Jefferson Pepper

American Evolution Vol.1


CD-Review

Reviewdatum: 01.01.2000
Jahr: 2008

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Redakteur(e):

Steve Braun


American Evolution Vol.1, American Fallout Records, 2008
Jefferson Pepper All Vocals, Acoustic & Electric Guitars, Mandoline, Bass, Keyboards, Harmonica, Percussions
Gäste:
Mike Argento, Chris Planas Electric Guitars
Kenny Geist, Jon Shain Acoustic & Electric Guitars
Tom Bissey, Rob Goeltz Electric & Upright Bass
Scott Fisher, Marshall Deasy Drums, Percussions
Joe Allison Fiddle, Mandoline
Bill Nork, Ray Eicher Dobro, Pedal Steel
Randy Stewart Banjo
Produziert von: Jefferson Pepper Länge: 72 Min 04 Sek Medium: CD
01. Can't Go Home10. Riverbank Blues
02. Columbus Day11. Dam In The River Of Life
03. The Sheep And The Goats12. Fine Fine Day
04. Lewis And Clark Homecoming13. I Don't Wanna Be Alone
05. Trail Of Tears14. Stranger In The Glass
06. Can't Come Back15. Paperback Romance
07. Appromatox16. Wood And Wire
08. Rockefellers17. Primates Swingin'
09. Only Survivor

Eine musikalische Abhandlung zur Geschichte der United States of America ist eine richtig gute Idee. Jefferson Pepper hat eben diese in einer Trilogie zusammengefasst, deren zweiter Teil im Mai und der abschließende dritte Teil im Juli veröffentlicht werden. Zur Abrundung des Angebotes wird es im November 2008 auch ein Box-Set geben.
Hier zu besprechen ist Vol.1 der "American Evolution" und, soviel muss ich schon einmal vorausschicken, sie ist recht überzeugend ausgefallen. Auch wenn die musikalischen Ansätze teilweise etwas klischeehaft ausgefallen sind. Allerdings hat der junge US-Amerikaner das komplette Monumentalwerk im Alleingang komponiert und arrangiert - ihm gebührt deshalb ein Lob für die Bewältigung dieser Herkules-Aufgabe. Die textliche Umsetzung ist intelligent und insgesamt kritischer, als man das vielleicht erwartet hätte. Es tut sich was in der amerikanischen Gesellschaft ..., das zeitigt natürlich derzeit seine Auswirkungen auch in der musikalischen Szene des Landes.

"American Evolution Vol.1" wird der Einfachheit halber vom Label nur "The Red Album" genannt, die beiden folgenden Scheiben "The White Album" und "The Blue Album". Red - White - Blue: Die Farben der amerikanischen Nationalflagge, das Artwork ist farblich darauf eingestimmt. Überhaupt finde ich das künstlerische Gesamtkonzept durchaus gelungen. Insgesamt 50 Songs umfasst "American Evolution 1-3", welches erst das zweite Album des jungen Mannes aus Harrisburg, PA ist. Sein Debut lieferte er 2005, in der Szene viel beachtet, mit "Christmas in Fallujah" ab. Diese Scheibe kletterte bis auf # 23 der 'American Roots Charts' und immerhin auf # 13 der 'Euro Americana Charts'. Zu guter Letzt wurde sie auf # 10 der 'Roots Top 100' Liste des Jahres 2005 gewählt. Der Bursche ist also trotz seiner Jugendlichkeit wahrlich kein unbeschriebenes Blatt.
Jefferson Pepper entstammt einfachen Verhältnissen. Seine Großväter schufteten noch in Pennsylvanias Kohleminen - sein Vater ist Fabrikarbeiter. Er identifiziert sich sehr stark mit seiner Herkunft aus der Arbeiterklasse und ist da mit seinem Landsmann und einem seiner Vorbilder, Bruce Springsteen, durchaus auf einer Wellenlänge. In seiner Schulzeit erfreute er sich vor allem an den herzhaften Rockklängen von Patti Smith, NIRVANA und THE CLASH. Später widmete er sich eher Country- und Folkklängen, die sein Songwriting nachhaltig geprägt haben. Namen wie John Prine, Neil Young und Johnny Cash fallen immer wieder, wenn man auf Jefferson Pepper zu sprechen kommt. Dazu muss man auch dringend wissen, dass er von seinen Eltern, die Baptisten sind, mit sehr christlichen Werten ausgestattet wurde und diese Einflüsse natürlich auch in seine Texte einfließen, was durchaus für Reibungspunkte bei erklärten Atheisten sorgt.

Nun hat Jefferson Pepper insgesamt zwei Jahre lang in seinem Heim-Studio an diesem Konzept-Album gebastelt. Herausgekommen ist dabei ein ganz bunter Strauss ur-amerikanischer (Volks-)Musik. Ob lupenreiner Bluegrass, wie in Fine Fine Day, ob Country-Rock (Can't Come Back) oder knackiger Roots-Rock (Trail Of Tears): Traditionelle und sehr aktuelle Musikstile werden hier zu einer abwechslungsreichen Mixtur komponiert. Sogar eine Country-Blues-Nummer hat's mit Riverbank Blues und hier klingt's gewaltig nach Lightnin' Hopkins oder dem ganz jungen Muddy Waters. Zumeist sind aber folkige Klänge zu hören, wie das auch für Pennsylvania durchaus typisch ist. Das sind dann die Momente auf "American Evolution Vol.1", die mir eindeutig zu antiquiert sind, wo einfach zu wenig aufregend Neues passiert. Knallharter Höhepunkt dieser Scheibe ist der swampige Southern-Rocker Dam In The River Of Life, wo es - ganz nach meinem Geschmack - nach der Band mit den vier "Y" klingt.
Die Texte decken die prä-columbinische Ära, die Eroberung des Landes unter Verfolgung der Urbevölkerung sowie die wohl traumatischste Erfahrung der amerikanischen Gesellschaft, den Civil War, bis etwa zur Jahrhundertwende ab. Die Darwin'sche Evolutionstheorie, der große Treck nach Westen und die industrielle Revolution sind weitere Themen, die in diesem ersten Zyklus abgehandelt werden.

"American Evolution Vol.1" ist ein zutiefst amerikanisches Album geworden, ein musikalischer Geschichtsunterricht in einer Form, wie er hierzulande wohl undenkbar wäre. Musikalisch zutiefst konservativ - wer mit Country und Folk wenig anzufangen weiß, der lasse besser die Finger von dieser Scheibe. Für die Liebhaber dieser ur-amerikanischen Klänge ist "AE 1" nahezu ein Pflichtkauf. Mit satten 72 Minuten ist hier die Speicherkapazität des Tonträgers nahezu ausgeschöpft worden. - das nenne ich value for money!!

Steve Braun, 08.03.2008

 

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