Instant Flight

Endless Journey


CD-Review

Reviewdatum: 01.01.2000
Jahr: 2008

Links:

Instant Flight Homepage



Redakteur(e):

Jürgen Ruland


Endless Journey, Clear Spot, 2008
Marco MagnaniLead Vocals, Guitars & Bouzouki
Lucie RejchrtováKeyboards, Harmonica & Backing Vocals
John O'SullivanBass & Backing Vocals
James OvensDrums
Additional Musicians
José SuárezFlöte
Tom HammondTrompete
Joe HammondPosaune
Produziert von: Marco Magnani Länge: 52 Min 17 Sek Medium: CD
01. Back To The Light07. The Land Is The Same
02. Endless Journey08. The Best Part
03. Celebrate09. Dreamland
04. Get Away10. Vanishing
05. Universe In A Verse11. Gentle Waves Of Sound
06. Magic Stream12. Play For A Fool

Wo sind sie hin, die 68er? Sex & Drugs & Rock'n'Roll? Revolution und alles wird anders sprich besser? Angepasst oder angepasst worden? Sich anpassen lassen haben?
Stell Dir vor, Du bekommst Besuch. Die werten Herrschaften treten ein, nehmen Platz und schauen leicht irritiert aus ihrer gestärkten Wäsche. Auf Deiner Anlage läuft Jimi Hendrix und an der Wand hängt ein Bild mit dem Cover von LED ZEPPELIN II. Im Verlauf des gezwungen geselligen Abends taucht nach ein paar Drinks zuviel die Frage auf: "Nehmt ihr eigentlich Drogen?"
Na, überrascht? Werte/r Leser/in, wie alt bist Du? Ü40, Ü50? Dann wirst Du so ein Szenario eventuell zu Deinen Erfahrungen zählen dürfen. Mit ein paar Flaschen Wein, Brot und Käse zum nächsten (Bagger)See fahren oder Spontanfeten mit ein paar Kisten Bier und schnell geschmierten Käsebrötchen, wer macht das eigentlich noch? Und wenn, ohne die Blicke von irgendwelchen Verstörten auf sich zu ziehen? Gehört man in solch einem Fall wirklich zu den letzten Mohikanern der Woodstock Generation oder deren wenigen missratenen(?) Nachkommen?
Beim Hören von "Endless Journey" gehen mir diese Gedanken des öfteren durch den Kopf.

INSTANT FLIGHT haben ein Album veröffentlicht, welches Dich wie mit einer Zeitmaschine ins Jahr 1968 zu katapultieren scheint. Die Scheibe enthält zwölf psychedelische, folkige, rockige Songs, die im Hirn kleben bleiben wie die Biene auf dem Honig. Alle Tracks beinhalten diese jener Zeit zugeordneten Atmosphäre aus Freak & Beat, unwiderstehlichen Melodien und einen Hauch absoluter Zeitlosigkeit. Man schwebt regelrecht durch ein musikalisches Parallel-Universum, sorgenfrei und fernab unserer zuweilen arg tristen Welt.
Wie selbstverständlich spielen Lead-/Slidegitarren, Mellotrone, Orgeln, Posaunen, Trompeten und Bouzoukis in absoluter Harmonie zusammen. Die damalige Blues-Fraktion wird ebenfalls zitiert. Eine dreckige Harmonika erinnert wehmütig an die frühen Jahre von FLEETWOOD MAC mit Peter Green.

Da sitze ich nun und lausche den letzten Tönen von Universe In A Verse, die von einem Piano beherrscht werden. Vorher sah ich vor meinem geistigen Auge einen Mini-Cooper die Carnaby Street entlang fahren, und an einem Kino hingen grosse Plakate für den nächsten James Bond mit Sean Connery. Es begleiteten mich ein Orchester, feine elektrische Gitarren und verträumte Flöten. Ein Song wie ein Soundtrack vor vierzig Jahren.
Wenn ich jetzt noch sage, der Sänger erinnert mich an jene von OMD (Orchestral Manoeuvres In The Dark) oder TEARS FOR FEARS, sorge ich hoffentlich nicht für Verwirrung. Wir befinden uns gerade bei The Land Is The Same, welches von einem beeindruckenden, orientalisch anmutenden Part eingeleitet wurde. Die Maid Of Orleans befand sich auf einem ganz anderen Kontinent.

The Best Part, ein kerniger Rocker, garniert durch eine feine Hammond, zeigt allerdings, dass INSTANT FLIGHT Boden unter den Füssen haben und nicht nur verträumt auf der Blumenwiese den Wolken nachschauen, sondern auch einen verschwitzten Pub zum Kochen bringen können.
Dreamland bewegt Dich schnell wieder zu Lucy In The Sky With Diamonds und Sgt. Pepper grüßt von der Penny Lane. Wah Wah Wah... keine grünen Frösche springen durch's Bild, denn spätestens das scharfe Solo verscheucht sie wieder. Oder doch nicht? Liebliche Flöten erzeugen eine warme, nebelverhangene Szenerie, worin sich gut eintauchen läßt.
Plötzlich taucht Mr. Bond wieder auf. Vanishing sorgt mittels seinem Intro für einen weiteren Gedankensprung. Alles geht so schnell und dabei so harmonisch. INSTANT FLIGHT lullen Dich einen Moment lang ein, um anschließend durch harsche Leads zu beweisen, dass Du Dich nach wie vor auf dem blauen Planeten befindest.

"Endless Journey" ist ein grosser, tiefer Sound-Cocktail. Orientalische Motive werden in schmissige Rock-Pop-Arrangements eingefügt. Flöten, Trompeten, Bouzouki/Gitarren-Unisono-Passagen und Orgeln entführen Dich in surrealistische Traumwelten. Dabei wird mit einer unglaublichen Leidenschaft musiziert. Abwechslungsreich und detailliert, gleichzeitig ungemein eingängig versetzen INSTANT FLIGHT den Hörer in einen regelrechten Rauschzustand. Ganz großes Melodien-Kino lässt einen völlig versinken.
Schaut man sich das Booklet an, glaubt man irgendwelchen Hippies auf den englischen Jahrmärkten rund um Stonehenge zu begegnen. Vorsicht, INSTANT FLIGHT sind wahre Meister ihres Genres. Genre?

Da wo KUHLA SHAKER Ende der 1990er nicht mehr als ein paar Duftmarken hinterlassen konnten, setzen INSTANT FLIGHT mit ihrem Album jetzt einen Meilenstein ins Land. THE BEATLES, MOODY BLUES, THE KINKS, Donovan, PROCOL HARUM, Cat Stevens, The MOVE. sie alle lassen schön grüssen. Nur Ray Davies, der fragt sich wahrscheinlich Where Have All The Good Times Gone?
Hier Ray, hier sind sie! In Form von "Endless Journey"!

Jürgen Ruland, 20.01.09

 

(C) 2008 - 2019 by Hooked on Music