Gotthard

Axxis

Herne, Gysenberghalle, 03.12.2005


Konzertbericht

Reviewdatum: 03.12.2005

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Redakteur(e):

Jörg Litges (* 1965, ✝ 2015)


Herne, Gysenberghalle, 03.12.2005

Axxis "Wo sind denn all die Langhaarigen?", fragt Axxis Sänger Bernhard Weiss! Zu Recht. Trotz extrem hohen Frauenanteils im Publikum, da sieht man mal was ein hübscher Frontmann nicht alles reißen kann, vermisst man doch die männlichen Mattenschwinger. Das Publikum besteht zum großen Teil aus (kurzhaarigen) Jugendlichen, die beim Erscheinen des ersten AXXIS Albums vor 16 Jahren noch mit der Tröte um den Weihnachtsbaum gefitscht sind. So Leute halt, die auch ohne Probleme bei SIMPLY RED oder TOKIO HOTEL abgehen würden. Naja, wenn's der Geschmacksbildung dient, soll es mir nur Recht sein.

Axxis GOTTHARD werden scheinbar langsam auch in Deutschland ein Hauptakt, in der Schweiz sind sie es ja schon seit Jahren. Vor GOTTHARD hat der liebe Gott aber AXXIS auf das Billing gepackt. Kult-Fronter und verhinderter Komiker Bernie Weiss, mit Kopfsocke und laut eigenen Aussagen unterkühltem Unterleib, springt über die Bühne wie Rumpelstilzchen auf Acid, der Rest der Mannschaft wirkt routiniert wie immer. Es gilt ja auch das neue Album "Paradise In Flames" zu promoten, welches mit einer Überraschung aufwartet.

Axxis Neben Bernhard singt nämlich auch eine Dame namens Lakonia, und zwar die zweite Gesangslinie. Songs wie Take My Hand oder Tales of Glory Island wissen [zumindest mich, bei Harry ist das ganz was anderes] zu überzeugen, erinnern aber extrem an NIGHTWISH oder auch REGICIDE. Springt man da gar auf einen Trend auf? Die Zukunft wird's zeigen... Zu weit von ihrem alten Sound haben sich AXXIS nicht wegbewegt.
Der Set endet mit einer furiosen Version von Kingdom Of The Night und cirka 20 Minuten und 2 Bier später starten dann GOTTHARD ihren "Lipservice".

Gotthard All We Are, Dream On, Hush, der Einstieg ist zumindest schon mal Klasse. GOTTHARD können, wenn sie wollen. Richtig rocken, mein ich. Sänger Steve Lee ist schon einzigartig. Er schafft es, die großen Vorbilder des Rock, sei es Steven Tyler, Robert Plant oder David Coverdale, sowohl stimmlich als auch Posing-mäßig nachzuahmen und zu seinem eigenen Stil umzuformen. Neuzugang Freddy Scherer integriert sich gut in die Band, liefert sich mit Hauptsongschreiber und Mastermind hinter GOTTHARD, Leo Leoni, knallende Riffduelle. Überhaupt, musikalisch perfekt ist die Band, da gibt's kaum Misstöne oder Ausreißer.

Gotthard Der Sound ist ausgewogen, aber zu leise, meiner Meinung nach. Oder ich werde langsam taub. Aber wenn man sich während der Show normal unterhalten kann, muss irgendein Regler nicht ganz nach oben gedreht worden sein, oder?
Immerhin kann man froh sein, dass es überhaupt Musik gibt, denn um 19 Uhr ist die komplette Anlage abgesoffen, und die Soundtechniker haben einen Superjob gemacht, das Ganze noch pünktlich zur Show wieder hinzubekommen. Bei AXXIS waren noch ein paar Probleme bemerkbar, bei GOTTHARD lief alles wieder wie am Schnürchen. Wahrscheinlich sind die Geräte eingefroren, denn in der Halle war es scheissekalt. Wer spielt auch schon in Eishallen...?

Gotthard Der Schwerpunkt lag ganz klar auf dem neuen Album, am meisten Stimmung kam witzigerweise beim SLADE-ähnlichen Stampfer Lift U Up auf. Da sieht man mal wieder, dass 70er-Jahre-hirnlos-Partymucke immer noch am meisten Spaß macht.
Genial war das Drumsolo, bei dem Hena Habegger und Sänger Steve Lee (kam auf einem Drumriser in der Hallenmitte aus dem Publikum) zu zweit die Felle um die Wette malträtierten. Sollte Steve mal als Sänger arbeitslos werden, findet er auch mühelos als Drummer einen Job.
Das gesamte Set bewegte sich überwiegend im Midtempo Bereich, Ohrwurm jagt Ohrwurm, Come Alive, I Wonder, Said And Done, Manfred Manns Mighty Quinn hätte man sich aber durchaus sparen können. Mountain Mama und Firedance machten richtigen Spaß. Die neue Single Anytime, Anywhere und das LED ZEPPELIN Cover Immigrant Song beendeten dann einen Konzertabend ohne größere Überraschungen.
Solide Handarbeit der Schweizer Melodic-Rock Urgesteine!

Jörg Litges, 08.12.2005

 

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