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Indie Travel Guide

Indie Travel Guide - Amerika & Mehr


Buch-Review

Reviewdatum: 21.10.2009
Jahr: 2008
Verlag: Rockbuch Verlag

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Redakteur(e):

Epi Schmidt


Indie Travel Guide - Amerika & Mehr, Rockbuch Verlag, 2008
ISBN: 978-3-927638-47-1
Umfang: 466 Seiten
Preis: 19,90 € zzgl. Versandkosten

Wie befürchtet, sorry: berichtet, bekommt der "Indie Travel Guide - UK and Europa" noch vor Weihnachten seinen Übersee-Nachfolger und hier ist er, der "Indie Travel Guide - Amerika & Mehr". Natürlich wieder unter der bewährten Feder von Manuel Schreiner und Mirjam Kolb entstanden. Na ja, von denen zusammengefasst, aber wie gehabt entstanden unter der tatkräftigen und wortgewaltigen Mithilfe ortsansässiger Bands. Ursprünglich war das einmal als ein globales Buch geplant, aber wie es oft so geht: Es wächst einem über den Kopf und den Wälzer, der nötig gewesen wäre, das alles unterzubringen, hätte man nicht mal in die Nähe des Wortes Reiseführer bringen dürfen.
Das Konzept kennen wir und so muss sich niemand grämen, wenn er den größten Teil der Informanten nicht kennt. Die Orte kennt man ja dafür. Jedenfalls deren Namen. Und kennen lernen will man die ja mal von einer andern Seite. Wer die 'All-inclusive-Route-66-Tour' buchen will und das nötige Kleingeld hat, oder im 12-Zylinder die Interstates Amerikas entlang brausen möchte, der besorgt sich sowieso andere Reiseliteratur.
Ja, es gibt auch bekannte "Reiseführer". Adam Green etwa, mit dem man gerne noch mehr von New York 'erstreifen' würde. Trotzdem es New York für den "klaustrophobischsten Orte der Welt" hält, ist ihm eine gewisse Faszination für die Wolkenkratzer anzumerken. In der gleichen Stadt ist auch Albert Hammond - nein, nein, der Junior natürlich - anzutreffen. Das heißt, wenn er sich denn mal von seiner geliebten Couch erhebt und sich, anstatt sich alles liefern zu lassen (das geht im Big Apple natürlich problemlos, aber deswegen sind wir ja nicht hier) in die 'Pearl Oyster Bar' (hieß die nicht mal 'Blue Oyster Bar'? War wohl, als ich noch auf der Polizeiakademie war ...) zum Essen geht oder mit seinem Hund durch den 'Tompkins Square Park' spaziert.
Wer mehr auf den Charme des Neuankömmlings setzt, der sollte sich mit Tim Wheeler von ASH auf den Weg machen und sich im '30th Street Guitars' eine schöne Vintage Gitarre kaufen. Merkt's was? Wir sind noch immer in New York und es macht riesig Spaß hier weiter herumzuschmökern. Ich habe über die letzten Jahre eine ziemliche Aversion gegenüber den Vereinigten Staaten entwickelt, aber dieses Buch und Obama könnten mich noch eines Besseren belehren..

So sind alle wichtigen Städte versammelt und die bekannten und unbekannten Ecken darin verzeichnet. Natürlich gibt's überall "den ultimativen CD- und Plattenladen" und der hippste Klamottenladen ist nicht weit entfernt davon. Je nach geografischer Lage, gibt's Tipps für den Strand oder, sollte man gerade in Winnipeg sein, über die "verschiedenen Farben des Schnees". Ja, ja, lernen kann man hier auch.
Reich bebildert ist das Buch auch, sodass man sowohl die Typen zu sehen kriegt, die hier ihren Orte mehr oder minder anpreisen, als auch von ausgewählten Locations. Naturgemäß sind die Bilder nicht allzu groß, aber man kann als Musikfan schon feuchte Augen bekommen, beim Blick auf 'Amoeba', einem wirklich riesigen und nach Meinung von Gram LeBron (ROGUE WAVE) "dem tollsten Plattenladen der Welt".
Wie der Titel suggeriert, ist Amerika zwar Hauptort des Geschehens, aber es gibt durchaus auch noch in anderen Winkeln der Welt Interessantes zu entdecken. Kanada haben wir mit Winnipeg eben schon gestreift und die Metropolen wie Toronto und Montreal fehlen natürlich auch nicht.
Weiter im Osten reihen sich die asiatischen Länder an, wo es logischerweise dann spärlicher wird. Trotzdem muss man weder in Tokio noch in Peking - mit diesem Buch in der Hand - auf die tägliche Dosis Rock'n'Roll verzichten. Oder Punk. Dazu isst man am besten 'Peking Lamm'. Jedenfalls, wenn man auf Guan, von der Punkband JOYSIDE hört. Wer den Rock'n'Roll Lifestyle pflegen mag: Vorsicht in Vrindavan. Das ist eine heilige Stadt und Alkohol gibt's da überhaupt nicht.

In Australien und Neuseeland ist die Versorgung diesbezüglich schon besser. Cameron Bird, von ARCHITECTURE IN HELSINKI bevorzugt den 'Railway Hotel' Pub. Außerdem weiß er, dass Melbourne den zweiten Platz bei den weltweit lebenswertesten Städten belegt. Muss man da nicht auch mal hin?
Oder nach Südafrika? Da findet doch - womöglich - bald eine Fußballweltmeisterschaft statt. Ob die Stadien und die Infrastruktur bis dahin fertig werden, weiß wohl keiner. Manche Sachen sind aber bereits vorhanden. Wo der älteste Pub Johannesburgs zu finden ist, wird man zwar auch in einschlägigen Führern lesen, aber wer wissen will, wo es "Frischfleisch" und außerdem was zu Essen gibt, der muss bei Andrew Wessels, dem Schlagzeuger von CASSETTE, nachfragen.
Leute, es gibt also massig zu entdecken und das Reisefieber wird mit diesem Buch gleich mitgeliefert. Für Musikfreaks, aber selbst für "gewöhnliche Reisende" wieder eine wahre Fundgrube, der zu schmökern immer Spaß macht.
Auch wenn man nie alle Orte bereisen wird, oder vielleicht auch keinen Einzigen, kann man es doch getrost mit Andrew Volpe - Sänger und Gitarrist von LUDO halten, der über einen Gitarrenladen in St. Louis sagt: "Ich kann mir zwar nichts, was in diesem Geschäft angeboten wird leisten, aber ich habe immer einen Heidenspaß mich dort rumzutreiben".

Epi Schmidt, 15.12.2008

 

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