Joe Bonamassa

A New Day Now

( English translation by Google Translation by Google )

CD-Review

Reviewdatum: 09.08.2020
Jahr: 2020
Stil: Blues
Spiellänge: 73:30
Produzent: Tom Dowd (Original) & Kevin Shirley (Remix)

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Plattenfirma: Mascot Label Group

Promotion: Another Dimension


Redakteur(e):

Marc Langels


s. weitere Künstler zum Review:

Rory Gallagher

Jethro Tull

Led Zeppelin

Titel
01. Cradle Rock
02. Walk In My Shadow
03. A New Day Yesterday
04. I Know Where I Belong
05. Miss You Hate You
06. Nuthin I Wouldn‘t Do (For A Woman Like You)
07. Colour And Shape
08. Headaches To Heartbreaks
 
09. Trouble Waiting
10. If Heartaches Were Nickels
11. Current Situation
12. Don‘t Burn Down That Bridge
13. Hey Mona
14. I Want You
15. Line Of Denial
Musiker Instrument
Joe Bonamassa Gesang & Gitarre
Tony Cintron Schlagzeug
Creamo Liss Bass
Gastmusiker:
Dave Borden Keyboards (Headaches To Heartbreaks)
Rick Derringer Gesang & Gitarre (Nuthin‘ I Wouldn‘t Do(For A Woman Like You))
Kevin McKendree Orgel (If Heartaches Were Nickels)
Mahalia Barnes, Jade McRae & Juanita Tippins Gesang (Miss You, Hate You)
Len Bonamassa Gitarre (Trouble Waiting)

Als vor 20 Jahren das Debüt-Album “A New Day Yesterday“ von Joe Bonamassa erschien, da war wohl noch nicht abzusehen, in welchem Tempo sich das Wunderkind des Blues, der ja im Alter von 12 Jahren schon mit B. B. King aufgetreten war,  in den folgenden Jahren bis an die Spitze der Szene vorarbeiten würde. Aber erst kürzlich wurde er vom Magazin Guitar World zum „besten Blues-Gitarristen der Welt“ gekürt. Und noch bevor etwas später im Jahr das neue Studio-Album erscheint hat es sich Bonamassa nicht nehmen lassen, die musikalische Uhr noch einmal eben jene 20 Jahre zurückzudrehen und sein Erstlingswerk in neuem Glanz erneut aufzulegen. Das bedeutet, dass die Scheibe noch einmal remixt, remastered aber auch neu eingesungen wurde, denn das ist wohl der Bereich, in dem Bonamassa in den vergangenen Jahren die größten Fortschritte gemacht hat.

Aber nicht nur gesanglich sondern auch musikalisch ist “A New Day Now“ (so heißt die Neuauflage, um sich auch im Titel etwas vom Original abzuheben) weit entfernt von dem Hochglanz-Blues, für den Bonamassa spätestens seit “Sloe Gin“ aus dem Jahr 2007 steht. Hier hören wir einen jungen Mann voller Sturm und Drang, der seine Musik voller ungezügelter Leidenschaft präsentiert. Das macht er schon gleich im Opener deutlich, einer furiosen Cover-Version von Rory Gallaghers Cradle Rock.

(Foto: Robert Sutton)

Das anschließende Walk In My Shadow stammt im Original von FREE, wobei die Version hier sich schon auch deutliche Freiheiten herausnimmt und somit einen eigenen Charakter erhält. Ähnlich verhält es sich mit dem darauf folgenden JETHRO TULL-Cover A New Day Yesterday, das hier schon mit einer ordentlich hart rockenden Schlagseite à la LED ZEPPELIN dargeboten wird. Kaum wiederzuerkennen ist auch die Al Kooper-Komposition Nuthin‘ I Wouldn‘t Do (For A Woman Like You). Der „Pop-Flair“ des Originals (bei dem ja eigentlich nur die verzerrte Mundharmonika ein wenig an Blues erinnert) wird wirklich weggefegt - und den Gesang teilt sich Bonamassa ebenso wie die Solo-Arbeit mit Rick Derringer.

Für das Original hatte Bonamassa neben den insgesamt sechs Cover-Versionen auch noch sechs eigene Songs wie I Know Where I Belong oder Miss You, Hate You sowie Colour And Shape eingespielt, die sich sehr gut mit den Covern ergänzen. Aufgenommen wurde das Ganze damals in einer Power-Trio-Besetzung mit dem New Yorker Schlagzeuger Tony Cintron (der unter anderem auch mit Dizzy Gillespie, Jan Hammer oder George Benson aufgenommen hat) sowie dem weniger bekannten Bassist Creamo Liss. Zusammen entsteht hier wirklich eine Menge Power, die das Album auch nach 20 Jahren noch frisch und spannend klingen lässt. Dabei steht natürlich insbesondere die Gitarren-Arbeit im Vordergrund des Interesses, die ja zu Beginn für den Ruf des Wunderkindes gesorgt hatte und ihn eben mittlerweile zu einem der erfolgreichsten Blues Künstler gemacht hat. Und es lohnt sich wirklich, die Soli von etwa Miss You Hate You oder Colour And Shape

