Jethro Tull

Living With The Past/Nothing Is Easy: Live At The Isle Of Wight 1970


CD-Review

Reviewdatum: 30.01.2014
Jahr: 2014
Stil: Classic Rock

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Redakteur(e):

Marc Langels


Jethro Tull
Living With The Past/Nothing Is Easy: Live At The Isle Of Wight 1970, Eagle Rock, 2014
Ian AndersonGesang, Flöte, Gitarre, Mundharmonika & Mandoline
Martin BarreGitarre & Flöte
Doane PerrySchlagzeug & Percussion
Andrew GiddingsKeyboards & Akkordeon
Jonathan NoyceBass
David PeggMandoline & Bass
Mick AbrahamsGitarre & Gesang
Clive BunkerSchlagzeug
Glenn CornickBass
James DuncanSchlagzeug
Brian ThomasVioline
Justine TomlinsonVioline
Malcolm HendersonViola
Juliet TomlinsonCello
Produziert von: Ian Anderson Länge: 134 Min 46 Sek Medium: CD
CD 1: Living With The Past
01. Intro12. Nothing Is Easy
02. My Sunday Feeling13. Wond'ring Aloud
03. Roots To Branches14. Life Is A Long Song
04. Jack In The Green15. A Christmas Song
05.The Habanero Reel16. Cheap Day Return
06. Sweet Dream17. Mother Goose
07. In The Grip Of Stronger Stuff18. Dot Com
08. Aqualung19. Fat Man
09. Locomotive Breath20. Some Day The Sun Won't Shine For You
10. Living In The Past21. Cheerio
11. Protect And Survive
CD 2: Nothing Is Easy: Live At The Isle Of Wight 1970
01. My Sunday Feeling05. Bourée
02. My God06. Dharma For One
03. With You There To Help Me07. Nothing Is Easy
04. To Cry You A Song08. Medley: We Used To Know/For A Thousand Mothers

Seit ihrer Gründung im Jahre 1967 gehören JETHRO TULL zu den Gruppen, die durch Beständigkeit und hohe Qualität den Status von Rock-Ikonen erreicht haben. Ihre Mixtur aus Hard Rock mit klassischen Elementen, Folk und Jazz machte sie zudem zu einem der Wegbereiter für das, was man unter Progressive Rock versteht. In den mehr als 45 Jahren ihres Bestehens haben sich Mastermind Ian Anderson und seine wechselnden Besetzungen stets offen für Neues gezeigt und dennoch sind es neben ihren Frühwerken vor allen Dingen die Live-Auftritte und –Aufnahmen, die zum besonderen Ruf der Band beigetragen haben. Zwei dieser klassischen Live-Alben veröffentlichen Eagle Rock nun als Doppelpaket “Living With The Past/Nothing Is Easy: Live At The Isle Of Wight 1970“.

Auch wenn es der Reihenfolge im Titel und in der Doppel-CD widerspricht, so möchte ich mich der Sache in diesem Fall chronologisch nähern und mit dem zweiten Silberling “Nothing Is Easy: Live At The Isle Of Wight 1970“ beginnen. Das fünftägige Festival auf der Isle Of Wight im Jahr 1970 gilt sicherlich zu Recht als eines der bedeutendsten musikalischen Großereignisse der damaligen Zeit, zusammen mit Woodstock. Das liegt natürlich neben der schieren Größe der Veranstaltung mit mehr als 500.000 Zuschauern an den beteiligten Bands. An den Tagen traten unter anderem Miles Davis, THE DOORS, THE WHO, FREE und Jimi Hendrix auf. Aber auch JETHRO TULL standen damals auf der Bühne.

Unter dem Motto "Nothing Is Easy: Live At The Isle Of Wight 1970" wurde der Mitschnitt veröffentlicht. Dabei zeigt sich die Band noch ohne Hit-Singles wie Aqualung, Thick As A Brick oder Locomotive Breath, dafür aber voller Spielfreude. Und das Material der ersten Alben wie My Sunday Feeling oder My God aber auch To Cry You A Song und Dharma For One kommt ohne die überlangen Schatten der großen Single-Erfolge auch deutlich besser zur Geltung. Maestro Ian Anderson fasziniert als Geschichten-Erzähler und wahlweise als flötender Sänger oder singender Flötist. Und mit der TULL-Version von Johann Sebastian Bachs Bourée ist auch schon ein echter Klassiker und Konzert-Favorit in der Setlist enthalten.

Die Qualität der Aufnahme entspricht deren Alter. Das Material ist eben nicht taufrisch, dafür transportiert es sehr gut die besondere Atmosphäre des damaligen Auftritts und liefert ein besonders gutes Exempel dafür, was für eine begeisternde und spielfreudige aber experimentelle Band JETHRO TULL waren, kurz bevor sie im Folgejahr mit "Aqualung" den Sprung in die oberste Liga der Rock-Acts schafften.

Deutlich gereift präsentiert die andere Live-CD dieses Doppel-Pakets die Band. Der Mitschnitt zu "Living With The Past" stammt größtenteils aus dem Jahr 2001, enthält aber auch ausgewählte Aufnahmen aus den Jahren seit 1989. Zu diesem Zeitpunkt gehörten JETHRO TULL natürlich bereits zu den etablierten Bands im Rock und hatten mit den Alben "Aqualung" sowie "Thick As A Brick" ihren kreativen und kommerziellen Höhepunkt bereits erreicht. Bei dem mitgeschnittenen Konzert präsentieren die Briten denn auch 20 ihrer erfolgreichsten Titel in absolut exzellenter Ton-Qualität.

Im direkten Vergleich zum ersten Werk fällt auf, dass die Band weniger experimentell und deutlich abgeklärter - man könnte auch sagen altersmilde - ans Werk geht. Die überbordenden Explosionen von Emotionen und zumindest gefühlt spontanen Einfällen gibt es hier nicht. Dafür aber eine Band, die ihr Material sehr sauber, zugleich aber auch immer noch sehr eindringlich darbietet. Etwas störend wirken sich die sehr häufigen Blenden zwischen den Stücken auf den Hörgenuss aus. Und auch das sehr leise Publikum lässt manches Mal den Eindruck aufkommen, man höre gar kein Live-Album sondern ein Studio-Werk. Wobei dieser Hör-Eindruck auch ein Extra-Lob für die spielerischen Qualitäten der Musiker ist.

Die lautesten Reaktionen beim Publikum rufen natürlich die Hits hervor, aber diese Live-CD profitiert eben auch von den nicht so offensichtlichen Stücken wie Roots To Branches. Dabei gelingt es "Living With The Past" eine recht umfassende Werkschau der Band zu bieten. Auf Grund der sehr guten Aufnahmequalität ist das Album fast schon eine Art "Best Of" und vielleicht sogar dank des raueren Klangs sogar für Rockfans interessanter als die Studio-Versionen.

Dieses Doppel-Paket stellt wirklich eine sehr gelungene, weil sich ideal ergänzende Live-Retrospektive der Band. Hier wird sowohl der sehr organische und spontane Charme der frühen Band-Tage präsentiert als auch die sehr abgeklärt agierende Gruppe von Rock-Stars, die genau wissen, mit welchen Liedern sie die gewünschte Wirkung beim Hörer und Publikum erzielen. Zusammen ergibt sich daraus eine wirklich spannende Kombination, die jedem Anhänger der Band als auch interessierten Rock-Fans gefallen wird.

Marc Langels, 26.01.2014

 

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