Musikinteressierten aus den Schuhen blasen wird. Dranbleiben...

Frank Ipach, 27.02.2011

 

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