John Mellencamp

Other People‘s Stuff


CD-Review

Reviewdatum: 16.01.2019
Jahr: 2018
Stil: Heartland Rock
Spiellänge: 34:24
Produzent: John Mellencamp

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Plattenfirma: Universal Music


Redakteur(e):

Epi Schmidt


s. weitere Künstler zum Review:

Bruce Springsteen

Robert Johnson

Titel
01. To The River
02. Gambling Bar Room Blues
03. Teardrops Will Fall
04. In My Time Of Dying
05. Mobile Blue
 
06. Eyes On The Prize
07. Dark As A Dungeon
08. Stones In My Passway
09. Wreck Of The Old 97
10. I Don‘t Know Why I Love You
Musiker Instrument
John Mellencamp Vocals, Guitar, Harmonica
Kenny Aronoff, Dane Clark Drums
Carlene Carter Vocals on Mobile Blue and Dark As A Dungeon
John Cascella Accordion, Organ
Michael Clark Pedal Steel
Larry Crane, David Grissom, Andy York, Mike Wanchic Guitar
Lisa Germano, Miriam Storm Fiddle
Toby Myers, John Gunnell Bass
Troy Kinnett Keyboards, Accordion, Harmonica
Courtney Kaiser, Pat Peterson, Heather Headley, Janas Hoyt Background Vocals
Michael Ramos Accordion, Field Organ, Hammond B3

Kein richtig “neues“ Album des querköpfigen Heartland-Rockers, aber auf alle Fälle eine interessante Zusammenstellung. Vergleichbar vielleicht mit “Rough Harvest“ von 1999 (sind auch schon wieder 20 Jahre her!), findet sich hier eine Ansammlung von Songs, die John wohl am Herzen liegen und – zumindest teilweise – nicht so bekannt oder erhältlich sind.

Damals wurde mit der Veröffentlichung des Albums der Vertrag mit der alten Plattenfirma erfüllt. Diesmal dürfte da schon mehr Herzblut dabei sein. Mellencamp hat sich in den letzten Jahren nicht unbedingt neue Freunde geschaffen, dafür ein paar oberflächliche verloren und etliche “altgediente“ gefestigt. Schon ganz lange hat er keinen Bock mehr auf Anpassung oder Erwartungen erfüllen. Er macht sein Ding, ohne Rücksicht auf Verluste. Gerade die “Plain Spoken“-Tour hat das wieder Mal die Spreu vom Weizen getrennt.

Ich sag schon jetzt, dieses Album lohnt sich.

Erwartungen erfüllt, hat das 1993er Album “Human Wheels“ sicher nicht. Weder bei Fans, noch bei der Plattenfirma. Da übersieht/-hört man eine Nummer wie To The River schon einmal. Gut, dass sie dieses Album eröffnet, denn wer den Mellencamp-Sound ab “The Lonsome Jubilee“ liebt, wird auch diesen Song lieben. Kleiner Abschiedsgruß an John Cascella der damals während der Albumproduktion verstarb und hier nochmal zu hören ist.

Wer es verpasst hat, sich das Tribute-Album “The Songs Of Jimmy Rodgers“ (1997) zuzulegen, bekommt hier wengistens Mellencamps Beitrag geliefert: Jimmys Gambling Bar Blues, von John und Band herrlich rootsig gespielt, mit viel Fiddle und zum Mitsingen animierend.

Zu Teardrops Will Fall muss man nicht viel sagen. Gehört, wie überhaupt das zugehörige Album (“Trouble No More“, 2003), zum Besten, was der Künstler veröffentlicht hat.

In My Time Of Dying kennen wir vom oben genannten “Rough Harvest“ Album, auf dem die akustische Interpretation des Blues-Klassikers schon eine gute Figur gemacht hat und danach in den Konzerten immer sehr mitreißend dargeboten und entsprechend gewürdigt wurde.

Vom “Sad Clowns & Hillbillies“ Album stammt Mobile Blue. Zusammen mit Carlene Carter wurde hier ein auf Country-Basis gehaltener Song eingespielt, mit leichtem Bluegrass-Anteil, der trotzdem irgendwie rockt. Lenkt den Fokus  zurecht noch einmal auf dieses Album.

Eine gewisse Verbundenheit zu Bruce Springsteen wurde Mellencamp immer angedichtet und war irgendwo auch vorhanden. Das zeigt sich zum Beispiel an Eyes On The Prize, welches auch der “Boss“ auf seinem Pete Seeger-Tribute-Album “We Shall Overcome“ aufgenommen hat. Zeit- und Ansatzgemäß klingt das bei Mellencamp deutlich puristischer. Übrigens hat John den Song – mit interessanter Vorrede – auch vor ein paar Jahren im White House vor Präsident Obama gespielt. Das entsprechende Video ist leicht zu finden.

Nicht zu erwarten, dass eine alte Leier, wie Dark As A Dungeon, heute noch großartig begeistert, aber in der Tat hat Mellencamp diesen “Irish-Song“ so viel Herzblut hinein gelegt und zusammen mit der wunderbaren Carlene Carter eine stimmungsvolle und sehr ansprechende Version eingespielt. Ursprünglich für eine National Geographic Dokumentation über die Geschichte des Kohle-Industrie in den Vereinigten Staaten.

Stones In My Passway, Robert Johnsons schwungvoller Blues kickte schon Mellencamps “Trouble No More“ Album in die richtige Spur und macht auch hier wieder eine gute Figur. Zu den Raritäten darf Wreck Of The Old 97 gezählt werden. Sonst nur auf der Compilation “The Rose and the Briar: Death, Love and Liberty in the American Ballad“ zu finden, bringt Mellencamp den Evergreen, anders als beispielsweise Johnny Cash, in einem mehr folkigen Gewand.

Zu den eher ungewöhnlichen Gästen auf “ Conception - An Interpretation Of Stevie Wonder's Songs“ gehörte sicher John Mellencamp (genaugenommen neben Eric Clapton der einzige wirkliche Exot). Sein Beitrag I Don‘t Know Why I Love You, im groovig-rockigen Stil dürfte auch Leuten gefallen, die mit Stevie Wonder nix am Hut haben.

Insgesamt ein absolut lohnendes Album, wenn man nicht gerade nur auf die Jack & Diane-Zeit von John Mellencamp steht.

 

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