Saga

Jim Gilmour

'Rob hat einen unkomplizierten Charakter'


Interview

Reviewdatum: 02.05.2009
Stil: Progressive Rock

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Redakteur(e):

Kay Markschies


Saga
Rob hat einen unkomplizierten Charakter, Interview

Bei SAGA hat es in den letzten Monaten einschneidende Veränderungen gegeben. Nachdem Frontmann Michael Sadler die Band Ende 2007 verlassen hat, galt es einen neuen Sänger zu finden sowie ein neues Album zu komponieren und aufzunehmen.
Über diesen Prozess und den Auftakt der diesjährigen "The Human Condition Tour" sprach HOOKED ON MUSIC mit SAGA-Keyboarder Jim Gilmour.

Jim_Gilmour

Hallo, Jim, kommen wir gleich zum wichtigsten Thema. Obwohl Rob ja schon seit ein paar Monaten offiziell dabei ist, denke ich, dass die SAGA-Fans immer noch ein wenig neugierig über die Hintergründe seines Einstiegs sind. Wie habt ihr Rob Moratti denn gefunden ?

Wir haben Auditions gemacht. Auf unserer Websites haben wir ein kleines Bündel Songs für potentielle Sänger gepackt, die sie downloaden konnten. Danach sollten sie uns Videos schicken, auf denen sie zu den Songs sangen.
Davon haben rund 50 Sänger Gebrauch gemacht. Außerdem haben wir von weiteren 150 Leuten Zuschriften mit eigenen Demos bekommen.
Wir haben dann unsere Favoriten herausgesucht. Ich meine, es waren fünf oder sechs. Die Auditions haben selbst haben dann in den Metalworks abgehalten.
Rob war gleich der Erste, mit dem wir gespielt haben. Wir haben zwar danach auch noch mit 4 weiteren Sängern geprobt, aber uns allen war schnell klar, dass er großartig und auch ein sehr umgänglicher Typ war.
Nach den Auditions haben wir uns mit der Entscheidung noch ein Wochenende Zeit gelassen, aber diese hatten wir eigentlich schon vorher gefällt.

Waren es ganz spezielle Qualitäten, die ihr an Rob zu schätzen
wusstet ?


In erster Linie war es natürlich seine Stimme, aber - wie oben schon erwähnt - auch sein unkomplizierter Charakter.

Auf "The Human Condition" hat sich der Saga-Sound ja doch ein wenig verändert. Die progressiven Elemente, das merkt man u.a. am Titelstück, sind wieder stärker in den Vordergrund getreten. Auch die Vocal-Arrangements haben jetzt einen komplett anderen Ansatz.
Die Platte hat mich an manchen Stellen auch ein wenig an dein Solo-Album "The Great Escape" erinnert, welches ja auch sehr proggy ist ....


... ja, manchmal sogar auch ein wenig jazzy ...

War das Komponieren ohne Michael denn diesmal komplizierter ?

Weißt du, um ehrlich zu sein. Michael hat sich auf den letzten 10 Alben eigentlich nicht mehr großartig am Komponieren beteiligt. In erster Linie haben ich, Jim und Ian die Ideen ausgearbeitet. Das hat sich also eigentlich nicht verändert.
Ich nutze eigentlich jede freie Minute zum Komponieren. So hatte ich vor dem Album rund 80 Songs zusammen, Ian hatte auch eine Menge geschrieben und Jim hatte ein paar. Und dann hat jeder einfach seine besten Tracks in den Ring geworfen. Ich persönlich wollte es auf dieser Platte ein Tick progressiver.
Wir haben uns kurz vor Weihnachten dann im Landhaus unseres Managers im Norden von Toronto getroffen und tagelang die einzelnen Songs angehört und auch unsere Instrumente und Gerätschaften alle im Wohnzimmer aufgebaut.
Wir lebten dort und arbeiteten die Arrangements von den Songs aus, die wir für die Platte ausgewählt hatten.

Ihr habt die Platte ja gleich in einer Handvoll verschiedener Studios aufgenommen. Die Vocals wurden z.B. separat aufgenommen, die Drums ebenfalls.

Jeder von uns hat ein eigenes Home-Studio und wir leben wirklich ziemlich weit voneinander entfernt. Jim hat in LA ja seine Sound Image Studios, aber wir hatten diesmal auch nicht die Zeit, alle dort runter zu gehen.
Als die Arrangements feststanden und die Drums in den Metalworks-Studios aufgenommen waren, wusste eigentlich jeder von uns, was er zu tun hatte.

... und der Rest ist dann auch eine Sache des Internets, oder ?

Ja, natürlich auch.

