Joanne Shaw Taylor

White Sugar


CD-Review

Reviewdatum: 25.12.2008
Jahr: 2008

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Redakteur(e):

Epi Schmidt


White Sugar, Ruf Records, 2008
Joanne Shaw TaylorGuitars and Vocals
David SmithBass Guitar
Steve PottsDrums
Vicky & HeatherBacking Vocals on Who Do You Want Me To Be?
Produziert von: Jim Gaines Länge: 51 Min 46 Sek Medium: CD
01. Going Home06. White Sugar
02. Just Another Word07. Kiss The Ground Goodbye
03. Bones08. Heavy Heart
04. Who Do You Want Me To Be?09. Watch 'Em Burn
05. Time Has Come10. Blackest Day

"Another boring romantic, that's me" singt John Mellencamp in Small Town, und jedes Mal denke ich mir: ich auch! Vielleicht gefallen mir deswegen die CD-Scheiben aus dem Hause Ruf Records so gut. Weil sie aussehen wie die alten 7-Zöller Vinyl-Singles. Schwarz, oben und unten, mit täuschend echtem "Papierlabel". Da bekommt man doch schon ein anderes Feeling, wenn man so etwas aus der Hülle nimmt. Nicht dass die Verpackung jetzt so schlecht wäre ...
Da grinst einen nämlich - lausbübisch - eine, ganz offensichtlich nicht von afroamerikanischer Abstammung, junge Lady an. Und sie weiß schon, warum sie so schaut, denn da wird uns erneut eine Künstlerin präsentiert, hinter deren Fassade mehr steckt, als man vermuten würde. Wir kennen das ja schon aus dem Hause Ruf. Noch ist mir Gitarre und Stimme von Dani Wilde bestens im Ohr. Die neueste Entdeckung heißt Joanne Shaw Taylor und ist gerade mal 22 Jahre alt. Was ja bei diesen jungen britischen Girls mittlerweile nichts mehr heißen muss, zumal Joanne schon auf 8 Jahre (!) Banderfahrung bauen kann. Bereits mit 17 spielte sie mit Dave Stewart und Candy Duffer in der Band D.U.P.
Ihre Liebe gehört aber dem Blues und bald werden wir sie folgerichtig mit dem BLUES CARAVAN durch deutsche Lande ziehen sehen. Zusammen mit Erja Lyytinen und Oli Brown. Letzterer ebenfalls ein aufsehenerregender Neuzugang bei Ruf Records.

Die dunkle Stimme hat einen gehörigen Anteil Sexappeal und der groovende Delta-Blues spricht ebenfalls umgehend an. So bringt Going Home gleich Stimmung rein. Dazu ein erdiger Sound ohne unnötige Übersteuerung - das ist schon die halbe Miete. Dazu kann Joanne zwischenzeitlich immer mal eine Schippe drauflegen, ohne gleich abzuheben. Feiner Einstieg, der auch manchen Club zum Schwitzen bringen dürfte.
Mit Just Another Word zeigt sie aber auch gleich, dass sie auch einem eingängigeren, nahezu poppigen, Stil nicht gänzlich abgeneigt ist und auch gern mal soulig dahingroovt. Mit so einer angenehmen und trotzdem gehaltvollen Stimme stört das auch keineswegs und geht gleich in die Beine. Die-Hard Blueser werden damit mehr Problem haben, als mit dem folgenden Blues-Boogie Bones. Ist die einzige nicht von ihr verfasste Nummer, kommt aber richtig klasse. Texas-Boogie-Rock, der genau die Mitte zwischen Dirt und Chartverdächtig trifft. Gekrönt von einem herrlich klingenden Gitarrensolo.
Das treibende Who Do You Want Me To Be? wirft ein paar Scheite ins Feuer und die Einflüsse von SRV - und somit auch Hendrix - werden deutlich. Dabei übertreibt es Joanne, trotz deutlicher Anlagen, nie mit der Fingerfertigkeit. Eine gewisse Hitzköpfigkeit stellt man ja oft bei so jungen Akteuren fest - und sie sei ihnen gegönnt - aber dieses Girl geht schon richtig und wohltuend abgeklärt zu Werke.
Dabei ist aber nix von banalem "Hin-gespiele" zu merken und selbst ein Slow-Blues wie Time Has Come hält den Hörer bei der Stange. Wiederum toll gesungen und hervorragend instrumentiert. Da hat natürlich die Rhythmusgruppe ihren Anteil daran, auch wenn hier völlig klar ist, wer die Chefin im Ring ist.

Mit dem Titelsong geht's erneut ab in den amerikanischen Süden, zwischen Mississippi und Texas. Der leicht vertrackte Rhythmus sperrt sich etwas gegen das lockere Mitwippen, aber die SRV-Wurzeln in diesem Instrumental sind so deutlich wie unterhaltsam. Die hat also schon was los, die Kleine. Hier darf sie ordentlich vom Leder ziehen.
Auf der Suche nach dem "Winterhit", der einen durch die dunkle, kalte Jahreszeit bringt? Kiss The Ground Goodbye, mit seinem funky Groove, dem melodiösen, eingängigen Gesang und den auftrumpfenden Gitarrenriffs und -soli dürfte den Job erledigen. Erinnert mich stark an Leute wie Lance Keltner. Geil! Und mit Sicherheit auch sommertauglich
Wenn Joanne Shaw Taylor von einem Heavy Heart singt, dann bricht deswegen nicht die Düsterstimmung aus. Allenfalls etwas Melancholie, schwingt in dem souligen Song mit, der sofort Finger und Fußspitzen in Bewegung bringt und den Kopf sich verträumt hin und her drehen lässt. Ja, die STONES klangen, Mitte der Siebziger, gar ähnlich, mussten sich allerdings für solche Wah-Wah-Soli für gewöhnlich jemanden engagieren.
Für den Ausruf "Texas-Blues!", braucht man bei Watch 'Em Burn keine zwei Sekunden. Diese Art von Heavy-Groove-Blues hat noch nie ihre Wirkung verfehlt. Schon gar nicht, wenn ohne Mätzchen gespielt und von so einer kompetenten Stimme gesungen.
Die glänzt denn auch noch mal beim "Rausschmeißer" Blackest Day. Nochmal was Langsames, bei dem Joannes Stimme zwischen lasziv und cool pendelt, sich die angestauten Emotionen aber schließlich in einem aufschreienden Gitarrensolo Bahn brechen. Richtig klasse!
Mit Joanne Shaw Taylor gibt es eine weitere Mitspielerin, im weiblichen Blues-Team, auf die man künftig bei Konzerten aufmerksam werden wird und deren Veröffentlichungen man herbei sehnen wird. Und das beileibe nicht nur in Blues-Kreisen. Da vertausche ich gern mal meinen braunen Zucker mit diesem "White Sugar".

Epi Schmidt, 25.12.2008

 

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