Jason Isbell

Sirens Of The Ditch


CD-Review

Reviewdatum: 24.08.2007
Jahr: 2007

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Redakteur(e):

Frank Ipach


Sirens Of The Ditch, Blue Rose Records, 2007
Jason Isbell Vocals, Guitars, Piano, B-3, Wurlitzer, Banjo
Shonna Tucker Bass
Brad Morgan, Mike Dillon Drums
Patterson Hood Piano, Guitar
David Hood Bass
Spooner Oldham B-3 Organ
John Neff Pedal Steel
Produziert von: Jason Isbell & Patterson Hood Länge: 46 Min 39 Sek Medium: CD
1. Brand New Kind Of Actress7. Hurricanes And Hand Grenades
2. Down In A Hole8. In A Razor Town
3. Try9. Shotgun Wedding
4. Chicago Promenade10. The Magician
5. Dress Blues11. The Devil Is My Running Mate
6. Grown

Eine wirklich eindeutige Aussage darüber, warum Jason Isbell seine relativ erfolgreiche und beliebte Band DRIVE BY TRUCKERS verlassen hat, lässt sich nicht finden. Offensichtlich spielten mehrere Faktoren eine Rolle. Großartig gestritten haben sich die Jungs jedenfalls nicht, doch die kriselnde Zweierbeziehung zwischen Isbell und Bassisten Shonna Tucker führte schließlich ins Nichts, so dass sich gleich alle einvernehmlich voneinander trennten. Nur um dann allerdings auf diesem Isbell-Album wieder miteinander zu spielen. Shonna Tucker und Brad Morgan sind jedenfalls wieder mit an Bord. Patterson Hood hat immerhin co-produziert. Also, arbeitstechnisch scheint es zu funktionieren . . .
Wenn man allerdings bedenkt, dass Jason Isbell schon seit ein paar Jahren Songs für sein nun erschienenes, erstes Soloalbum aufgenommen hat und zudem die stilistische Bandbreite der 11 Songs betrachtet, dürfte klar werden, dass Jasons musikalische Variabilität und weitverzeigte Interessenlage wohl kaum noch in den etwas eng gefassten Kosmos der DRIVE BY TRUCKERS passte. Isbells songschreiberische Kreativität lugt frech über den Tellerrand des kratzbürstigen Roots-Rock der Ex-Kollegen hinaus. Wenn man dann sogar noch genauer hinguckt, bemerkt man, dass Isbell auf den DBT-Alben stets ohne jeweilige Co-Autorenschaften auskam, während seine Bandmates bei den Kompositionen meist kollaborierten. Zufall ?

Apropos Facettenreichtum:
Auf "Sirens Of The Ditch" treffen wir in der Tat auf die gesamte Americana-Palette. Das Album eröffnet mit einem STONES-beeinflussten Gitarrenkracher (Brand new kind of actress) und schliddert dann unvermittelt in das southern-soulige Down in a hole, auf dem der junge Jason (28) Verstärkung von zwei gestandenen Muscle Shoals-Recken bekommt, namentlich Basser David Hood (Vater von DBT-Kumpel Patterson Hood) und der supercoole B-3 Tastenstreichler Spooner Oldham. Die Stimmung dieses Tracks erinnert an die ausgelassene Spiellaune von Eric Claptons "461 Ocean Boulevard"-Album, das seinerzeit einen ähnlichen Groove hinlegte. Es folgt ein DBT-geschuldeter Rocker namens Try, der in einen der Höhepunkte des Albums mündet: Chicago Promenade, eine harmonisch recht aufgeweckte Verquickung aus Randy Newman und BEATLES-Versatzstücken, die z.B. auch die HONEYDOGS ähnlich vermengen könnten, wobei Isbell dem Ganzen seine ganz persönliche Note verleiht, indem er im Outro ein doppelt verstricktes Gitarrensolo einfädelt. Bravo!
Das anschließende Dress Blues flattert in einem Pedal-Steel-beschwingten Ryan Adams meets Neal Casal-Feeling daher und verleiht dem Album seine erste liebliche Note.
Grown überrascht mit unmißverständlichem Pop-Appeal, während Hurricanes and hand grenades mit verhangener Bar-Blues-Schwermütigkeit und einem seufzenden Gitarrensolo überzeugt.
Der zurückgenommene, Dobro-verzierte Songwriter-Folk von In a razor town entzückt genauso wie der tollkühne Ausritt ins Country-Idiom bei Isbells akustischem Gruss (The magician) an seine Blue-Rose-Labelkollegen RAINRAVENS.
Das klagende und Seelenschmerz offenbarende The Devil is my running mate beschließt einen reifen Songzyklus, der Jason Isbell zweifellos in die Garde der Songwriter erster Klasse katapultiert.

"Sirens Of The Ditch" mag im ersten Moment relativ unspektakulär erscheinen, doch auf lange Sicht sehen sich all diejenigen bestätigt, die Jason Isbell während seiner DBT-Zeit schon immer als den versiertesten aller Komponisten ausgemacht haben. Ein qualitativ hochwertiges Debutalbum, das Mr. Isbell eine Menge Kredit einbringt. Bleibt zu hoffen, dass er sein Potenzial beim Folgealbum bestätigt.

Frank Ipach, 24.08.2007

 

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