Joanne Shaw Taylor

Almost Always Never


CD-Review

Reviewdatum: 15.09.2012
Jahr: 2012
Stil: Blues, Rock, Soul

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Redakteur(e):

Epi Schmidt


Joanne Shaw Taylor
Almost Always Never, Ruf Records, 2012
Joanne Shaw TaylorVocals, Guitar, Gordon
David GarzaPiano, Wurlitzer, Hammond, Mandolin, Gordon
Billy WhiteBass, Acoustic Slide
J. J. JohnsonDrums
Produziert von: Mike McCarthy Länge: 64 Min 33 Sek Medium: CD
01. Soul Station07. Almost Always Never
02. Beautifully Broken08. Tied & Bound
03. You Should Stay, I Should Go09. A Hand In Love
04. Piece Of The Sky10. Standing To Fall
05. Army Of One11. Maybe Tomorrow
06. Jealousy12. Lose Myself To Loving You

Die Mädels sind doch alle gleich: Erst greifen sie sich eine Gitarre, lernen darauf den Blues zu spielen mit einer Leidenschaft, als wollten sie den alten Blues-Men Konkurrenz machen und dass man nur schaut, aber denkt, na, wenigstens gesanglich wird’s für so ein weißes Girl schwer. Ja, und als nächstes beginnen sie ihr jugendliches Organ in Richtung Soul-Röhre zu entwickeln, als wäre da Blutdoping im Spiel! Vornehmlich aus dem Stall von RUF-Records sind da so junge Girls unterwegs. Mögen sie Fish, Wilde oder Lyytinen heißen. Allerdings wurden andernorts auch schon welche gesichtet.
Mrs. Taylor ist da jedenfalls keinen Deut besser. Was die - mittlerweile mehrfach ausgezeichnete - Britin an der Gitarre los hat, davon konnte man sich spätestens auf ihrem letzten Album Diamonds In The Dirt überzeugen und jenes Album möchte ich allen Blues-Fans nochmal dringend ans Herz legen. Was da für Gitarren-Gewitter drauf sind, erinnert teilweise sogar an Neil Young.

Auf ihrem neuen Album legt sie deutlich mehr Gewicht auf den Gesang, ohne ihre Gitarre weit zurückzudrängen. Bereits der Titel des ersten Songs, Soul Station, verdeutlicht, dass ein größerer Schuss "Soul" - sprich Gefühl und Passion - in ihre Musik geflossen ist. Jener Opener kommt leicht funky daher und sorgt für erste Zuckungen im Muskelapparat, birgt aber auch eine fette, schreiende Lead-Gitarre.
Am auffälligsten ist eindeutig der soulige Gesang von Mrs. Taylor. Da hat sie offenbar sehr dran gearbeitet. Das setzt sich im folgenden, etwas lockereren Beautifully Broken fort. Wenn es im Blues-Bereich Singleauskopplungen gäbe, würde sich der Song schon anbieten. Direkt chart-tauglich erscheint mir You Should Stay, I Should Go. Wahnsinn, welch toller Gesang und welch tolle Atmosphäre hier geschaffen wird. Ansteckender Rhythmus, sanft unterfütternde Hammond und hell aufleuchtende Solo-Gitarre. Spätestens hier rutscht man vom Barhocker Richtung Tanzfläche. Joanne Shaw Taylor weiß offenbar, dass sie es gar nicht nötig hat, sich über ihr eh schon ausgereiftes Gitarrenspiel zu profilieren, sondern legt noch mehr Wert auf ihr Songwriting und eben den Gesang. Sehr schön zu hören, in der southern-infizierten Midtempo-Ballade Piece Of The Sky. Man könnte fast meinen, Gitarristin und Sängerin wären zwei verschiedene Personen, so wie die sich gegenseitig pushen.
Keine Sorge, ihre Blues-Wurzeln verlässt Joanne nicht und bringt mit Army Of One einen herrlich hypnotisch-vibrienden Delta-Blues-Beweis dafür. Ein weiterer Titel, der einem unwillkürlich im Gehörgang festhängt.

Den Schritt, den Joanne vielleicht voraus ist, ist der, dass wenn woanders noch experimentiert und ausprobiert wird, sie schon eine klare Linie verfolgt. Das greift ineinander, hat Hand und Fuß und scheint genauso gemeint zu sein. Auch die kraftvolle und intensive Ballade Jealousy greift da nahtlos ein. Hier bricht denn auch eines jener, vorhin angesprochenen, Gitarren-Gewitter über den Hörer herein, auf die ich mich im Vorfeld der kommenden BLUES CARAVAN-Tour bereits freue, denn dann ist Joanne - nach 2009 - und diesmal mit u.a. Jimmy Bowskill wieder mit bei der "Karawane".
Der Titelsong geht wieder mit mehr in die Soul/R&B-Ecke, ohne glatt oder gar seicht zu werden. Das Feuer brennt auch hier. Und lodert im Hammond-bereicherten Tied & Bound so auf, dass sich Freunde des Southern-/Jam-Rock die Hände reiben werden. Könnte ich mir auch gut im Programm von Warren Haynes vorstellen, wobei das hier sogar fast erfrischender klingt.
Noch ein Anspiel-/Ohrwurm-Tipp? Bitteschön: A Hand In Love. Wenn das kein Hit wird, dann weiß ich nicht. Ist mehr was zum Mitwippen, aber mit herrlichem Drive und genau die Art von Musik, die einen jederzeit gut drauf bringt.
Und das passt eigentlich für das komplette Album. Wer's heftiger braucht, reißt beim rauen Standing To Fall die Lautstärke auf und rockt heftig und mit nickendem Kopf ab und wer lieber zu einer Southern-Soul-Ballade den Gedanken nachhängt, der ist mit dem finalen Lose Myself To Loving You bestens bedient.
Zweifelsohne hat sich Joanne Shaw Taylor mit "Always Almost Never" ein weiteres Mal gesteigert und sich einen Status "erspielt", der sie schon fast zur Gallionsfigur des anhaltenden Blues-Booms der jungen Garde macht. Live wie auf CD zu empfehlen.

Epi Schmidt, 07.09.2012

 

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