Hockenheimring, 22.06.2003

Eben noch gelästert über die Gigantomanie der Stadion-Konzerte (siehe MUSTASCH-Konzertbericht), im nächsten Moment schon selbst auf dem Hockenheimring bei den STONES. Und dann war da ja auch noch diese Rockband aus Australien. Wie hießen die doch gleich? Ach ja, AC/DC. Aber der Reihe nach.

Der Hockenheimring, den ich zuletzt 1994 (PINK FLOYD, "The Divison Bell" Tour) von innen gesehen hatte, war an diesem Tag keine gute Wahl für eine Open-Air-Location. Praktisch während der gesamten Show war es (noch) hell. Auf die zum Teil noch im Bau befindliche Südtribüne knallte die Sonne bis nach 20.00 Uhr und erst gegen 22.00 Uhr setzte die Dämmerung ein. Als es dann am zweitlängsten Tag des Jahres gegen 22.30 Uhr dunkel wurde und langsam die ersten Sterne zu erkennen waren, war die Show auch schon fast zu Ende.

For those about to rock: AC/DC (18.20 Uhr bis 20.00 Uhr).

Dass AC/DC für die Stones eröffnen, darf getrost als Sensation bezeichnet werden, füllen die Jungs aus Down Under doch als Headliner leicht jede Arena. AC/DC als Vorband zu bezeichnen, käme ohnehin einem Affront gleich, hatten sie doch die Zeit, ein ganzes Set zu spielen.
Bereits kurz nach halb sieben kochte der Hockenheimring bei Klassikern wie Back In Black, Dirty Deeds Done Dirt Cheap und Thunderstruck. Die Jungens um den legendären Gitarristen Angus Young, der auch heute wieder seine Schuluniform trug, gingen keinerlei Risiko ein und spielten ein fast legendäres Best-Of-Programm. Brian Johnsons Stimme war in Topform und so kamen auch die Stücke, die weiland noch Bon Scott eingesungen hatte, mächtig zur Geltung. Allen voran Highway To Hell, Whole Lotta Rosie und Let There Be Rock. Die ganze Band war mächtig in Spiellaune und wollte wohl den Stones-Fans etwas Besonderes bieten. Dabei waren nicht wenige ausschließlich wegen AC/DC vor Ort, was man an den etlichen Shirt- und Kuttenträgern erkennen konnte...

Nur der guten Ordnung halber - und jetzt festhalten - gab's noch If You Want Blood, You've Got It, Hells Bells, Bad Boy Boogie, The Jack, T.N.T., You Shook Me All Night Long und Rock'n'Roll Damnation. Klasse!

I can't get no satisfaction: The Rolling Stones (20.45 Uhr bis 22.45 Uhr)

Ich hatte noch nie das Vergnügen, die STONES live zu sehen, jene Band, die länger auf der Bühne steht als ich auf der Welt bin. Deshalb war ich doppelt gespannt. Und siehe da: Nicht nur, dass die Herren um Mick Jagger und Keith Richards ihren Job gut gemacht hätten, es gab sogar richtig Gänsehaut. Los ging's mit Brown Sugar, Start Me Up und dem neuen Don't Stop.
Jagger, der bis zur endgültigen Justierung der Videoleinwand seine Arbeit in einem pinkfarbenen Jackett verrichtete, bot eine fantastische Version von Angie. Danach folgte - lange vor den Klassikern wie Honky Tonk Woman und Satisfaction - bereits zur Mitte des Sets der absolute Höhepunkt des Abends: Zusammen mit Keith Richards und den STONES jammte Angus Young (AC/DC) eine gute Viertelstunde zu Rock Me Baby. Die Arena tobte und niemanden auf den Rängen hielt es auf seinem Sitz. So genau und nicht anders muss Rock'n Roll sein! Besser geht's nicht. Definitiv.

Auf die zwei von Keith Richards gesungenen Titel (darunter Slippin' away) hätte ich getrost verzichten können, wurde ihnen doch nur durch die die Stones begleitenden 9 (!) Gastmusiker einigermaßen Gewicht verliehen. Da sieht man mal, was ein halbes Dutzend Background-Sängerinnen und eine komplette Bläser-Fraktion zu leisten im Stande sind.
Ein weiterer Höhepunkt war sicherlich der Blues-Klassiker I Just Want To Make Love To You, den die Stones komplett auf dem Plateau am Ende des Laufsteges zum Besten gaben und so Fan-Nähe demonstrierten.
Den Abschluss bildete ein furioses Jumpin' Jack Flash gefolgt von einem Feuerwerk über Hockenheim. So etwas nennt man dann wohl Eventkultur.

Abschließend noch eine Randnotiz: Da die Preise (Eintritt 90 Euro, T-Shirt 35 Euro, Bier 4 Euro) extrem hoch waren, waren all jene gut beraten, die sich vor dem Motodrom mit Campingausstattung und eigenem Biervorrat einen netten Abend machten - und das für lau. Der Sound war auch außerhalb der Arena so gut und klar, dass man sich ernsthaft überlegen sollte, den Open-Air-Besuch ohne Eintrittskarte wirklich mal auszuprobieren.

Tim C. Werner, 24.06.2003

 

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