Imperial Crowns

Preachin' The Blues Live!


CD-Review

Reviewdatum: 22.05.2005
Jahr: 2005

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Redakteur(e):

Epi Schmidt


Imperial Crowns
Preachin' The Blues - Live!, Ruf Records, 2005
Jimmie Wood Vocals, Harmonica, Guitar
J.J. Holiday Lead Guitar, Backing Vocals
Billy "Champagne" Sullivan Drums, Backing Vocals
John Avila Bass, Backing Vocals
Produziert von: The Imperial Crowns & Thomas Ruf Länge: 73 Min 59 Sek Medium: CD
1. Preachin' The Blues7. Altar Of Love
2. Lil' Death8. Golden Girl
3. Praise His Name9. Blues Au Go Go
4. Big Boy10. You Don't Miss Your Water
5. (Simply) Just A Dream11. Ramblin' Woman Blues
6. The River

Mittlerweile hatte ich ja schon das Vergnügen, diese Band live zu erleben, und, Jesus, ein Erlebnis ist es, die IMPERIAL CROWNS zu sehen.
Also, da haben Ruf Records wieder einmal ein richtig tolles Pferd in ihren Stall geholt!

Mit dieser Live-CD kann man sich einen Vor- bzw. Nachgeschmack auf die Shows der Band aus Los Angeles genehmigen. Aufgenommen am 23. März 2004 in der Bonner 'Harmonie', ist dieses Album sowohl als CD wie als DVD erhältlich.
Sänger Jimmie Wood ist natürlich das Aushängeschild der 'Crowns'. Schon dass durch sein Mundharmonika-Mikrofon gesprochene Intro lässt seine Leidenschaft und Hingebung an den Blues spüren und baut von vorneherein eine fast fühlbare Spannung auf.
Nicht umsonst ist das Album untertitelt mit 'chapter 1, verse 3'. Einer Lesung gleich ertönen die Worte und die Band steigt so eingeschworen in Preachin' The Blues vehement ein. Ein rollender Slide-Blues mit texanischen Wurzeln, wie man ihn ähnlich u.a. von Tito & Tarantula kennt, ergießt sich über die Schar der Gläubigen.
Gitarrist J.J. Holiday glänzt als gleichzeitiger Lead- wie Rhythmusgitarrist, fast durchgehend mit Bottleneck-Einsatz, wie man es in ähnlicher Perfektion nur von Leuten Wilko Johnson, dem früheren DR. FEELGOOD Gitarristen, gehört hat.
'Chef-Prediger' ist und bleibt aber Jimmie Wood. Jetzt darf man nicht glauben, hier ginge es sonderlich christlich oder gar katholisch zu. Religion, ja, aber durchaus mit eigenem Ansatz. Wie verkündet Jimmie: "When I go, I wanna die by the pussy - fuck me to death...", und unterstreicht das im Intro zu Lil' Death mit den entsprechenden Geräuschen. Da haben wir auch schon den ersten Hit dieser Scheibe! Heiß und schwer groovend, von der Slide-Gitarre aufgekocht, brodelt dieser Titel und Jimmie's Blues-Harp bringt zusätzliche Schwüle ein. Schwitzt mein CD-Player?!
In Praise His Name läuft J.J. Holiday zu großer Form auf und seine Mixtur aus geschmackvollen Effekten und Slide-Riffs reißt einen wirklich mit. Das sind ja keine Overdubs, sondern alles live eingespielt. Klasse! Da könnte der Songtitel durchaus auch auf den Gitarristen gemünzt sein.

