Julian Sas

Hildesheim, Bischofsmühle, 23.11.2002

( English translation by Google Translation by Google )

Konzertbericht

Reviewdatum: 23.11.2002

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Redakteur(e):

Joachim Domrath


Hildesheim, Bischofsmühle, 23.11.2002Bildergalerie
Interview
Besetzung:
Julian Sas: Lead Vocals, Guitars
Tenny Tahamata: Bass
Pierre de Haard: Drums
Ed Bos: Sound

Draußen ist es schweinekalt. Meine Füsse sind es ebenfalls, als ich die Mühle betrete. Also ideale Voraussetzungen für einen Boogieman, meine kalten Knochen ordentlich durchzuwärmen.

Es ist 21.25 Uhr. Mir fröstelt noch immer, als Julian, Pierre und Tenny die kleine lauschige Mühlenbühne betreten.
Keine Ansprache, kein Einfudeln der Instrumente. Ohne Vorwarnung bläst Mr. Boogieman himself, Julian Sas mit seinen Mannen, zum Rock-Gefecht.
Der Opener Sugarcup Boogie dröhnt aus der edlen Marshall Anlage.
Nach knapp 1 Minute ist mir höllisch warm. Von Fröstelei keine Spur mehr. Die drei haben den letzten Funken Kälte aus meinem Körper geblasen. Julians Gitarre (ein Strat-Eigenbau von Patrick Kopman) klingt höllisch gut. Wie ein Berseker fudelt Julian über die Saiten. Kein falscher Ton verfälscht diesen 1000% geilen Boogie Kracher. Das fängt ja gut an.

Ohne Zwischenstop geht's weiter mit Spellbound Woman. Und das ist wieder so eine Boogie Granate, die jeden Kampfhund in die Flucht schlagen würde. Julians hingebungsvolles Gitarrenspiel ist eine musikalische Offenbarung. Das ist auch Soundmeister und Manager Ed Bos zu verdanken, der die Anlage optimal eingestellt hat. Laut aber nicht nervend. Ich werde jedenfalls nach dem Konzert ohne Ohrendruck die Hallen verlassen.
Seine Mitstreiter Tenny Tahamta am Bass und "Boogie Machine" Pierre De Haard passen sich dem hohen handwerklichen Niveau von Julian mühelos an. Die Band spielt auf den Punkt und macht mehr Druck als eine Big Band.

Nach dem zehnminütigen deftigen Boogie Auftakt wird es keinewegs ruhiger. Knackiger Southern Rock folgt mit dem tollen Home Feeling vom Debüt Album "Where Will It End". Das klingt wie ein Jam zwischen Freddy King, ALLMANS und LYNYRD SKYNYRD. Julians druckvolle Stimme bringt den heftigen Rocker überzeugend rüber.
Mother Earth läßt einem Zeit zum Luft holen. Eine Ballade. Aber das nicht enden wollende Solo von Julian ist dermaßen mitreißend, dass ich vergesse ein neues Bier zu holen. Alles um mich herum ist nur noch verschwommen. Ich registriere nur noch Gitarre, Gitarre und nochmals Gitarre.
(Was für Drogen, fragt sich die Redaktion)

Doch die trügerische Ruhe ist schnell vorbei.
Die Zustände in seinem Land beschreibt sein Song I Believe To My Soul vom starken 2000er Album "Spirit On The Rise". Der Song ist ein grandioser Mix aus Texas Rock, Blues und Mainstream mit saugeilem Refrain. Naja und wie die Gitarre rüberkommt bedarf keines Kommentares.
I BELIEVE TO MY SOUL= I BELIEVE TO JULIANS GUITAR PLAYING.
Danach huldigt er Freddy King in seiner Art und Weise. Eine umwerfende Version des Nix-Klassikers Going Down, dem einst King zu Ruhm und Ehre verhalf.
Und dann ist es soweit. Julian schnallt seine Gibson Les Paul deLuxe um. Es folgt einer der geilsten Southern Rock Songs des Jahres 2002: Searchin'. Eine Huldigung an seinen Bruder.
Wie versprochen präsentiert er den Song mit einem ausgiebigen Solo. Searchin' könnte auch ein LYNYRD SKYNYRD Klassiker sein. Aber er ist aus der Feder von Julian.

Jetzt kommt die große Stunde der Gibson Firebird. Die nächsten Minuten entwickeln sich zu einem Slide Szenario der Extraklasse. Julian heizt mit dem Röhrchen über die sechs Saiten wie ein Besessener. Gleich schmilzt das Teil, denke ich.
Der Mega Boogie Kracher Roll On (erneut von "Spirit On The Rise") beendet den 1. Set an diesem Abend.
Die ca. 150 Zuschauer in der vollbesetzten Mühle hatten längst leuchtende Augen vor Begeisterung. Das sollte noch Folgen für die spätere Zugabe der Band haben.

Nach 10 Minuten beginnt die 2. Boogie Offensive. When I'm Boogie vom aktuellen Album "Ragin' River" überrollt die Besucher der Mühle wie eine Lawine. Grundgütiger. Julian ist für mich der Boogieman schlechthin. Zu den Gitarrenbrettern hält "Boogie Machine" mit seinen Tom Toms prächtig dagegen. Drei Boogiemen der Güteklasse A sind hier am Werk.
Und endlich kommt der Track, auf den ich mich neben Searchin' den ganzen Abend wie ein Kind gefreut habe. Ragin' River vom neuen geichnamigen Album. Eigentlich ein ruhiger, fast zehnminütiger Slow-Blues. Aber was dann als Gitarrensolo mittendrin über 5 Minuten aufblitzt, ist der pure Wahnsinn. Der Junge muß bereits zum Frühstück D'Addario Strings verspeisen.

Nach dem zu erwartenden fetzigen Rory Gallagher Tribute ertönt Hey Joe. Wie oft habe ich schon Coverversionen dieses genialen Klassikers gehört. Aber solch eine verrückte Interpretation ist mir noch nicht untergekommen. Die Band startet psychedelisch. Dann mündet der Song in ein heftiges Hardrock Szenario, um anschließend mit ruhigen perlenden Gitarren und Bassläufen zu begeistern.
Aber dann kommt der Hammer. Dem Schluß verpasst Julian einen Boogie Anstrich, dass es nur so qualmt. Für mich eine der besten Coverversionen. Danach will sich die Band verabschieden.

Allerdings hat sie die Rechnung ohne das Mühlenpublikum gemacht. Noch mehr als 20 Minuten muß die Band zurück auf die Bühne. Höhepunkt ist hierbei u.a. eine beeindruckend dynamische Version von Robert Johnsons Crossroads. Viel gespielt doch selten so gut.
Nach fast 3 Stunden wird die Band in ihren wohlverdienten Feierabend verabschiedet. Es waren 3 Stunden, die viele Zuschauer so schnell nicht vergessen werden.

Ein großartiges Konzert, dargeboten von ebensolchen Musikern, mit einer überwältigenden Spielfreude. Julian Sas und seine Band gehören unzweifelhaft zu den besten Bluesrockern der Gegenwart und sie präsentieren den geilsten Boogie dazu.
Wer die Band verpasst hat sollte sich schleunigst die aktuelle Live Doppel-CD und/oder die DVD "Delivered" kaufen (DVD voraussichtlich ab Januar 2003 erhältlich). Ihr werdet es nicht bereuen.

Joachim Domrath, 24.11.2002

 

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