Jeff Scheetz Band

Behind The Mask

( English translation by Google Translation by Google )

CD-Review

Reviewdatum: 22.06.2008
Jahr: 2008

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Redakteur(e):

Steve Braun


Behind The Mask, Bam-Zoom Records, 2008
Jeff ScheetzAll Guitars
Matt WaddillBass, Vocals
Kent BurnhamDrums
Gast:
Jim RileyDrums on # 3, 5, 7
Produziert von: Jeff Scheetz Länge: 65 Min 08 Sek Medium: CD
01. Welcome Home08. I'm Just Me
02. Behind The Mask09. Crazy Horse
03. Spiny Norman10. Trippin'
04. Killin' Time11. B. Marie
05. Like You Are Alive12. Hallelujah
06. Be My Friend13. Don't Let The Sun Go Down
07. Letter To Myself14. The World

Warum ist dieser Mann in Deutschland nur Insidern bekannt? Weltschmerz beginnt sich einzustellen - einer mit so einem fetten Gitarrenton müßte doch spielend das Herz aller Steve Morse-Fans im Sturm erobern!? Wenn ich Jeff Scheetz höre, erscheinen immer fünf Namen aus meinem musikalischen Gedächtnis auf meinem inwendigen Monitor: Steve Morse, Steve Vai, Jimmy Page, Stevie Ray Vaughan und Jimi Hendrix. Von jedem dieser einzigartigen Axt-Schwinger hat er Anteile adaptiert und mit seinen individuellen Fähigkeiten einen völlig eigenständigen Stil entwickelt. Jeff Scheetz ist ein echter Big-Shot in der Blues-Rock-Szene, auch wenn's hierzulande 'mal wieder kaum einer bemerkt hat.

Einer dieser Kenner ist mein geschätzter Kollege Joachim Domrath, der die letzte Scheibe der JEFF SCHEETZ BAND, "Beggars, Rogues & Thieves", eindrücklich besprochen hat. Dieses Album von 2003 war aus mehreren Gründen das bis dato Stärkste des Guitar-Wizards aus Kansas gewesen. Zum einen, weil erstmals eine richtige Band agierte, und weil -ebenfalls ein Novum- ein Sänger, der großartige Matt Waddill, das bis dahin rein instrumentale Konzept des Solokünstlers Jeff Scheetz bereichert hatte. Dazu kam noch der Hammond-Gott Ted Gardner, der "Beggars, Rogues & Thieves" seinen unaufdringlichen Stempel aufdrückte und dieses Album für mich in die Nähe von SRVs "In Step" rückte.
"Behind The Mask" setzt genau dort an, wo die JEFF SCHEETZ BAND vor fünf Jahren geendet hatte. Allerdings macht sie einen Schritt weiter in Richtung "Rock", zwar ohne den "Blues" zu vernachlässigen, aber die Akzente haben sich verschoben. Es macht immer Freude, wenn man bei seinen Favs Weiterentwicklungen konstatieren kann - doch dazu später mehr.

Jeff Scheetz begann -wie gesagt- seine Karriere als reiner Instrumental-Künstler und war irgendwo zwischen Steve Vai, Jimmy Hendrix und Steve Morse zu verorten gewesen. Nicht dass diese Phase keinen Spass gemacht hätte - nein: Alben wie "Dig!" und vor allem "Pawn Shop" waren richtig Klasse. Zunächst stärker dem jazzigen Hard-Rock à la Steve Morse zugewandt, bekam der Blues-Rock spätestens mit der angesprochenen "Pawn Shop" einen breiten Fuss in die Tür. Ab jetzt wurde fein geblues-rockt. Scheetz' Entwicklung läßt sich, ganz wie es sein soll, problemlos an seinen Alben nachvollziehen. Eine nahezu makellose Diskographie hat Jeff Scheetz, wenn da nicht die "Christmas .... At Last" wäre. Über diese Katastrophe legt man lieber den Mantel des Schweigens.
In den US ist Jeff Scheetz unter jungen Gitarristen sehr bekannt, da er ein "Guitar School"-Buch herausgegeben hat. Für Yamaha Guitars hat er etwa 300 Workshops gemacht, u.a. beim alljährlichen NAMM. Aufmerksame Leser werden ihn möglicherweise auch schon am Yamaha-Stand der Frankfurter Musikmesse gesehen haben. 'Daily Amplifiers' hat ein von Jeff Scheetz modifiziertes Modell in der Produkt-Palette und so könnte ich jetzt (fast) endlos fortfahren. Dies alles beweist die hohe Reputation, die Jeff Scheetz in der Szene genießt.