Produzent Kevin Shirley sagte zu der Entscheidung für die Neuaufnahmen: “Im Laufe der letzten Jahre hat sich insbesondere Joe’s Gesangsstil enorm verändert. Er hat sich von einem jugendlichen Shouter zu einem sehr reifen und gefühlvollen Sänger entwickelt. Irgendwann sagte mir Joe mal, das er die Vocals für “A New Day Yesterday“ gerne neu einsingen würde und fragte mich, ob ich wenn es soweit wäre auch gerne einen Remix des Albums machen würde.” Aber bei der Arbeit hatte Shirley dann doch einige Probleme, weil manches Mal die Multi-Tracks verloren gegangen waren und daher mit den Basis- oder Demo-Aufnahmen gearbeitet werden musste. So hat Bonamassa nicht nur bei Headaches To Heartbreaks die Solo-Gitarre komplett neu eingespielt, weil die alten Spuren nicht auffindbar waren.

Das betrifft unter anderem auch die Gast-Auftritte vom Original-Album. Bei If Heartaches Were Nickels fehlten zum Beispiel die Gesangs- und Gitarrenspuren von MOUNTAIN-Frontmann Leslie West, so dass Bonamassa den Gesang sowie das Solo komplett in Eigenregie übernahm. Und auch die Hammond-Orgel-Aufnahmen von Gregg Allman waren nicht mehr auffindbar. Daher musste Kevin McKendree einspringen und die Sounds noch einmal neu aufnehmen. Dadurch ergeben sich natürlich schon deutliche Unterschiede zwischen den neuen Versionen und den Original-Aufnahmen. Und mancher Fan wird deshalb wohl auch die Original-Scheibe der Neu-Auflage vorziehen.

Bonamassa erzählt über die damaligen Aufnahmen (aus heutiger Sicht): “Ich hatte damals nicht das Gefühl einen so talentierten Produzenten wie Tom Dowd verdient zu haben. Ich war noch ein Kind, aber Tom sah in mir diesen kleinen Kieselstein in einem Bach, der nach unten wandern und schließlich zu diesem Goldklumpen werden könnte. Er hatte diese Vision für mich, die ich damals aber nicht sah. Heute weiß ich das sehr zu schätzen, dass er sich meiner annahm, und wollte ihm nun als Mann Tribut zollen. Tom Down war ein Meister in allem was er anstrebte. Es gab bei seiner Arbeit keine Kompromisse und ich war damals als Musiker noch lange nicht auf seinem Niveau. Ich hab damals alles gegeben was in mir steckte, und tue das heute noch. Ich denke das hat mich zu dem Musiker gemacht der ich heute bin und zu dem Künstler, den Tom schon damals in mir gesehen hat. Ich entschied mich für die Neuauflage einen anderen Produzenten und Mentor, der mein Leben persönlich wie auch beruflich erheblich beeinflusst hat, zu nehmen. Ich spreche von Kevin Shirley, der mir half das Album zu remixen und meinen Gesang neu aufzunehmen, um Tom schließlich Tribut zu zollen. [...] Wir haben für diese Wiederveröffentlichung zusätzlich ein paar grobe Demoaufnahmen genommen, die ich als Teenager in der 75 Campbell Avenue einspielte.“ Shirley bemerkt außerdem: „Zu diesem Album gehören drei Bonustracks, die Stevie van Zandt für Joe produzierte. Sie sind ein großartiger Einblick darauf, woher Joe kam, wonach er suchte und wie er sich im Laufe der Jahre entwickelt hat.“

Diese Tracks zeigen dann eine fast etwas dem Alternative Rock zugewandte Seite an Bonamassa, die man so von dem aufstrebenden Musiker nicht kannte. Das passt musikalisch zwar eigentlich auch nicht wirklich zum restlichen Material, es dürfte aber als Bonus (und mehr sind die drei Songs Hey Mona, I Want You und Line Of Denial eigentlich ja auch nicht) für die Fans interessant, die wirklich alles von Bonamassa hören wollen. Dabei sind die Songs aver keineswegs schlecht sondern zeigen, dass sich Bonamassa vielleicht auch in eine andere musikalische Richtung hätte entwickeln können.

“A New Day Now“ ist ein feiner Rückblick auf die Anfänge von Bonamassas Karriere. Der etwas bessere Gesang sowie der noch einmal optimierte Sound der Scheibe und die neu eingespielten Parts der Songs sind sicherlich Kauf-Anreize (insbesondere für hartgesottene Bonamassa-Fans) ebenso wie die bisher unbekannten Demo-Aufnahmen. Aber das neue Werk ist – aus den weiter oben aufgeführten Gründen wie weggefallenen Gast-Auftritten und nicht mehr auffindbaren Original-Tracks – kein Ersatz für das Original, sondern einfach eine Neu-Betrachtung des damaligen Albums. Und damit ist “A New Day Now“ eine gute Überbrückung bis zur nächsten regulären Scheibe, “Royal Tea“, die im Oktober erscheinen wird.

 

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