Hyacinth House

Hyacinth House


CD-Review

Reviewdatum: 19.12.2005
Jahr: 2005

Links:

Hyacinth House Homepage



Redakteur(e):

Frank Ipach


Hyacinth House
Hyacinth House, TMP, 2005
Marcus Johansson Vocals, Acoustic Guitar, Organ, Soundfields
Fredrik Johansson Banjo, Harmonica, Backing Vocals
Andreas Berg Electric Guitars, Organ, Backing Vocals
Kristina Löfstedt Cello, Backing Vocals
Peter Noren Bass
Daniel Andersson, Jens Jonsson, Fredrik Solfors Drums
Tord Hjukström Banjo, Mandolin
Produziert von: Hyacinth House Länge: 47 Min 20 Sek Medium: CD
1. New Day Arising7. Ghost Town
2. On A Train8. On Top Of The World
3. O Old My Love 9. Sing Your Soul
4. The Swallow's Eye 10. Merely John Gospel
5. Perplexed Sunday On Blue Pills11. All Whispers In The End
6. Lucky Bastards

Woran denkt man zuerst, wenn man den Namen HYACINTH HOUSE hört?
Na, an den Song der THE DOORS vom "L.A.Woman"-Album.
Nun haben HYACINTH HOUSE aus Schweden nicht gar so viel mit dem Sound der DOORS zu tun, bis auf die eine oder andere Anwandlung in Marcus Johanssons Stimme, die mitunter an Jim Morissons intensives Organ erinnert. Ja, und dem Dunklen, dem Schwermütigen scheinen sich diese beiden Bands auch noch gemeinsam verschrieben zu haben.
Ansonsten lassen sich diese Schweden, deren Songwriter und Vordenker die beiden Gebrüder Markus und Fredrik Johansson sind, nicht ganz eindeutig klassifizieren. Auf ihrer Website kursieren Statements, die auf 'alternative country' hinweisen, aber dieser Betrachtungsweise kann ich mich nicht ganz anschliessen. Das ist einfach zu eng gefasst. Das hat auch was von Folk und psychedelischem Rock, ist zwischenzeitlich rhythmisch sehr intensiv, um im nächsten Moment aber in tröpfelnder Sanftmütigkeit zu münden. Wenn schon mal Country-Anklänge auftauchen, dann in modifizierter Form. Das darf man dann wohl in die 'alternative'-Ecke stellen, okay. Nennen wir es einfach mal wieder Roots-Music. Basta.

Bevor wir uns weiter auf zeitraubendes Schubladengeplänkel einlassen, sei der wichtige Hinweis erlaubt, dass HYACINTH HOUSE ein hochmusikalischer Zusammenschluss engagierter schwedischer Musiker sind, die sich, wie bei anderen Schweden auch üblich, gerne als hervorragende Eklektiker hervortun.
Da hört man so viele kleine Einflüsse unterschiedlichster Bands und Songwriter, die dann in diesem gärenden und brodelnden Stil-Topf vermischt werden und als frische Kreaturen aus dem Hut gezaubert werden. Eine Prise GRANT LEE BUFFALO, David Eugene Edwards (16 HORSEPOWER), Nick Drake, Jeff Buckley und immer wieder gerne erinnert man sich an die Sammler und Jäger der englischen Combo GOMEZ, die ihrerseits ebenfalls als findige Zitatenverwalter gelten.

Das HYACINTH HOUSE-Ouevre klingt aber trotz aller bekannten Zutaten nicht langweilig oder altbacken, sondern wird mit leidenschaftlicher Hingabe und Liebe für's Detail in die Jetztzeit transzendiert. Die Schweden haben sich wirklich Mühe gegeben und sich durch das Wurzeldickicht der späten 60's und frühen 70's gejätet und sind wahrscheinlich mit geröteten Augen aus dem Dschungel getaumelt. Die psychedelischen Momente dieser Platte kommen sicher auch nicht von ungefähr. Das sechsminütige All whispers in the end gleicht jedenfalls einer Reise durch Marihuanaschwaden und verbreitet den Duft der frühen PINK FLOYD.

Eines steht jedenfalls fest: HYACINTH HOUSE verstehen es, interessante und traditionelll orientierte Songs zu schreiben, sie reichhaltig instrumentiert auszustaffieren (man hört neben den üblichen Gitarren, Bässen und Pianos u.a. auch Banjo, Mandoline, Cello, Harmonica, Marimba) und mit jugendlicher Unbekümmertheit zu inszenieren. Dabei gelingen ihnen sogar heimliche Hits wie Lucky bastards oder intensives Balladentum wie Sing your soul.
Dieses selbstbetitelte, selbstverlegte, selbstproduzierte Debut der jungen HYACINTH HOUSE macht grossen Spass, weil es auch nach dem fünften und sechsten Hören noch etwas zu entdecken gibt und der Hoffnung Nahrung schenkt, dass von diesen schwer talentierten Schweden noch weitere gute, harmonisch ausgefeilte Songs zu erwarten sind. Hört mal rein bei CD Baby.

Frank Ipach, 19.12.2005

 

(C) 2008 - 2019 by Hooked on Music