John Lennon

John Lennon/Plastic Ono Band - The Ultimate Collection

( English translation by Google Translation by Google )

CD-Review

Reviewdatum: 22.04.2021
Jahr: 2021
Stil: Rock, Folk,
Spiellänge: 101:29
Produzent: John Lennon, Yoko Ono & Phil Spector

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Plattenfirma: Universal Music


Redakteur(e):

Epi Schmidt

Titel
CD 1 - Original Album:
01. Mother
02. Hold On
03. I Found Out
04. Working Class Hero
05. Isolation
06. Remember
07. Love
08. Well Well Well
09. Look At Me
10. God
11. My Mummy's Dead
Bonus Tracks:
12. Give Peace A Chance
13. Cold Turkey
14. Instant Karma! (We All Shine On)
 
CD 2 - Outtakes:
01. Mother (Take 61)
02. Hold On (Take 2)
03. I Found Out (Take 1)
04. Working Class Hero (Take 1)
05. Isolation (Take 23)
06. Remember (Rehearsel 1)
07. Love (Take 6)
08. Well Well Well (Take 2)
09. Look At Me (Take 2)
10. God (Take 27)
11. My Mummy's Dead (Take 2)
12. Give Peace A Chance (Take 2)
13. Cold Turkey (Take 1)
14. Instant Karma! (We All Shine On) (Take 1)
Musiker Instrument
John Lennon Vocals, Guitar, Piano
Yoko Ono Wind
Ringo Starr Drums
Klaus Voorman Bass
Billy Preston Piano on 'God'
Phil Spector Piano on 'Love'

Wie vor knapp 2 ½ Jahren vom 1971er John Lennon-Album “Imagine“, gibt es nun auch vom chronologischen Vorläufer die “Ultimate Collection“. Mag “Imagine“ vielleicht das beste Album seiner Solokarriere gewesen sein, so war “Plastic Ono Band“ sicher das wichtigste. Wichtig für ihn selbst. Für seine Abnabelung von den BEATLES, aber auch, wohl noch mehr, um zu sich selbst zu finden. Zu Zeiten der BEATLES-Hysterie war für Altlasten keine Zeit und selbst als die Konzerte gestrichen wurden, war immer noch, privat wie geschäftlich, zu viel Trubel, als dass der Blick auf sich selbst möglich gewesen wäre.

 

Erst als sich Lennon, zusammen mit seiner Frau Yoko Ono, auf die Urschrei-Therapie von Arthur Janov einließ, wurde seine Seele, sozusagen, offen gelegt. Das Trauma um die Mutter, die ihn ihrer Schwester überlassen hatte, die John lange als seine Mutter ansah und der tragische Tod seiner leiblichen Mutter, nachdem er sie “wiedergefunden“ hatte, hatte lange Jahre tief in ihm geschwelt. Natürlich gab es noch andere Dinge, nicht zuletzt das Ende seiner Band, die in ihm schwelten. All das brach sich nun bahn und wurde in ein Album kanalisiert, wie es intensiver nicht sein kann. Ich selbst war noch relativ jung, als ich dieses Album das erste mal hörte und hatte bei den meisten Songs und Texten keine Ahnung, um was es da geht. Aber dass da jemand sein Innerstes nach Außen kehrt, das verstand oder spürte ich. Flapsig gesagt: Dem äußerlichen Striptease, den John zusammen mit Yoko auf dem Cover des Albums “Unfinished Music No. 1: Two Virgins“ ein paar Jahre zuvor vollzogen hatte, ließ er nun den “Seelen-Striptease“ folgen.

 

Bereits die leicht eiernden Glocken zu Beginn von Mother scheinen etwas Besonderes anzukündigen und in der Tat, das völlig unvermittelt einsetzende “Mother, you had me, but I never had you...“ macht unmissverständlich klar: Diese Scheibe wird kein BEATLES-Aufguss, auch kein Flower-Power-Nachtrag und ebenso wenig eine Platte mit den Songs für den Straßenkampf. Hier geht es um Lennon. Pur. Und wie pur und nahezu schmerzhaft ehrlich, wird schon im Verlauf von Mother deutlich. Hier schreit sich einer den Schmerz aus dem Leib. Und das so puristisch wie möglich. Nichts vom Staraufgebot von “Imagine“. Lediglich die Vertrauten Ringo Starr, Klaus Voorman und bei einem Song Billy Preston sowie Produzent Phil Spector sind auf den Aufnahmen vertreten. Wo man Spector bei “Let It Be“ berechtigt Vorwürfe macht, muss man ihm hier einen grandiosen Job bescheinigen.

 

Was dann hier nochmal aus den damaligen Bändern herausgeholt wurde und unter der Oberaufsicht von Yoko Ono von Paul Hicks, Rob Stevens und Sam Gannon herausgeholt wurde, steigert den Eindruck der Aufnahmen nochmal. Deswegen bleiben die Songs trotzdem roh und von einer ungeheuren Direktheit, aber manche Feinheiten kommen doch mehr heraus. Working Class Hero, Isolation oder Remember, eigentlich jeder Song, strotzen so dermaßen vor fast greifbarer Suche nach Wahrheit und Erlösung. Diese Songs brauchen keine virtuosen Soli oder Mitsing-Refrains, sie ziehen den Hörer auch so unwiderstehlich in ihren Bann. Wobei man sagen muss, so schwierig, wie sie überwiegend thematisch sein mögen, sind es keineswegs banale Songs, sondern durchaus voller toller Melodien.

 

Wer sich jemals mit John Lennon auseinander gesetzt hat, für den ist dieses Album (hier noch durch drei Single-Veröffentlichungen erweitert) unverzichtbar und ein Schlüssel zu dessen Seele. Wer sich darauf einlässt, wird diesen Songs stets mit Ergriffenheit lauschen. Wer bis ins letzte Detail gehen will, der kann sich mit dem “Super Deluxe Boxset“ (8 Discs!) den stunden- und tagelang widmen. Aus meiner Sicht bietet das eigentliche Album schon Material genug, aber wer sich ein klein wenig Einblick in die Entstehung verschaffen will, der kann sich mit der um die “Outtakes“ erweiterten 2-CD-Fassung einen Gefallen tun. Take 61 von Mother? Ja, man möchte kaum glauben, was für eine Arbeit in den Songs steckt. Im ausführlichen Booklet würdigt Bassist Klaus Voorman Schlagzeuger Ringo Starr für seine Fähigkeit auch nach Dutzenden von Aufnahmen immer noch genau das Tempo halten zu können. Es war also keine Verlegenheit, dass John auf seinen alten BEATLES-Kollegen zurückgegriffen hatte. Auch wenn er, bei der 27. Aufnahme von God immer noch gesungen hat “I don't believe in Beatles!“.

Was ich glaube, ist, dass dieses Album einzigartig ist. Zurecht jetzt noch einmal gewürdigt.

 

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