Iron Maiden

Brave New World – The Studio Collection (Remastered)


CD-Review

Reviewdatum: 19.07.2019
Jahr: 2019
Stil: Heavy Metal
Spiellänge: 66:57
Produzent: Kevin Shirley & Steve Harris

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Plattenfirma: Warner Music

Promotion: Oktober Promotion


Redakteur(e):

Marc Langels


s. weitere Künstler zum Review:

Kiss

Gene Simmons

Titel
01. The Wicker Man
02. Ghost Of The Navigator
03. Brave New World
04. Blood Brothers
05. The Mercenary
 
06. Dream Of Mirrors
07. The Fallen Angel
08. The Nomad
09. Out Of The Silent Planet
10. The Thin Line Between Love & Hate
Musiker Instrument
Bruce Dickinson Gesang
Adrian Smith Gitarre
Dave Murray Gitarre
Janick Gers Gitarre
Steve Harris Bass
Nicko McBrain Schlagzeug

IRON MAIDEN sind ohne Frage die erfolgreichste und einflussreichste Bands, die aus der so genannten New Wave of British Heavy Metal hervorgegangen ist – wenn nicht sogar die wichtigste Metal-Band überhaupt. Allerdings muss man sich als Fan schon manches Mal fragen, wie weit die Liebe denn gehen soll, wenn alle paar Jahre die alten Platten der Band aufs Neue veröffentlicht und an den Mann oder die Frau gebracht werden? Mal ist es mit einem zusammenhängenden Bild auf den seitlichen CD-Hüllen, was sich gut im Schrank macht (so weiß man immer, wo die MAIDEN-Silberlinge stehen), 2015 dann wurden die gesamten bis dato erschienenen Werke auch noch einmal remastert (was einigen Platten auch wirklich einen zusätzlichen akustischen Reiz gibt), doch diese wurden dann damals erst mal nur als Vinyl oder über iTunes angeboten.

Nun erscheinen sie doch noch auf CD – mit vier Jahren Verspätung. Man könnte fast meinen, Steve Harris wäre bei Gene Simmons von KISS in die Lehre gegangen. Aus dieser so genannten “The Studio Collection“-Reihe sind bislang in zwei Schüben die ersten acht Scheiben erschienen, wobei jeweils eine der vier Platten mit einem exklusiven Aufnäher und einer passenden Eddie-Figur aufgewertet wurde (natürlich leider auch preislich). Nun stehen die Scheiben 9 (“Fear Of The Dark“) bis 12 (“Brave New World“) zur Veröffentlichung an – und wir hatten das Glück, letztere für einen genaueren Blick auf diese Scheibe zu bekommen. Dafür müssen wir etwas ausholen und zu großen Vergleichen greifen.

Die Bibel kennt das Gleichnis vom verlorenen Sohn, dessen Vater seine Rückkehr in den Schoß der Familie mit einem rauschenden Fest feiert. Nun kennt die Metal-Historie eine recht parallel verlaufene Geschichte, bei der nicht ein sondern gleich zwei verlorene Söhne wieder ihren Platz in einer der größten Bands aller Zeiten einnahmen. Die Rede ist natürlich von IRON MAIDEN. Denn als diese verkündeten, dass mit Sänger Bruce Dickinson und Gitarrist Adrian Smith zwei Eckpfeiler der glorreichen 80er-Jahre-Besetzung nach mehrjähriger Abwesenheit wieder zur Band gehören würden, da kannte der Jubel bei den Anhängern der „Eisernen Jungfrauen“ keine Grenzen und die Vorfreude auf das Comeback-Album war entsprechend groß.

Das Album “Brave New World“ erschien dann am 30. Mai 2000 und hievte die Band zurück auf das Popularitätslevel, das sie vor dem Abgang von Dickinson genossen hatten. Wie der Vater in der Bibel-Geschichte nahmen auch die Fans „ihre“ Band wieder zurück und belohnten MAIDEN mit deutlich höheren Chart-Platzierungen (unter anderem Platz 3 in Deutschland, Rang 2 in Finnland und Nummer 1 in Schweden) als bei den beiden vorhergegangenen Alben mit Blaze Bayley als Sänger, die ja im Rahmen dieser Veröffentlichungen nun auch erneut aufgelegt werden. Aber die Erklärung dafür nur einzig und alleine in reiner Sentimentalität zu suchen, greift im Fall dieses Albums viel zu kurz.