Diese Tour mit Rob ist ja nun noch ziemlich frisch. Wie funktioniert es denn so mit einem neuen Sänger auf der Bühne. Ist er noch ein bisschen nervös oder ist die Situation für ihn schon angenehm ?

Ich glaube schon, dass er noch ein bisschen nervös ist. Immerhin hat Michael große Fußspuren hinterlassen, die es auszufüllen gilt. Ich glaube, er lernt auch noch ein bisschen, da er noch nie so ausgedehnt getourt hat.
Wir hatten jetzt zwar zwei Tage off, aber der Touralltag ist - glaube ich - noch ziemlich neu für ihn.

Mit seiner Band FINAL FRONTIER hat er hier Europa ja bereits 4 Alben veröffentlicht. Weißt du, ob er diese Alben in Deutschland über Gigs promotet hat ?

Ich glaube nicht, dass sie hier in Deutschland gespielt haben. Ich glaube, in erster Linie haben sie ein paar Shows in Kanada absolviert.

Wie waren denn die bisherigen Reaktionen in Worpswede und den Niederlanden ?

Sehr gut ! Ich denke, es gab ein paar Leute, die 3 oder 4 Songs brauchten, um sich an die neue Stimme zu gewöhnen und danach haben sie applaudiert wie bei jedem Konzert in der Vergangenheit. Da war wirklich kein Unterschied zu spüren.
Aber mir ist schon klar, dass auch einige Fans Zeit brauchen werden, bis sie Rob als die neue Stimme von SAGA akzeptiert haben werden.

Welches sind denn deine Lieblingssongs von SAGA ?

Von der neuen Platte ?

Nö, durchaus aus eurem gesamten Repertoire.

Hmmm, schwer, vielleicht Scratching The Surface.

Magst du bei dem Song eigentlich lieber die Acousticversion, die ihr in den letzten Jahren ja immer live gebracht habt, oder das Original ?

Ich mag die Acousticversion sehr, aber wir haben das jetzt bei den letzten beiden Tourneen so gemacht. Da war es mal wieder an der Zeit, die Originalversion zu spielen.

Welchen Song würdest du heute abend gerne spielen, der aber nicht auf der Setlist steht ?

Corkentellis ! Den werden wir sicherlich auch nochmal auf der Tour spielen. Allerdings müssen wir ihn wohl noch ein- oder zweimal proben, bevor wir ihn live bringen können.

Gibt es denn diesmal Überraschungen ? Ihr habt auf den letzten Tourneen ja auch immer mal einen alten Song gespielt, der eigentlich nicht zum üblichen Liverepertoire gehört, z.B. See Them Smile oder What's It Gonna Be.

Diesmal wollen wir eigentlich mehr neuere Sachen vom letzten Alben und den Platten davor spielen. Natürlich wird es aber auch die Classics wie Don't Be Late geben.

... ist vielleicht auch Rob gegenüber die fairere Variante ...

Michael hat ja auf den Konzerten auch eine Menge Keyboards gespielt und teilweise den Bass bedient. Musstet ihr die Klassiker jetzt für die neue Livesituation ein wenig umarrangieren ?


Ein kleines bisschen, aber nicht viel. Das war wirklich weit weniger problematisch als man zunächst meinen könnte. Außerdem gibt es heutzutage auch Technologien, die bei solchen Problemen unterstützen.

Mit wem würdest Du gerne mal zusammen auf einer Bühne stehen ?

Hmm ..... Beethoven, Mozart, Bartók und Strawinsky, ha ha !

... ah, man erkennt also den großen Klassik-Fan ...

Ja, damit bin ich aufgewachsen und das ist auch das, was ich später studiert habe.

... was man auch aus deinen Piano-Soli heraushört ...

Ja, sicherlich, aber bei dieser Tour wird es keine Soli von mir geben.

Die Tour geht ja jetzt noch bis Ende Mai. Dann wird es ein paar Gigs im Juni und September geben. Wie werdet ihr euch denn den Rest der Zeit in diesem Jahr vertreiben ?

Nach der Tour haben wir erst einmal einen Monat, um uns davon wieder zu erholen, ha ha. Da werde ich erst einmal campen gehen.
Dann kommen wir für vier Festivals wieder über den Teich. Eins in Bulgarien, eins in Rumänien und zwei in Deutschland.
In Nordamerika haben wir jetzt auch ein neues Management. Die bereiten derzeit auch eine Menge vor. Derzeit stehen drei bis vier Gigs in Kanada und da werden noch eine ganze Reihe weitere folgen.

Dann erst einmal viel Glück für den Gig heute abend hier in Hamburg, Jim. Und noch einmal danke für das Interview.

 

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