Joe Louis Walker

Viva Las Vegas Live


CD-Review

Reviewdatum: 15.07.2019
Jahr: 2019
Stil: Blues
Spiellänge: 79:57
Produzent: Brian Perera

Links:

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Plattenfirma: Cleopatra Blues


Redakteur(e):

Epi Schmidt


s. weitere Künstler zum Review:

Muddy Waters

John Lee Hooker

Peter Green

Fleetwood Mac

Titel
01. I‘m Not Messing Around
02. Young Girls Blues
03. Sugar Mama
04. Do You Love Me?
05. In The Morning
 
06. Soldier For Jesus
07. You Don‘t Love Me Girl
08. Black & Blue
09. Too Drunk To Drive Drunk
10. Like It This Way
Musiker Instrument
Joe Louis Walker Lead Vocals & Guitar
Bruce Bears Piano, Organ & Vocals
Lenny Bradford Bass & Vocals
Dorian Randolph Drums & Vocals

Im Dezember wird Joe Louis Walker 70 Jahre alt. Da hat er sich – und uns – doch mit diesem Album das passende Geburtstagsgeschenk vorher genommen. Aufgenommen am 2. August 2018 in, der Titel verrät es schon: Las Vegas.

Walker steht nun nicht in der ersten Reihe der Blues-Ikonen, wie Muddy Waters, John Lee Hooker, etc., aber vom Blues versteht er weiß Gott genug. Genug, dass es ihn Mitte der 1970er Jahre zu viel wurde und er für das nächste Jahrzehnt sich dem Gospel widmete. Songs, wie Soldier For Jesus erinnern noch an diese Jahre. Mitte der 80er entdeckte er seine Liebe zum Blues jedoch neu und ist ihr seit der Zeit treu geblieben. Etliche Alben sind seit der Zeit erschienen, aber das letzte Live-Album liegt doch eine Weile zurück. Zeit also, für dieses CD + DVD-Package.

Als echter Blueser weiß Walker natürlich um den Young Girls Blues, kennt die Sugar Mama, weiß, was In The Morning los ist und kann die Frage Do You Love Me? selbst mit You Don‘t Love Me beantworten. Die Themen sind also klar. Wir widmen uns gleich mal der DVD, denn da will man natürlich Augenzeuge sein. Die tolle Bildqualität spiegelt die Technik der Zeit wider und da wundert man sich gleich über den vitalen Herrn in der Bühnenmitte. Wie ein fast 70-jähriger sieht der wahrlich nicht aus. Okay, zu dem Zeitpunkt jugendliche 68 Jahre alt, aber da ist auf jeden Fall einer energiegeladen.

I‘m Not Messin‘ Around heißt die Eröffnungsnummer und auch wenn Walker mit dem Titel klar macht, dass er nicht mit sich spaßen lässt, hat er auf jeden Fall Spaß an expressiven Gitarrensoli. Seine Band liefert ihm hierfür den perfekten Spielplatz. Ob Lenny Bradford am Bass, Dorian Randolph am Schlagzeug, oder – und das besonders – Bruce Bears an Piano und Orgel, das groovt wie die Hölle. Das kommt in Verbindung mit dem sehr puristischen Sound richtig gut und ist einem 12-Bar-Boogie, wie dem Young Girls Blues natürlich absolut dienlich. Hier haut Bears ordentlich und wieselflink in die Tasten und erntet nicht nur vom Chef Zuspruch.

Kleine Ansagen sorgen für Auflockerung und wissend lächelnde Gesichter im Publikum. Da darf auch ein nahezu “gehauchter“ Blues, wie Sugar Mama schon an dritter Stelle kommen. Trotz verhaltener Lautstärke, trumpft Walker hier als Gitarrist ordentlich auf. Da flitzen die Finger und wird die Atmosphäre immer mehr angeheizt. Alle Achtung!

Natürlich wird#s im Songverlauf auch deutlich lauter/wilder.

Braucht ein Blues-Man Las Vegas? Kaum, aber Showman, der er auch ist, passt Joe Louis Walker hier durchaus hin. Da schnappt er sich einfach seine Blues-Harp und schlendert ins Publikum, um das – teilweise mit Handkuss – persönlich zu begrüßen.

Richtig gut gefällt mir das blues-rockende Do You Love Me? Geht gut ins Ohr und mit seinem prägnanten Riff kommt es auch sehr kernig rüber. Dazu legt Walker hier wieder ein tolles Solo hin. Rau und dreckig und rockig.

Bei In The Morning wird‘s mal wohltuend soulig, ohne dass es zu soft würde. Wundervolles Orgelsolo von Bruce Bears. Auch Soldier For Jesus hat jede Menge Soul und auch Gospel. Doch auch das wird nicht beliebig oder kuschelig. Dafür sorgt der Meister mit seiner rauen Slide-Gitarre schon selbst. Hier macht Zusehen und Zuhören gleichermaßen Spaß.

Das funkig-jazzige You Don‘t Love Me ist wohl die einzige Nummer, die mich nicht direkt anspricht, aber wie übelich ist so etwas Geschmackssache und wer im Konzert war, der hat hier sicher freudig mitgetanzt.

Leute, die so eine Zemaitis-Gitarre spielen, sind eigentlich eher selten und es spricht für ihren Geschmack. Vor allem, was den Sound angeht. Aber natürlich auch, was die Optik der Gitarre angeht. Walker ist jedenfalls von beidem inspiriert und lässt sich in Black & Blue  da schonmal zu längeren Solo-Ausflügen verleiten. Vielleicht ein wenig überzogen, doch er kriegt die Kurve rechtzeitig. Show muss ja auch sein, zumal in Vegas.

Den Song, den der Albumtitel suggeriert, erspart er uns zum Glück. Derjenige, der Too Drunk To Drive Drunk ist, ist der Sänger nicht selber, aber er kennt ihn natürlich und hat die Geschichte als flotten Boogie für uns parat. Das ist dann nicht mehr so tiefschürfend, sondern geht mehr Richtung Partystimmung. Und wir nähern uns ja auch dem Ende. In meinem Ansehen steigt Joe Louis Walker mit dem letzten Titel noch um einiges, denn er erinnert und widmet Like It This Way Danny Kirwan und Peter Green und würdigt deren einstige Band FLEETWOOD MAC mit großen Worten. In diesem Schlusslauf darf natürlich jedes Bandmitglied nochmal brillieren, bevor die Show unter Applaus endet. Der auch von mir gespendet wird.

 

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