Indigo Girls

All That We Let In


CD-Review

Reviewdatum: 01.05.2004
Jahr: 2004

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Redakteur(e):

Epi Schmidt


Indigo Girls
All That We Let In, Epic Records, 2004
Amy Ray Vocals, 6 & 12 String Acoustic Guitar, Electric Guitar, Mandolin
Emily Saliers Vocals, 6 & 12 String & Highstring Acoustic Guitar, Electric Guitar, Mandolin, Pianos
Clare Kenny Electric & Acoustic Bass, Electric Guitar
Carol Isaacs Hammond B3, Wurlitzer, Piano, Accordion, Penny Whistle, Recorder, Percussion, Vibraphone, Ocarina
Brady Blade Jr. Drums & Percussion
Produziert von: Peter Collins Länge: 45 Min 55 Sek Medium: CD
1. Fill It Up Again7. Come On Home
2. Heartache For Everyone8. Dairy Queen
3. Free In You9. Something Real
4. Perfect World10. Cordova
5. All That We Let In11. Rise Up
6. Tether

Tja, da hab ich mir doch angesichts ihres damaligen Hits Closer To Fine gedacht: Prima, wieder mal ein richtig gutes weibliches Duo, das eine Country und Folk inspirierte Musik macht, sich nicht um Trends schert und damit auch noch Erfolg hat. Noch dazu mit zwei hervorragend harmonierenden Stimmen gesegnet und dem richtigen Gespür für die nötige Dosis Pop-Einfluss.
Und jetzt? 15 Jahre und 11 Alben später? Hat sich nicht viel geändert bei den Indigo Girls.
Lediglich der Erfolg wurde nicht so groß, wie ich es ihnen gewünscht hätte. Andererseits... wer weiß ob sie ihrer Linie sonst treu hätten bleiben können.
Glücklicherweise erwiesen sie sich nicht nur musikalisch als zu unangepasst für die Industrie. Auch ihre Verbundenheit und Unterstützung für Umweltschützer, Menschenrechtler und Randgruppen, von unterdrückten Frauen bis zu Schwulen, passt halt nicht zum Mainstream.

Ansonsten ist das neue Album von Amy Ray und Emily Saliers wieder vollgepackt mit wunderschönen Songs und Melodien.
Schon Fill It Up Again versetzt einen in beste Sommer-Laune, geht mit herrlich durchsichtigen Sound und schwungvoll in die Gehörgänge. Nicht nur hier muss ich öfter an die ersten Scheiben von HEART in den Siebzigern denken.
Noch flotter wird's bei dem Ska-beeinflussten Heartache For Everyone, das Amy in Gedenken an THE CLASH geschrieben hat und sie erinnert sich dabei auch an die Punk-Bands mit denen sie früher auftrat. Natürlich geht's hier nicht so brachial zur Sache...
Das lustige Bontempi-Solo lässt deutsche Ohren an die Zeiten der NDW zurück denken. Die schmachtende Ballade Free In You ist naturgemäß eher getragen, ohne aber in Liebesgestammel zu ertrinken. Auch hier wird mit kompletter Band gespielt, so dass noch genug Drive vorhanden ist, außerdem wird man mit ein paar der süßesten Gesangsharmonien umschmeichelt, die man sich vorstellen kann.

Perfect World ist die erste Single des Albums und hat mit seinem countryfizierten Folk durchaus Hit-Qualitäten. Immer schön angetrieben von einem flotten Banjo (wahrscheinlich eher die "Highstring"-Gitarre") macht auch dieser Song richtig Laune. Bei manchen Stellen, denke ich, ähnliches schon mal bei den BANGLES gehört zu haben.
Der Titelsong All That We Let In, über einen Freund der bei einem Autounfall ums Leben kam, ist wohl der anrührendste Song auf diesem Album und geeignet einem den ein oder anderen Schauer über den Rücken laufen zu lassen.
Mit schweren Kirchenorgel-Akkorden beginnt Tether und nachdem Amy die ersten Zeilen gesungen hat gesellen sich auch noch ein paar E-Gitarren mit wuchtigen Klängen dazu. Das geht dann schon mehr Richtung Tom Petty und wenn dann auch noch Joan Osborne ihre Stimme mit ins Spiel bringt, steigern sich die Girls in einen wahren Gesangs-Rausch und fordern damit sogar ein paar crunchige E-Gitarren-Soli heraus. Kommt echt gut! Jene Mrs. Osborne war ja schon auf dem 99er Werk "Come On Now Social" vertreten und auch hier singt sie bei drei Songs mit.

Die Midtempo-Ballade Come On Home kann, für mich, das Level nicht ganz halten, wenngleich da eine Pedal-Steel herrlich jault und der Gesang wieder erste Sahne ist. Mit dem etwas sperrigen Dairy Queen sieht das schon wieder aus. Hat so einen leichten Mellencamp-Touch, wenn das Akkordeon einsetzt und zwischendurch mischt sich auch immer mal eine verzerrte E-Gitarre ein. Lediglich das Ende kommt mir etwas zu abrupt.
Something Real hat dieses flirrende, ineinander verwobene Spiel- und Gesangsmuster, das ja auch die schon erwähnten HEART auf ihren ersten Alben so gekonnt präsentierten.
Sehr melancholisch, passend sparsam instrumentiert, kann Amy's Cordova dann schon etwas Schwermut verursachen. Aufgelöst wird das aber dann mit dem sehr optimistisch klingenden Rise Up. Da kommt wieder richtig gute Laune auf! Anteil daran hat sowohl die wieder vertretene Joan Osborne, das Elton John-Piano und ein klasse Akustikgitarren-Solo.

Gut, hier ist jetzt nix drauf, was man unbedingt braucht, aber wer Sinn für richtig tollen Harmonie-Gesang hat, und Folk und Country nicht abgeneigt ist, kann sich mit "All That We Let In" mal was absolut Gutes tun.

Epi Schmidt, 01.05.2004

 

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