Jay Farrar

Stone, Steel & Bright Lights


CD-Review

Reviewdatum: 29.06.2004
Jahr: 2004

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Redakteur(e):

Frank Ipach


Jay Farrar
Stone, Steel & Bright Lights, Blue Rose Records, 2004
Jay Farrar Guitar, Harmonica, Vocals
Evan Berodt Bass
Joe Winkle Guitar
Brandon Butler Guitar, Maracas, Lap Steel Guitar
Dave Bryson Percussion, Drums
Derrick de Borja Keyboards
Produziert von: Jay Farrar Länge: 73 Min 45 Sek Medium: CD
1. Doesn't Have To Be This Way11. California
2. Greenwich Time12. Fool King's Crown
3. 6 String Belief13. Vitamins
4. Feel Free14. Voodoo Candle
5. Make It Alright15. Damaged Son
6. No Rolling Back16. Feed Kill Chain
7. Damn Shame17. Clear Day Thunder
8. All Of Your Might18. Lucifer Sam
9. Cahokian19. Like A Hurricane
10. Heart On the Ground 

Die grosse Tradition der Live-Alben mag für viele untrennbar mit den Siebzigern verknüpft sein. Dennoch gelingt es dem einen oder anderen Künstler auch heutzutage noch ein vernünftiges Live-Dokument seines Schaffens zu veröffentlichen. Und damit meine ich natürlich nicht diese eins zu eins Spiegelbilder der jeweiligen Studioalben, die als verkaufstaktisch wohlfeile Best-of-compilation für den Hardcore-Fan auf den Markt geschmissen werden. Sondern eine variable, die Gunst der Stunde nutzende, Werkschau, die dem Interpreten die Möglichkeit eröffnet, seine alten Kamellen in einem anderen Licht erstrahlen zu lassen.
Aus diesem Blickwinkel betrachtet, rechtfertigt sich dieses Tondokument allemal. Denn Jay Farrar gelingt es, seinem Solo-Output der letzten paar Jahre, unter Zuhilfenahme einer völlig neuen Backing-Band (CANYON), einige andersgeartete Facetten hinzuzufügen. Das macht die Sache spannend und lohnenswert.

Seine UNCLE TUPELO und SON VOLT Vergangenheit lässt Farrar aussen vor. Das Repertoire von "Stone, Steel and Bright Lights" speist sich größtenteils aus seinen Alben "Sebastopol" und "Terroir Blues" und der EP "ThirdShiftGrottoSlack".
Die Zusammenarbeit zwischen CANYON und Jay Farrar zeitigt immer dann hervorragende Resultate, wenn das energiegeladene Spiel der Musiker zu einer leichten Dekonstruktion der Studiovorlagen führt. Allein das sei der Grund, der Antrieb und der Reiz, seine alten Songs auf die Bühne zu bringen, ohne in gefährlich langweilige Routine zu verfallen, sagt Farrar selbst. Dieser Maxime folgend, werden zusätzlich zwei brandneue Titel (Doesn't have to be this way und Six string belief) integriert, der eine im vollen Band Line-up rockend, der andere als intimer Solobeitrag in Singer-Songwriter Manier.

Das überraschende Highlight des Konzertes präsentiert sich mit zwei hitzigen Coverversionen zum Finale. Wobei die rotzig wilde Ausgabe von Neil Youngs Like a hurricane Funken versprüht und durch ähnliche Landschaften galoppiert wie einstmals das CRAZY HORSE. Die düster psychedelische Syd Barrett'sche PINK FLOYD Nummer Lucifer Sam taumelt fünfeinhalb Minuten lang über einem lodernden Abgrund und trotzt dem Teufel mit einem brachialen Gitarrensperrfeuer.

Der "Special Edition" beiliegende DVD zeigt ebenfalls den Spass und die Inbrunst der Musiker beim Abfeiern dieser beiden Coverversionen. Ansonsten mag die DVD sicherlich eine willkommene und freundliche Zugabe für den "die-hard-fan" sein, dem allgemeinen Standard in Punkto Abwechslungsreichtum, Kameraeinstellungen, Ausleuchtung etc. begegnet sie jedoch mit dem schnoddrigen Charme einer Lo-fi Produktion. Im Konzertsaal selbst mag Jay Farrar sein Publikum für sich einnehmen, weil er sich über seine Songs definiert. Auf dem Medium DVD allerdings erscheinen die Beteiligten nicht gerade im allerbesten Licht.

Sei's drum...  was zählt ist die gelungene Titelzusammenstellung der CD. Die kraftvolle und raue Umsetzung von Altbekanntem, die spürbare Energie einer eingespielten Band und die Tatsache, dass man Jay Farrar niemals abschreiben sollte.

Frank Ipach, 29.06.2004

 

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