Indigo Girls

Become You


CD-Review

Reviewdatum: 26.05.2002
Jahr: 2002

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Redakteur(e):

Frank Ipach


Indigo Girls
Become You, Sony Music, 2002
Amy Ray Acoustic Guitar, Boutouki, Harmonica, Mandolin, Vocals
Emily Saliers Acoustic-, Classical-, 12-String- & Electric Guitar, Bouzouki, Mandolin, Vocals
Clare Kenny Electric & Acoustic Bass
Jerry Hey String Arrangements
Dan Higgins Saxophone
Carol Isaacs Percussion, Piano, Accordion, Hammond Organ, Recorder, Penny Whistle, Wurlitzer
Michelle Malone Harmonica, Vocals
Brady Blade Jr. Drums, Percussion
Produziert von: Peter Collins Länge: 48 Min 11 Sek Medium: CD
1. Moments Of Forgiveness7. Hope Alone
2. Deconstruction8. Bitterroot
3. Become You9. Our Deliverance
4. You've Got To Show10. Starkville
5. Yield11. She's Saving Me
6. Collecting You12. Nuevas Senoritas

"Home is where the heart is", na klar, und die Herzen der beiden Ladies führten sie nach längerer Abwesenheit mal wieder in ihre Heimat Georgia, U.S.A., zurück.
Nach nun gut 15 Jahren und immerhin 8 Alben, die in den Staaten zu Gold- und Platin-Ehren gelangten, kehrten Amy Ray und Emily Saliers zurück zu ihren Wurzeln.

Waren die letzten beiden Produktionen "Shaming of the sun" (1997) und "Come on now social" (1999) noch gekennzeichnet vom Einsatz elektrischer Gitarren und anderem rocktypischen Instrumentarium, die den "Girls" das Verlassen ausgetretener Pfade ermöglichte, führte sie ihre Reise jetzt zurück in die vertraute Umgebung akustischer Gitarren, Mandolinen, Harmonicas und Akkordeons.
Die hervorragenden, ineinander verwobenen Stimmen der zwei Protagonistinnen sind natürlich geblieben und in ihrer Klasse unerreicht. Auch die altbewährte Ausgewogenheit beim Songwriting, 6 Songs von Amy und 6 Songs von Emily, sorgt für vertraute Verhältnisse.

Der Großteil der 12 Tracks wurde "live im Studio" mit der eingespielten Tourband, Carol Isaacs, Clare Kenny und Brady Blade aufgenommen. Produziert hat Peter Collins, der schon für die beiden Früh-Neunziger-Alben "Rites of passage" und "Swamp ophelia" verantwortlich zeichnete. Den Mix besorgte kein geringerer als Bob Clearmountain, ebenfalls Szene-Guru und Garant für einen kristallklaren und transparenten Sound.

Der Opener Moment of forgiveness mit seinem markantem Wurlitzer-Piano-Riff und einem leicht souligen Flair ist sogleich die erste Singleauskoppelung und mit dezentem Pop-Appeal durchaus radiokompatibel. Erst der zweite Titel Deconstruction führt uns unweigerlich in den liebenswerten "Indigo-Kosmos". Diese Emily Saliers-Ballade glänzt mit einfühlsamem, introspektivem Text, der die Irrungen und Wirrungen von Zweier-Beziehungen ausleuchtet.
Die cleveren Lyrics sind nun mal ein Trademark der Indigo Girls.

Der erste musikalische Höhepunkt folgt auf dem Fuße, mit dem Amy Ray Titel Become you; Folk-Pop in Vollendung! Absoluter Mega-Refrain mit Akkordeon und Penny Whistle, die eine fast übermütige Stimmung erzeugen und im Gegensatz zum eher nachdenklichen Text stehen.
You've got to show ist ebenso wundervoll. Eine schwer an 70's James Taylor gemahnende Mid-Tempo-Angelegenheit mit lauschigen Latino-Vibes und auch jazzigen Anleihen. Wann hat man zuletzt ein solch anschmiegsames Sax-Solo gehört? Und Drummer Brady Blade zaubert wie einst Steve Gadd.
Die hoffnungslos romantische Ballade Hope alone besticht durch ein pathetisches Streicher-Arrangement und der vortrefflichen Textzeile "We were just an empty dream too big for hope alone to fill". Schmalz zwar, aber wunderschön.

Delta-Blues in bester Bonnie Raitt-Tradition, mit verzerrten Harp-fills und akustischen Slide-Einlagen finden sich in Bitterroot und versprühen ländlichen Charme.
Erinnerungen an den guten alten Richard Thompson werden in Our deliverance wachgerufen... extrem folky das Ganze, mit kongenialer Instrumentierung.
Das letzte Glanzlicht zweifelsohne Nuevas senoritas, mit einem sehr intimen Vocal-Mix und einer Atmosphäre wie zu Emmylou Harris' "Wrecking ball"-Zeiten... fabelhaft.

12 Titel, kein Ausfall; eine bessere Quote geht eigentlich kaum. Deshalb für alle Fans ein Muss und für alle Entdecker eine absolute Empfehlung. Freunde des Singer-Songwriter- bzw. Folk-Pop-Genres sollten hier unbedingt hineinhören!
Es muss allerdings nicht unbedingt zu Hause passieren, denn "Home is where the heart is". Aber das sagte ich bereits...

Frank Ipach, 26.05.2002

 

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