Incubator

LieBISSlieder


CD-Review

Reviewdatum: 01.01.2000
Jahr: 2008

Links:


Redakteur(e):

Martin Schneider


LieBISSlieder, Massacre Records, 2008
Chris MummeltheyVocals
Lasse LammertGuitars
ZieglerGuitars
Dirk WeissBass
Mischa WagnerDrums
Produziert von: Lasse Lammert Länge: 50 Min 51 Sek Medium: CD
1. Narzist6. Danke
2. S7. Frei
3. Schön8. F**k mich
4. Für immer9. Stapellauf
5. Der Weg10. Der jüngste Tag

Wenn eine Band sich zehn Jahre für ein neues Studioalbum Zeit lässt, dann kann das unterschiedlichste Gründe haben. Hoffnungslose Perfektionisten (BOSTON), satte Altstars, die noch mal Kasse machen wollen (hier ein selbstgewähltes Beispiel aus der unendlichen Liste einfügen) oder aber es lief wie im Falle von INCUBATOR etwas furchtbar schief in dieser Zeit.

Die komplette Geschichte hier nochmals aufzurollen und die ganzen Business-Querelen und Namensstreitigkeiten erneut zu erörtern würde den Rahmen der Besprechung vollkommen sprengen. Nur soviel: Die Namensrechte liegen inzwischen wieder bei Chris Mummelthey und dieser sieht das aktuelle INCUBATOR-Line up als die legitimen Nachfolger der Besetzung, die zuletzt vor zehn Jahren mit "MCMETALXCVIII" in Erscheinung trat.

Dem geneigten INCUBATOR-Anhänger - und solchen, die es noch werden wollen - begegnet auf "LieBISSlieder" aggressiver und wütender Death Metal mit unüberhörbarer Thrash-Schlagseite und deutschen Texten. Allein schon durch das Röcheln und Grunzen in der Muttersprache heben sich die Norddeutschen vom weit verbreiteten Todesmetal-Einheitsbrei ab und der Titel des Albums ist schlicht und ergreifend ein kreativer Geniestreich.

INCUBATOR können mit einer kraftvollen Produktion wichtige Pluspunkte einfahren und erzeugen einen massiven Soundwall, der alles in Grund und Boden pflügt, was sich ihm in den Weg stellt.

Songs wie Fick mich setzen gezielt auf punkigen Straßenkötercharme, an anderen Stellen bemüht man stumpfes, aber effektives Hardcoregeballer um den Sound möglichst abwechslungsreich zu gestalten.

Da darf dann auch schon mal ein Stück wie Für immer (kein DORO-Cover!) mit auf das Album, das sich mit Vehemenz gegen den übermächtigen Death Metal-Kontext auflehnt. Das Duett mit einer weiblichen Sangespartnerin, das stilistisch mit Doom- und Gothic-Elementen aufwartet, entwickelt sich sogar schnell zum absoluten Höhepunkt von "LieBISSlieder".

Schade, dass INCUBATOR nicht öfter den Mut zu solch eher ausgefallenen Ideen entwickeln. Allen wohlwollend zur Kenntnis genommenen Bemühungen zum Trotz fällt "LieBISSlieder" insgesamt noch zu eindimensional aus. Nach drei, vier Songs am Stück ist der persönliche Bedarf meist gedeckt.

Auch die platte Verbalakrobatik, die mit ihren schlichten Parolen nicht selten an die Polemik der Frankfurter Gossen-Schule (STRASSENJUNGS, BOEHSE ONKELZ) erinnert, nutzt sich sehr schnell ab.

Wenn es mal wieder etwas extremerer Stoff für die Ohren sein darf, dann darf man "LieBISSlieder" aufgrund seiner positiven Ansätze durchaus in die engere Wahl ziehen. Um ein Meisterwerk abzuliefern müssten INCUBATOR beim nächsten Mal aber noch eine Schippe drauf packen.

Martin Schneider, 03.03.2008

 

(C) 2008 - 2019 by Hooked on Music