Jelly Planet

Hof, Rockwerk, 01.04.2005

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Konzertbericht

Reviewdatum: 01.04.2005

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Redakteur(e):

Ralf Stierlen


Hof, Rockwerk, 01.04.2005

Die Dortmunder Band JELLY PLANET hat rein frisurentechnisch nun wirklich alles zu bieten: Eher kurzes, glattes Haar (Drummer Jens Küchenthal), lange Strähnen (Gitarrist Alexander Schönert), AT-THE-DRIVE-IN-Afro (Bassist Felix Gutierrez) und die pflegeleichte Variante (Sänger und Keyboarder Stephan Hendricks). Und so unterschiedlich die Köpfe sind auch die Charaktere und musikalischen Vorlieben der einzelnen Bandmitglieder, das geht über klassisch rockiges, metallisches, hin zu Folk, Jazz, Funk, Flamenco bis zu afrikanischen Klängen. Diese Vielfalt der Einflüsse spürt man bei der Musik von JELLY PLANET deutlich, weshalb diese sich einer eindeutigen Kategorisierung entzieht. Mit der Selbstbetitelung "New Space Rock", was vor allem noch für das Debüt "Food" gelten mochte oder "Psychedelic Rock" wird man der Band jedenfalls keinewegs hinreichend gerecht.

Jelly Planet Nachdem ich die Band schon seit längerem mal live sehen wollte, aber Gigs im Norden oder gar Osten der Republik von der Booking Agentur nicht bewerkstelligt werden konnten (mehr dazu in unserem Interview), besuchte ich JELLY PLANET auf dem Weg in meine süddeutsche Heimat quasi auf halber Strecke in Hof.
Da die dortige Jugend nur langsam das Rockwerk aufsuchte, in Erwartung des langen Osterwochenendes auf Party eingestellt, ging es erst zur Geisterstunde mit dem Konzert los. Den Anfang machten dabei die beiden, auch das neueste Release "Yellow Sunshine Explosion" eröffnenden Songs The Healing und Where Do We Go. Am Anfang gab es dabei für das durch Violinist Anwar Alam verstärkte Quartett einige Kämpfe zu bestehen: Der Sound war anfänglich nicht gerade perfekt (insbesondere der Bass war nur schwach zu vernehmen) und das Publikum zeigte sich zunächst eher lustlos bis desinteressiert.

Jelly Planet Aber man krempelte die Ärmel hoch und spielte sich nicht nur warm, sondern allmählich auch in die Herzen der Zuhörer, auch dank älterer Stücke wie Anyway, Happy, dem abgespacten Magic Garden, dem fantastischen Bird Song von "Yellow Sunshine Explosion" oder des heimlichen Clubhits Running Away. Dabei präsentierte sich die Band, allen oben beschriebenen unterschiedlichen Charakteren zum Trotz als gewachsene Einheit, der man deutlich anmerkte, dass sie schon seit vielen Jahren (zum Teil mehr als ein Jahrzehnt) gemeinsam Musik machen.
Auf der Basis von Jens Küchenthals variablem Drumming und dem gleichermaßen filigranen als auch druckvollen Basspiel von Felix Gutierrez konnte sich der enorm vielseitige Gitarrist Alexander Schönert gerade live besonders austoben, kommen die Songs auf der Bühne naturgemäß nicht nur ausführlicher, sondern auch härter aus den Boxen. Und Stephan Hendricks ist nicht nur ein klasse Sänger, sondern einfach ein perfekter Frontmann mit Charisma (wenn auch seine Jokes im Fränkischen nicht immer ankamen).

Jelly Planet Nachdem spätestens nach der Hälfte des Konzerts die Stimmung richtig ins Positive gekippt war und das Publikum immer besser mitging, gab es auch noch Swamp und Gunshot vom Debütalbum, den Einsatz des Theremin und zum Ende hin zwei Zugaben, wobei man schließlich, da allmählich das Material ausging, noch mal von vorne anfing.
Letztendlich hat die Band ihre Kämpfernatur unter Beweis gestellt und ein anfänglich sehr zurückhaltendes (insgesamt auch ziemlich junges) Publikum erobert, so dass schließlich erst nach 2.00 Uhr morgens das Konzert beendet war und zum Abtanzen aufgelegt wurde.
Eine phänomenale Liveband mit tollen (neuen) Songs, der man nur Wünschen kann, dass sie ausreichend Gelegenheit erhält, ihre Qualitäten einem noch breiteren Publikum unter Beweis zu stellen.

Ralf Stierlen, 06.04.2005

 

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