John Fogerty

Revival


CD-Review

Reviewdatum: 31.10.2007
Jahr: 2007

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Redakteur(e):

Jürgen Ruland


Revival, Concord Music Group, Inc., 2007
John Fogerty Vocals, Guitar
Hunter Perrin Guitar
David Santos Bass
Kenny Aronoff Drums, Percussion
Benmont Tench Hammond B-3 Organ, Wurlitzer Electric Piano
Julia, Maxine & Oren Waters Background Vocals
Produziert von: John Fogerty Länge: 40 Min 51 Sek Medium: CD
1. Don't You Wish It Was True (4:10)7. Summer Of Love (3:20)
2. Gunslinger (3:31)8. Natural Thing (4:01)
3. Creedence Song (3:49)9. It Ain't Right (1:50)
4. Broken Down Cowboy (3:52)10. I Can't Take It No More (1:39)
5. River Is Waiting (3:23)11. Somebody Help Me (4:28)
6. Long Dark Night (3:08)12. Longshot (3:36)

35 Jahre nach dem Split von CREEDENCE CLEARWATER REVIVAL und einem über viele Jahre währendem Rechtsstreit mit seiner alten Plattenfirma "Fantasy" folgte letztlich die Rückkehr zum alten Erfolgslabel. Die Compilation "The Long Road Home" (The Ultimate John Fogerty - CREEDENCE Collection; 2005) und erfolgreiche, häufig ausverkaufte Konzerte auch in Europa ließen die Hoffnungen auf ein Album "back to the roots" steigen. Mit "Revival" legt John Fogerty nun ein Werk vor, mit welchem wohl selbst mit größtem Optimismus gesegnete Fans kaum gerechnet haben dürften. Fogertys Solo-Alben, denen ein wechselhafter Erfolg beschieden war, hatten ihre kommerziellen Höhepunkte in "Centerfield" (1985) und dem mit einem "Grammy" ausgezeichnetem Longplayer "Blue Moon Swamp" (1997) gefunden. Zufall, dass ausgerechnet diese beiden Veröffentlichungen am vergleichsweise ehesten an seine alte Band erinnerten ?

Der ex- CCR-Mastermind, welcher sich einst jahrelang geweigert hatte, Songs seiner ehemaligen, mega-erfolgreichen Band live aufzuführen, scheint mit dieser düsteren Epoche längst und endgültig abgeschlossen zu haben und seinen Frieden gefunden zu haben. Zur Freude von Fogertys nach wie vor zahlreichen Anhängern weisen bereits der Album-Titel ("Revival"), der dritte Song (Creedence Song) und auch das Cover (Ähnlichkeiten mit jenem seiner ersten, damals völlig unterbewerteten Solo-LP "The Blue Ridge Rangers") auf die Rückkehr zum guten, alten CREEDENCE-Sound hin. Es entsteht der Eindruck, als würde "Revival" für eine wiedergefundene musikalische Kraft stehen, mit der John Fogerty an die besten Momente seiner Karriere anknüpfen kann.

Beim Hören der ersten drei Tracks von "Revival" fallen mir vom musikalischen Eindruck her spontan die Titel Lodi ("Green River", August 1969), Who'll Stop The Rain ("Cosmo's Factory, Juli 1970) und Green River (wiederum "Green River") ein. "I dreamed I walked in heaven, just the other night, there was so much beauty, so much light ...", Fogertys Wunsch, in einer "heilen" Welt leben zu dürfen, findet sich in einem magisch an den Sound von CREEDENCE CLEARWATER REVIVAL erinnernden Song wieder. Gunslinger erzählt in einfachen, bewegenden Worten von der immer weiter um sich greifenden Angst, auf die Straße zu gehen und dem Verstecken hinter verschlossenen Türen. Die Angst, seine Meinung sagen zu dürfen, wird mit dem Wunsch nach einem Revolverheld verbunden, der endlich wieder für Gerechtigkeit sorgt. Was auf den ersten Eindruck wie ein "Redneck"-Thema wirkt, ist vielerorts längst zur traurigen Realität geworden. Fogerty beweist hier wie auch schon vor beinahe vier Dekaden (Run Through The Jungle, "Cosmo's Factory; Juli 1970) sein Gespür für sich anbahnende, bedrohliche Gefahren.
Im Creedence Song werden einige kurze Episoden erzählt, an deren Ende stets die Aussage steht, daß man nichts falsch machen kann, wenn man ein wenig von einem CREEDENCE-Song spielt.

Als im Dezember '70 mit "Pendulum" die letzte von John Fogerty im Nachhinein als CCR-Platte bezeichnete LP erschien ("Mardi Gras" vom April 1972 steht mehr als Stückwerke einer in Solisten zerfallenen Band, siehe CCR-Story im HoR), fiel der vermehrte Einsatz einer B-3 Hammond Orgel auf. Inspiriert vom damaligen Sound der US-Band BOOKER T. & THE MGs widmete sich Fogerty zum Leidwesen vieler Fans verstärkt dem Tasteninstrument, statt wie gewohnt nahezu ausschließlich gitarrenlastiges Material aufzunehmen. Bei den Aufnahmen zu "Revival" hat diese Rolle der bei TOM PETTY & THE HEARTBREAKERS beschäftigte Benmont Tench übernommen, während Fogerty sich erfreulicherweise zur Sechssaitigen hin wendet, wenn auch teilweise zurückhaltend.

Das besinnliche River Is Waiting mit seinem Lead-Gesang in verschiedenen Tonlagen, Natural Thing vergleichsweise einen Zacken zulegend und das Richtung harten Blues tendierende Somebody Help Me besitzen das Flair der damaligen CCR-Phase. Long Dark Night mit seinem Rhythm'n'Blues-ähnlichen Tempo bedient die Freunde von CCR-Klassikern wie Before You Accuse Me oder Tombstone Shadow aufs Trefflichste, während Summer Of Love nicht nur von diesem erzählt, sondern musikalisch auch CREAMs Sunshine Of Your Love aufblitzen läßt. Der straighte Rock'n'Roll darf natürlich nicht zu kurz kommen. Das an Carl Perkins erinnernde It Ain't Right sowie das deutlich härtere I Can't Take It No More mit Vocals á la Little Richard und einer Erinnerung an die CREEDENCE-Single Fortunate Son bieten pure Vollbedienung. Das Drummer Kenny Aronoff, ex- SMASHING PUMPKINS und bereits 1997 an "Blue Moon Swamp" beteiligt, einen virtuoseren Stil als der ehemalige CCR-Schlagerzeuger Doug Clifford bevorzugt, tut dem Ganzen nicht immer gut. Eindeutig moderner wird es zum Schluß. Longshot hätte genau so gut auch auf Fogertys letztem Album "Deja Vu. All Over Again" stehen können.

John Fogerty als alleiniger Songschreiber, Produzent und Arrangeur wollte nach seinen eigenen Worten wieder hin zum Rock'n'Roll. Das Ergebnis sollte einfacher sein und mehr Spaß als einige seiner vorherigen Platten machen. "Revival" ist ein großartiges Album geworden und jedem Fan von CREEDENCE CLEARWATER REVIVAL ohne Einschränkung zu empfehlen.

Jürgen Ruland, 31.10.2007

 

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