Jeff Angell's STATICLAND

Jeff Angell's STATICLAND


CD-Review

Reviewdatum: 14.05.2016
Jahr: 2016
Stil: Alternative Rock

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Redakteur(e):

Marc Langels


Jeff Angell's STATICLAND
Jeff Angell's STATICLAND, UDR Music, 2016
Jeff AngellGesang & Gitarre
Benjamin AndersonBass, Keyboards, Piano, Orgel, Synthesizer & Gesang
Joshua FantSchlagzeug
Gastmusiker
Michael AlexSchlagzeug (Tracks 6, 7, 8 & 9)
Dan SpaldingSaxophon & Mundharmonika
Produziert von: Vance Powell Länge: 56 Min 09 Sek Medium: CD
01. Everything Is Wrong08. High Score
02. The Edge09. If You Only Knew
03. Never Look Back10. I'll Find You
04. Band-Aid On A Bullet Hole11. Tomorrow's Chore
05. Phantom Limb12. Freak
06. The World Is Gonna Win13. Let The Healing Begin
07. Nola

Tacoma im US-Bundesstaat Washington mag zwar nur eine mittelgroße Stadt im Schatten des berühmten Mount Rainier sein, aber sie hat in ihrer Geschichte schon eine ganze Reihe berühmter Persönlichkeiten hervorgebracht. Zum einen den Schauspieler und Sänger Bing Crosby (Oscar für “Der Weg zum Glück“, White Christmas), den Fantasy-Autor Frank Herbert (“Dune“) sowie eine ganze Reihe berühmter Musiker: Geoff Tate (Ex-Sänger von QUEENSRŸCHE, OPERATION: MINDCRIME), Jerry Cantrell (Gitarrist ALICE IN CHAINS) oder Dave Krusen (Schlagzeuger, Ex-PEARL JAM, CANDLEBOX). Nun kommt ein aufstrebender Musiker hinzu: Jeff Angell, der nach zahlreichen erfolglosen Versuchen (unter anderem bei den WALKING PAPERS mit so bekannten Musikern wie Barrett Martin (SCREAMING TREES, MAD SEASON) und Duff McKagan (GUNS ’N’ ROSES)) nun mit seiner Band STATICLAND neu durchstartet. Diese besteht neben dem Gitarristen und Sänger Angell noch aus Keyboarder und Bassist in Personalunion, Benjamin Anderson, und Schlagzeuger Joshua Fant.

Gemeinsam begeben sie sich auf die musikalische Reise, den Blues neu zu denken und neu zu vertonen. Dabei klingt das Resultat nicht nach dem „herkömmlichen“ Blues-Rock, sondern integriert auch den Sound von Grunge-, Garage-Rock- oder Alternative-Rock. Das Debüt richtet sich also nicht so sehr an Traditionalisten, sondern eher vielleicht an all diejenigen, denen der bisherige Blues zu einheitlich und vorhersehbar klingt. Dabei sorgt der Klang, den Grammy-Gewinner Vance Powell (unter anderem Jack White, THE RACONTEURS) dem Trio verpasst hat, für die nötige, eigenständige Sound-Note, die ebenfalls Elemente aus den bereits oben erwähnten Musikrichtungen enthält und zu einer sehr eigenen Melange vermengt. Das Einzige, was ich dabei etwas bemängeln möchte, ist der Umstand, dass die Tastenarbeit von Anderson manchmal ein wenig zu sehr im Gesamtsound untergeht – aber wehe wenn sie losgelassen wird.

Jeff Angell’s STATICLAND bieten auf dem Debüt stetig changierende Stücke, die zwischen rauen, knurrigen Stampfern, leicht swingenden Blues-Nummer wie dem Opener Eveything Is Wrong und rührenden Balladen mit leichtem ROLLING STONES-Touch wandeln und manchmal auch alles in einem sein können. Das beste Beispiel dafür ist die Single-Auskopplung High Score, die eigentlich ein grooviger Retro-Rocker im Stile von WOLFMOTHER ist, aber in einer Akustik-Version, die man im Internet finden kann, plötzlich seine zerbrechliche Blues-Seele offenlegt. In manchen Momenten schleichen sich auch Band Aid On A Bullet Hole lässt Americana-Einflüsse heraushören, während Phantom Limb mit seiner düsteren Stimmung und seinem crunchigen Gitarren-Sound die Einflüsse der Seattler Grunge-Szene auf Angell und Co. offenlegt.

Jeff Angell’s STATICLAND verweigert sich auf diesem Album strikt engen Genregrenzen, sondern zelebriert die musikalische Freiheit, die sich Angell und seine Band hart erkämpft haben. Das Werk ist etwas für Freunde rockiger Klänge, die sich keinem speziellen Genre zugehörig fühlen oder auf eines festgelegt sind, sondern deren einziges Kriterium ist, ob ein Song gelungen ist oder nicht. Dies ist nämlich auf diesem Album durchgängig der Fall. Jeff Angells fast schon exaltiertes Gitarrenspiel im Zusammenspiel mit der zurückhaltenden Stimme und der sehr variablen Rhythmusabteilung sorgen für einen Trip durch diverse musikalisch Welten und halten dabei immer die Spannung hoch. Ein spannendes Rock-Album, das definitiv angetestet werden sollte. Und wer dann spätestens bei Let The Healing Begin keine zentimeterdicke Gänsehaut hat, der ist ohnehin bereits klinisch tot.

Marc Langels, 12.05.2016

 

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