Joanne Shaw Taylor

Diamonds In The Dirt


CD-Review

Reviewdatum: 10.11.2010
Jahr: 2010
Stil: Blues Rock

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Redakteur(e):

Epi Schmidt


Joanne Shaw Taylor
Diamonds In The Dirt, RUF Records, 2010
Joanne Shaw TaylorVocals, Guitars
Steve PottsDrums
Dave SmithBass
Rick SteffKeyboards
Produziert von: Jim Gaines Länge: 45 Min 23 Sek Medium: CD
01. Can't Keep Living Like This06. Diamonds In The Dirt
02. Dead And Gone07. Let It Burn
03. Same As It Never Was08. World On Fire
04. Jump That Train09. Lord Have Mercy
05. Who Do You Love?10. The World And It's Way

Nein, man will ihr diese Stimme eigentlich nicht zugestehen, diesem blonden Fräulein, das gerade mal sein zweites Album veröffentlicht hat. Dabei hatte uns Miss Joanne Shaw Taylor bereits mit ihrem Debütalbum beeindruckt und ihre hervorragende (Blues-) Stimme hat ihre bereits den Titel "Female Vocalist Of The Year 2010" eingebracht. Zwar "nur" den der britischen Blues Awards, aber was sich auf der Insel in den letzten Jahren an hervorragenden Bluesinterpreten entwickelt hat, ist schon beachtlich. Einige davon findet man, wenn man auf der Homepage von RUF Records herumstöbert.
Wie gesagt, ist die Stimme von Miss Taylor von besonderer Güte und ein bloßer Hörer würde da mindestens eine Amerikanerin dunkler Hautfarbe vermuten. Mittlerweile ist das Mädel nach Detroit umgezogen und die etwas rauere Gangart auf ihrem aktuellen Album begründet sie mit dem entsprechenden Umfeld dort.
Tatsächlich lullt sie uns, zu Beginn von , mit einem fast gospelmäßigen, atmosphärischen Intro ein, welches aber bald Fahrt aufnimmt und von ihrer sachte brodelnden Stimme behutsam vorangetrieben wird und von ihrer Gitarre weiteres Feuer bekommt. Produzentenlegende Jim Gaines hat hier wieder beste Arbeit geleistet und die dynamische Nummer gipfelt schließlich in einem Blues-Gewitter von nahezu Zeppelinesquen Ausuferungen. Kommt schon gleich zu Beginn richtig geil!
Ja, es ist nicht nur die Stimme, sondern auch die Fähigkeit und Lust, sich an der Gitarre richtig auszutoben, was mich an diesem Mädel so fasziniert.
Recht traditionell gezupft, kommt der Delta-Blues von Dead And Gone, wird aber gleichfalls bald von einer heftig blues-rockenden Gitarre ergänzt, bzw. abgelöst. Dazu diese enorm powervolle, erdige Stimme. Auch hier bricht bald wieder Orkan los und reißt den Hörer bedingungslos mit sich.
Es geht aber tatsächlich auch etwas geruhsamer, wie Same As It Never Was zeigt, und wo sich Joanne melodiöser, eingängiger gibt. Gleichzeitig aber den Anschein erweckt, als könnte sie ihre Stimme nur schwer in diesem balladesken Gewand zurückhalten. Nachdem das Lied kurz verklingt, legt Joanne zumindest an der Gitarre noch einmal nach.

Heftiger, dreckiger, die "Diamanten im Staub" suchend, wird es wieder mit dem treibenden Jump That Train, welches mich an die frühen ZZ TOP erinnert. Entsprechend zieht Joanne Shaw Taylor hier vom Leder, dass es eine wahre Freude ist! Das live und die Bühne steht in Flammen!
Und auch das etwas funkige Who Do You Love? - nein, eine Eigenkompositon - steckt voller Energie, wie mit purem Adrenalin angefüllt.
Der sanftere Titelsong, wummert langsam vor sich hin, wie ein gemütlicher 12-Zylinder, im Prinzip ruhig, aber man spürt stets, welcher Vulkan unter der Oberfläche in Wartestellung ist. Einer Tina Turner hätte so einer Nummer zum Single-Hit gereicht. Miss Taylor muss sich da noch ein klein wenig gedulden.
Geduld für eine weitere Ballade hat sie jetzt nicht und so schiebt sie das SRV-mäßige Let It Burn im Shuffle-Rhythmus hinterher und hat so die Basis, um an der E-Gitarre wieder richtig loszulegen. Das Girl hat echt alles: eine Wahnsinns-Stimme, eine schneidend explosive E-Gitarre und die passenden Songs als "Transportmittel". Bei vielen Kolleginnen muss man auf der einen oder anderen Seite Abstriche machen, aber Joanne ist schlichtweg in jeder Hinsicht richtig klasse!
World On Fire, ja, das könnte durchaus ein Tourmotto für die Künstlerin sein, auch wenn sie es bei diesem Song wieder etwas gezügelter angehen lässt. Klingt für mich in etwa so, wie Rob Tognoni, wenn der mal nicht gerade auf Boogie-Höllenfahrt ist.

Schwer groovend, mit einem heavy Sound stampft Lord Have Mercy hinterher. Allerfeinster Blues-Rock, der geradezu nach einer Bühne schreit.
Zum Schluss lässt es Joanne Shaw Taylor doch noch mal sanfter angehen. Eine schöne Orgel untermalt die melancholische, leicht jazzige, Blues-Ballade The World And It's Way. Gerade recht, um dieses Album bei einem Glas genießerisch ausklingen zu lassen. Ich war schon gespannt, aber diese "Diamanten" übertreffen meine Erwartungen und sorgen dafür, dass dieses Album noch häufig in meinem Player landen wird und ich bei der Tour im kommenden Jahr ganz weit vorne vor der Bühne stehen werde.
Ich will jetzt verdienten Blues-Künstlerinnen, wie, sagen wir Sue Foley nicht zu nahe treten, aber, meine Damen, hier müsst ihr euch mit messen.

Epi Schmidt, 06.11.2010

 

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