Denn “Brave New World“ ist in vielerlei Hinsicht ein typisch großartigees MAIDEN-Album. Von dem flotten Opener The Wicker Man (aus meiner Sicht einer der besten Eröffnungs-Songs aller Alben der Band) über die erhabenen Melodien der folgenden Ghost Of The Navigator, Brave New World und Blood Brothers (die Dickinson mit einem perfekten Gespür für das richtige Maß an Pathos darbietet) bis hin zu den epischen Kompositionen Dream Of Mirrors, The Nomad und The Thin Line Between Love & Hate hat die Scheibe alle Elemente zu bieten, die ein klassisches MAIDEN-Werk auszeichnen.

Dabei kann man das Album grob in zwei Teile aufteilen und zwar: die ersten vier Songs und die übrigen (was ganz und gar nicht abwertend gemeint ist). Denn die Stücke The Wicker Man, Ghost Of The Navigator, Brave New World und Blood Brothers gehören in den Kanon der großen und bekannten MAIDEN-Songs, die die Band immer mal wieder in ihre Setliste für Tourneen aufnimmt und die von nahezu jedem Fan ab den ersten Tönen lauthals abgefeiert werden, insbesondere The Wicker Man eine Nummer wie das kollektiv vereinnahmende Blood Brothers. Insofern klann man ganz getrost von vier richtigen Hits sprechen, eine Rate, die keines der bisher folgenden Alben (und auch nur wenige der vorhergegangenen) für sich reklamieren kann.

Und bei den verbliebenen Songs kann man keineswegs von „misses“ sprechen. Ich persönlich würde sie eher „deep cuts“ nennen. Damit will ich ausdrücken, dass Lieder wie insbesondere die treibende Nummer The Fallen Angel zwar vielleicht nicht jedem Fan sofort in den Sinn kommen mögen, wenn es um starke Stück abseits der großen Hymnen geht, die aber sobald man sie spielt, den Hörer in ihren Bann ziehen. Gleiches gilt auch für den folgenden, sehr verspielten und längsten Track des Albums, The Nomad, der von Menschen handelt, die in der Wüste leben und bei dessen Mittelteil man schon mal das Gefühl haben kann, dass man unter dem sternenklaren Nachthimmel in der Wüste steht. Und mit Out Of The Silent Planet sowie The Thin Line Between Love & Hate geht das Werk denn auch wirklich stark zu Ende.

“Brave New World“ ist aus meiner Sicht, das bislang letzte ganz große Album von IRON MAIDEN, das alle Trademarks der Band wieder ins rechte Licht rückt. Hier spüre ich wieder den Tatendrang und die Leidenschaft einer der größten Metal-Bands aller Zeiten. Die Qualität des Songwritings ist durch die Bank hoch, mit ein paar Ausreißern nach oben. Der Sound, für den damals erstmals Kevin Shirley (hat seitdem jede MAIDEN-Scheibe produziert) verantwortlich war, ist exzellent und druckvoll (und damit deutlich besser als beim Nachfolger “Dance Of Death“) und hat sich – zumindest nach meinen Ohren – durch das Remastering jetzt nicht so deutlich verbessert, wie das teilweise bei den anderen Scheiben doch der Fall war. Mit der Entscheidung über einen Kauf muss ich den Leser natürlich wie immer alleine lassen. Wer das Album noch nicht besitzt, der muss eigentlich spätestens jetzt (in dieser oder einer anderen, früheren Version) zuschlagen. Für alle anderen dürfte der (wenn überhaupt wahrnehmbar) etwas bessere Klang dieser Auflage als einziger Anreiz wohl nicht ausreichend genug sein.

(Fotos zur Verfügung gestellt von Oktober Promotion)

 

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