"Are you ready, church?" oder "It's a true story", jedes eingeworfene Wort verdeutlicht, dass sich Jimmie Wood auf einer Mission fühlt. Ähnlich faszinierende, ja besessene Akteure hab ich auf der Bühne bisher nur in Form von Lee Brilleaux (DR. FEELGOOD) und 'Country Dick' Montana (BEAT FARMERS) erlebt. Beide ja tragischer Weise schon verstorben.
Wenn Jimmie in Big Boy mal kurz Raindrops keep fallin' on my head einstreut, klingt das nicht aufgesetzt, sondern mehr wie eine Eingebung.
Auch Atheisten sollten sich aber nicht abschrecken lassen, denn auch ohne die Texte rockt und bluest es auf diesem Album richtig geil. Ins Ohr gehende Slide-Themen die einen sofort zum mitgrooven und mitsingen auffordern, wie in (Simply) Just A Dream, kommen genauso anmachend wie das wogende The River, für das Jimmie ebenfalls zur Gitarre greift. Natürlich verlegt Jimmie für diese "Waschung" den Fluss kurzerhand quer durch die 'Harmonie'.

Der Altar Of Love ist angerichtet und Jimmie pumpt ein Harp-Solo voraus, das mich an die britische Pub-Rock Band NINE BELOW ZERO erinnert und der so vorgeglühte Up-Tempo Titel hat starke Ähnlichkeiten mit DR. FEELGOOD-Songs wie Going Back Home oder King For A Day - also: Hier geht's ab! Fast muss man Luft holen, wenn die Band eine kurze, ruhiger Stelle einlegt, so sehr brodelt es diesem Song.
Die Rhythmusgruppe, Bass und Schlagzeug, macht, wie bei den anderen genannten Bands, den ihr zustehenden Job: Geradeaus und druckvoll sorgt sie für den Schub der einen jederzeit zum Mitwippen und -tanzen auffordert.
So auch bei dem funkigen Golden Girl, mit leichtem Soul-Anteil. Das klingt für richtigen Funk natürlich etwas zu roh, aber genau das ist die Art, wie sie einem Rock-Freak in die Beine geht.
Für Blues Au Go Go wird das Gaspedal wieder durchgetreten und anständig gerockt, wenngleich der Bass weiterhin leichte Soul-Einflüsse einbringt. Wer die IMPERIAL CROWNS schon gesehen hat, kann sich gut vorstellen wie sich Jimmie Wood das, deutlich hörbare, Tambourine Tarzan-gleich auf die Brust hämmert.
Für You Don't Miss Your Water geht's weit zurück in die 50er und Jimmie gibt sich als Soul-Crooner. Allerdings mit einer Hingabe, ja Heftigkeit, die mehr an die schwarzen Soul-Größen erinnert denn an die weißen Schmusejungs. Schon ohne Aufforderung flüstert man den Refrain mit und lässt sich in eine fast hypnotische Stimmung versetzen, die nur von dem intensiven, exstatischen Vortrag von Jimmie Woods ausgelöst wird.

Der Ramblin' Woman Blues, als letzter Titel des Sets, wird noch mal ausgiebig zelebriert. Jimmie vergisst nicht den nachfolgenden Aynsley Lister anzukündigen und natürlich ausführlich die Mitglieder der IMPERIAL CROWNS. Ich schwöre, allein die sechsminütige Ansage zu diesem Song ist die Investition in dieses Album wert.
Danach unterschreibt man alles und von dem folgenden brodelndem Blues-Gemisch lässt man sich selbst zuhause vor der Stereoanlage in eine Art Voodoo-Psychedelic-Stimmung versetzen. Selbst als Konserve nimmt einen dieser Vortrag fast körperlich mit - Hallelujah.

Wie alle guten Bands sind die IMPERIAL CROWNS live auf der Bühne erst richtig gut. Richtig in ihrem Element.
Wie den sonntägliche Kirchenbesuch, muss man sich diese Messe eigentlich einmal pro Woche gönnen. Da die Band nicht jede Woche in der Stadt ist, bleibt einem, glücklicherweise, dieses Album als Alternative.
Amen.
[Lieber Leser, lasse Dich nicht blenden! Der Laienprediger Schmidt verbringt seine Sonntage mitnichten in den Tempeln der Andacht, eher im Pfuhl der Sünde. Und das ist gut so. Red., Abt. Glaubenskongregation]

Epi Schmidt, 22.05.2005

 

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