"Behind The Mask" ist ein ganz dickes Päckchen geworden. Weit über eine Stunde anspruchsvollster Mucke - da kann ich natürlich aus Gründen der Lesbarkeit dieses Reviews nicht jeden einzelnen Song besprechen. Die Richtung hatte ich ja vorhin schon vorgegeben: Rock-Blues mit ganz leichten Überbleibseln aus vergangenen Fusion-Tagen.
Ich würde aus meinem Herzen eine Mördergrube machen, wenn ich verleugnete, dass mir Ted Gardners Hammond B3 herzzerreissend fehlt, aber ein schönes, knackiges Trio ist ja ebenfalls nicht zu verachten. Bassist Matt Waddill -ich sagte es bereits- ist der Sänger dieser Truppe und er agiert erneut sehr seelenvoll. Matts Partner in der Rhythm-Section ist wieder Kent Burnham, wie immer punktgenau und druckvoll. Bei zwei Songs haut ein alter Weggefährte von Jeff, Jim Riley von den RASCAL FLATTS, in die Felle. Viel mehr an Instrumentierung ist da kaum .... rauer Trio-Sound also, bei dem sich die over-dubs durchaus in Grenzen halten, dessen Wurzeln offensichtlich in den 70's liegen.

Los geht's mit einem knackigen, harten Funky-Riff Welcome Home, ein echter Fön zum Einstieg, perfekt! Der Titeltrack folgt mit einem wunderschönen Fretless-Bass Intro. Kein aufwändiges Arrangement lenkt vom Kern des Songs ab und selten habe ich schönere Bridges gehört. Dann bricht wieder der Morse aus Scheetz heraus: Spiny Norman erinnert, nicht nur weil's ein Instrumental ist, an die glorreichen DIXIE DREGS. Killing Time ist eine absolut hörenswerte, rockige Midtempo-Ballade, die vor allem in der Strophe etwas an GOV'T MULE zu erinnern weiß.
Jeff Scheetz scheint des öfteren Schwierigkeiten mit seinem Anrufbeantworter zu haben: Das Intro zu Be My Friend erinnert mich an irgendetwas ;-)) bevor der Song mörderisch funky einsteigt. Ein weiterer Killer: Letter To Myself bei dem sich ein hüpfender Groove mit messerscharfen Riff-Attacken abwechselt. Das nächste Instrumental erinnert stark an die STEVE MORSE BAND, zumindest von den Riffs bis zu den Slap-Einlagen, weniger bei den Soli - das ist Scheetz pur. B. Marie ist ein kurzes akustisches Zwischenspiel, das ebenfalls an barocke Ausflüge von Mr. Morse erinnert, bevor mit Hallelujah wieder mächtig, ich meine richtig mächtig gerockt wird. Die schönste Ballade von "Behind The Mask" kommt kurz vor Torschluss: Don't Let The Sun Go Down On Me rührt beinahe zu Tränen, da will man seine Liebste einfach nur in die Arme nehmen. Was für ein Album ....

Jeff Scheetz schließt "Behind The Mask" mit einem Zitat des griechischen Philosophen Sokrates: "Der beste Weg um ehrenvoll in dieser Welt zu leben ist, zu sein was man vorgibt zu sein" - genau das ist der Blick hinter die Maske und dieses großartigen Albums.

Steve Braun, 22.06.2008

 

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