Jethro Tull

Die Ballade von Jethro Tull

( English translation by Google Translation by Google )

Buch-Review

Reviewdatum: 31.08.2020
Stil: Autobiografie
Autor: Mark Blake
Seitenzahl: 224
ISBN: 978-3-85445-687-2
Preis: 40,00 EUR

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Verlag: Hannibal Verlag


Redakteur(e):

Epi Schmidt


Wenn eine Band so lange im Geschäft ist, wie JETHRO TULL, dann gibt es bereits etliche Publikationen von, über und mit ihr. Dennoch dürfte mir vorliegendes Buch zu den essentiellen Veröffentlichungen gehören. Zumindest was die Fans angeht. Denen kann man zwar kaum was neues erzählen aber die Kunst ist ja, wie so häufig, eher wie das vonstatten geht.

Und das geht hier schon einmal beim wunderschönen Einband los. Der Verlag nennt das “Hardcover mit wattiertem Stoffbezug und Goldprägung“. Mich erinnert es an historische Geschichts- oder Märchenbücher und wenn hier “Die Sage von Jethro Tull“ auf dem Titel stünde, würde das auch glaubhaft wirken. Natürlich fehlt es bei dieser Aufmachung auch nicht am Lesebändchen, wie das alle höherwertigen Bücher haben.

Aus der Hand wird man den Band, sobald einmal geöffnet, aber ohnehin kaum legen, bis man ihn durch hat. Ian Anderson hat persönlich eine launige Einleitung verfasst und nach dem Vorwort von Mark Blake legen sie los. Das besondere an dieser Autobiografie ist nämlich, dass sie tatsächlich von den Bandmitgliedern erzählt wird. Und zwar von allen (oder ziemlich allen) die jemals  dabei waren. Mit ihren eigenen Worten.

Klar, das Ian Anderson am häufigsten zu Worte kommt, aber auch die anderen – neben ihrer Persönlichen Vorstellung und Werdegang – geben ihren Senf zum jeweiligen Thema dazu. Und da ist interessant, wie oftmals unterschiedliche Sichtweisen sich offenbaren. Gleichzeitig wird die Gemeinsamkeit eines gewissen  Humors, zumindest bei den frühen Bandmitgliedern deutlich. Etwas, was ihnen bei den Bühnenshows zu Gute kommen sollte.

Auch Anderson, oft als griesgrämiger  Despot verschrien, erweist sich durchgehend als witziger und unterhaltsamer Erzähler. Hier und da hat er aber vielleicht auch manches gar nicht so gesehen, wie einer seiner Kollegen. Was auffällt, ist, dass die Beiträge von Langzeit-Gitarrist und für viele Fans (neben Anderson ) Identifikationsfigur Martin Barre sehr gering sind. Da ist entweder der Graben doch größer, oder das Interesse vonseiten Barres nicht sonderlich groß. So oder so auf jeden Fall äußerst schade.

Was ebenso auffällt ist, dass JETHRO TULL äußerst wenig mit Sex und Drugs zu tun hatten. Ein bisschen Rock'n'Roll, bzw. Sex findet sich dann und wann am ehesten auf Promofotos aus der Frühphase der Band. Überhaupt birgt das Buch eine Vielzahl an, teils selten bis nie gesehenen, Fotos in unterschiedlichsten Formaten. Kann auch mal eine Doppelseite im 28 x 24 cm großen Band sein. An Skandalen finden sich nicht viele, dazu waren die Musiker einfach zu brav. Man könnte auch sagen zu fokussiert. Recht bald waren etliche Stücke im Programm, die hohe Konzentration erforderten. Und da war Anderson dann doch jemand, der Schwächen nicht so leicht durchgehen lies. Oder, wie es Barre an einer Stelle ausdrückt: “Ian nahm nur alles sehr, sehr ernst“.

Anekdoten gibt’s dafür genug. Oder auch Zugeständnisse und Selbsterkenntnisse.  Wie Anderson über “Broadsword...“ sagt, dass er seine “Stimme in Bereiche drängte, die ich als Bariton nicht vordringen sollte.“ Martin Barre berichtet von den Schwierigkeiten “A Passion Play“ live zu spielen: “Keinen einzigen Gig spielte ich fehlerfrei!“. Oder wie war das, als TULL 1988 den “Grammy für das beste Heavy-Metal-Album“ erhielten? Im Rennen übrigens außerdem noch solche Soft-Pop-Bands wie METALLICA und JANE'S ADDICTION...

Selbst wenn man kein Die-Hard-Fan der Band ist, hat man mit diesem Buch viel Spaß und erfährt auch über andere Bands einiges. Dass sich TULL nie mit Substanzen jeglicher Art “weggebeamt“ haben, zahlt sich so im Nachhinein für Band wie Leser aus. So erhält man zu jedem Album ein paar interessante Informationen, mit denen sich manche Scheibe anders anhören wird. Das geht bis zu “TAAB2“.

“Homo Erraticus“ wird nicht mehr berücksichtigt , aber das war ja auch ein Ian Anderson Soloalbum (was “J-Tull Dot Com“ auch schon hätte werden sollen...) und Andersons Sichtweise, teilt er uns gegen Ende auch mit: “Ich dachte immer, ich wäre ich und die Band wäre JETHRO TULL“.

Wusstet ihr übrigens, dass Atze Schröder mal bei JETHRO TULL Keyboards gespielt hat? Nicht? Dann schaut euch das Foto auf Seite 164 mal an!

Dieses Schmuckstück wird jedenfalls kaum ein Sympathisant dieser Band missen wollen und sich an Aufmachung wie Inhalt gerne und oft freuen.

 

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