Ike Turner

Risin' With The Blues


CD-Review

Reviewdatum: 11.02.2007
Jahr: 2006

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Ike Turner Homepage



Redakteur(e):

Epi Schmidt


Risin' With The Blues, Zoho Music, 2006
Ike Turner Vocals, Guitar, Piano
Audrey Madison, Barbra Cole, Paulette Parker Background Vocals
The Kings Of Rhythm:
Mack Johnson, Leo Dombecki, Ryan Montana Horns
Seth Blumberg, Joe Kelly Guitars
Ken Frizelle Harp
Lenny "Fuzzy" Rankins Guitar (Jazzy Fuzzy)
Paul Smith, Ernest Lane Keyboards
Kevin Cooper Bass
Bill Ray, Matt Long, Harry Jen Frizelle Drums
Produziert von: Ike Turner Jr. Länge: 53 Min 59 Sek Medium: CD
1. Gimme Back My Wig8. A Love Like Yours
2. Caldonia9. Senor Blues
3. Tease Me10. Eighteen Long Years
4. Goin' Home Tomorrow11. Rockin' Blues
5. Jazzy Fuzzy12. After Hours
6. I Don't Want Nobody13. Big Fat Mama
7. Jesus Loves Me14. Bi Polar

Tja, den Ike Turner kennt man, wenngleich als Mastermind der IKE & TINA TURNER REVUE, leider auch als despotischen, schlägernden Ex-Ehemann von Tina. Nicht zuletzt durch einen aussagekräftigen Film bzw. Buch. Gerüchten zufolge ist ein "Gegenschlag" in Planung, der die andere Seite der Medaille beleuchten könnte.
Liest man, dass sein aktuelles Album "Risin' With The Blues" für einen Grammy in der Sparte "Traditional Blues" nominiert wurde, überrascht einen der Hip Hop Rhythmus mit welchem Gimme Back My Wig unterlegt wurde. Ich meine, die genialste Version dieser Nummer stammt sowieso von Luther Allison und ich bin mir auch ziemlich sicher, dass sie von Hound Dog Taylor geschrieben wurde. Ike setzt hier einfach seinen Namen drunter und tatsächlich klingt diese Aufnahme auch sehr "eigen". Hat man sich erst mal eingegroovt, bewegt man sich gern zu diesem Beat.
Dann wird's aber gleich ursprünglicher, denn mit der straighten Rock'n'Roll Nummer Caledonia sind wir ruckzuck in 50er Jahren des letzten Jahrhunderts. Das muntere Boogie-Piano spielt Ike natürlich selbst. Schließlich saß er schon 1951 an den Tasten, als Jackie Brenston seine Komposition Rocket 88 aufnahm, das nicht wenige als die erste Rock'n'Roll Single ansehen. Bald schon schlich sich ein weißer Bengel durch die Hintertür der Clubs um neben Ike Turner auf der Klavierbank sitzen zu dürfen. Elvis Presley soll's gewesen sein und da man weiß, dass Ike etliche Karrieren - von Buddy Guy und B.B. King bis Janis Joplin und Jimi Hendrix - maßgeblich beeinflusst hat, ist man geneigt auch das zu glauben. Richtig cool, wie der Bläsersatz hierzu glänzt.
Ebenso cool kommt der Blues von Tease Me, bei dem man augenblicklich im Takt mitnickt. Wär auch ein guter Song für Leute wie Muddy Waters gewesen, nicht zuletzt wegen all der schlüpfrigen Anspielungen. Muddy hätte den Song geliebt.
Fats Dominos Goin' Home Tomorrow geht dann eher Richtung R&B/Big Band-Swing, ist wohl auch beseelt gemacht, aber irgendwie etwas zahm. Wenn der Bandleader allerdings "blow your Horn, Leo" brüllt, stachelt das diesen doch zu einem herrlichen Sax-Solo an.
Jazzy Fuzzy ist ein Instrumental welches, man vermutet es schon, starken Jazz-Background hat. Ist aber eine höllische Groove-Dance-Nummer, die, hervorragend arrangiert, mit tollen Solo-Einlagen glänzt. Besonders die Gitarre und die Mundharmonika stechen hervor.

Zentrales Stück ist sicherlich der Blues-Boogie Jesus Loves Me. "I'm a bad boy, but Jesus loves me anyway" singt Ike. Eine Erkenntnis aus dem Knast, oder Zweckoptimismus? Wie auch immer, für den Response-Chor hat Ike sich sogar ein paar 'Ikettes' gegenüber gestellt, die ihn mit ordentlich Stimmenpower versorgen, wenn er klarstellt: "They made a movie 'bout me, but all of that stuff ain't true!". Nur geil!
Für A Love Like Yours wird Mr. Turner dann direkt sentimental. Auch diese soulhaltige Nummer kommt richtig gut. Wäre auch was für Solomon Burke. Überhaupt kommt mir der Verdacht, dass Ike uns in Zukunft mit ähnlich großartigen Spätwerken wie Herr Burke versorgen könnte.
Der Senor Blues ist ein weiteres Instrumental, welches funkig und flirrend südamerikanisches Flair verbreitet. Mit all seinen jazzigen Zusätzen ist mir persönlich das etwas zu wirr, aber zweifellos klasse gemacht. Na, die Gitarrensoli ermöglichen mir doch noch eine Zugangsnische.
Mit Misshandlungen kennt sich Ike aus. Sagt er jedenfalls in Eighteen Long Years, wo er natürlich der schlecht behandelte ist. Man kommt nicht umhin, bei dieser 18jährigen Partnerschaft an seine Ex-Gattin zu denken. Es gibt ja immerhin Leute, die Ike Turner für einen liebenswerten, großartigen Menschen halten. Da fragen Sie mal Bonnie Bramlett.
Damit man soviel Pein wie in den Rockin' Blues - wohlgemerkt bei einer Studioaufnahme - legen kann, brauchts schon etwas an Erlebtem. So wie sich der Ike da rein brüllt und schreit, macht er der Intensität eines Mitch Ryder sogar Konkurrenz.
Wenn man kurz vor Schluss meint, man kennt jetzt alle Stile dieses Albums, schwenkt Ike bei Big Fat Mama - ho, ho, nicht der STATUS QUO Song, haltet die Füße still, Boogie-Rockers! - auf einen Rockabilly-Stil mit leichten Blues-Zutaten ein. Über diesen Railroad-Rhythmus singt Mr. Turner mit einem herrlichen "growl", den nur die wahren Blues-Men drauf haben.

Ob diese Scheibe ihren Grammy gewinnt, die Preisvergabe erfolgt just am Tage dieses Reviews, weiß ich nicht, aber ich meine, da haben wahrlich schon unwürdigere gewonnen. [Er hat ihn gewonnen; Red.]
Ende letzten Jahres war Ike Turner mit der "Nokia Night Of The Proms" in Deutschland unterwegs. Eine Solo-Tour hat er für 2007 angekündigt und, wie mir ein Freund glaubhaft versicherte, bei den Konzerten muss es richtig gut abgehen.

Epi Schmidt, 11.02.2007

 

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