Johnny Winter

Rockpalast

Rockpalast: Blues Rock Legends Vol. 3

( English translation by Google Translation by Google )

DVD-Review

Reviewdatum: 05.03.2011
Jahr: 2011
Stil: Blues, Blues Rock

Links:

Johnny Winter Homepage



Redakteur(e):

Christian Gerecht


Johnny Winter
Rockpalast: Blues Rock Legends Vol. 3, MIG-Music GmbH, 2011
Johnny WinterVocals, Guitar
Jon ParisBass, Harmonica, Vocals
Bob TorelloDrums
Produziert von: W. Lang, C. Wagner, P. Rüchel Länge: 122 Min 00 Sek Medium: DVD
01. Hideaway07. Suzie Q
02. Messin' With The Kid08. Drum Solo
03. Walking By Myself09. I'm Ready
04. Mississippi Blues10. Rockabilly Boogie
05. Divin' Duck11. Medley
06. Johnny B. Goode12. Jumpin' Jack Flash

Wenn ich an den Abend des 4. Februar 1989 denke, bekomme ich heute noch Zornesfalten. Natürlich ein Konzertabend. Hauptakteur: Einer der besten weißen Blueser aller Tage. Johnny Winter.
An diesem Tag habe ich ihn zum Teufel gewünscht. Ihn und seinen weißen Blues. Schon das Konzert am 07.02.1987 (ebenfalls im Deutschen Museum zu München) war nicht das "Pralle", aber die ca. siebzig Konzertminuten, die der "Blonde" da zwei Jahre später bei deutlich sichtbarer Lustlosigkeit zum Besten gab waren der wirklich grottigste Gig, den ich in den letzten 35 Jahren erleben musste. Es gibt also nur ganz wenige Musiker zu denen ich so eine Art Hassliebe hege wie zu JOHNNY WINTER.


(c) Christian "Grisu" Gerecht

Aber neben diesem suboptimalen Konzert ist da doch auch noch ein ganzes Stück Magie! Mit, glaube ich, 10 Jahren (1970) schon auf die Ohren gedrückt bekommen (der jüngste Onkel war "Voll-Blueser") faszinierte mich Winters Albinismus (das wirklich Gegenteiligste zum schwarzen Blues!) mehr als dessen, im Vergleich zu den alten Bluesmen, doch recht laute Musik. Doch Dank dieser Weißhäutigkeit blieb der dürre Mann mit der komischen Gitarre im Hinterkopf eines musikliebenden jungen Teenagers präsent. Und so nimmt es nicht Wunder, dass ein paar Jahre später ein schon in "Eigenregie" (dafür mussten einige Werbeblättchen ausgetragen werden...) erworbenes Album Namens "John Dawson Winter III" die noch kleine Schallplattensammlung des Schreibers zierte. Der Winter im schnieken Anzug... mit weißem Hemd und Fliege. Als würden Bluesmen Fliegen tragen...! Aber alter Verwalter, der Mann hatte den Blues! Trotz der Fliege! "Saints And Sinners" war trotz des damaligen Überangebots an Musik (auf der einen und ständig leerem Geldbeutel auf der anderen Seite) Pflichtprogramm. Später folgte die herrliche "Still Alive And Well". Unbestritten war JOHNNY WINTER damit auf seinem absoluten Höhepunkt.

Einige Jahre gingen ins Land und einige Musik ins Ohr. Große Musik dabei. Opulente und gewaltige Musik. Epen, Symphonien, Opern. Was aber immer wieder der "Erdung" diente waren Blues und Blues Rock. Nachdem erste eigene Vorlieben bzw Musikrichtungen gefunden, gehört, geliebt und den Weg in das langsam, aber stetig wachsende Plattenregal gefunden hatten, dürfen, ja müssen(!) als weitere Prägung und Sozialisation der späten 1970er Jahre die Rockpalast Nächte genannt werden. Und obwohl ein weiterer elektrischer Blueser (Rory Gallagher) von der ersten Rock Nacht an, als viel sympathischer befunden wurde (dessen schweißtreibende Auftritte zielten mitten ins Herz des Schreibers), war auch ER auf einmal wieder da!
JOHNNY WINTERs Auftritt in der vierten Rockpalast Nacht war nach einer wirklich gut aufspielenden J. GEILS BAND (die damals kaum einer kannte) und einer hinreißend bekifft/trunkenen PATTI SMITH eine Rückkehr zu den Wurzeln. Tief hinein in die Erde Delta Mississippis. Elektrisierend, unglaublich heiß und mit einer Spielfreude, die ihm später wohl völlig abhanden kam, steckte der "Blonde" die beiden Acts vor ihm in den linken Hosensack. Schon sein ausufernder Opener Hideaway zeigte überdeutlich wo der (Blues-)Hammer hing. Messin' With The Kid fand ich damals (vor allem nach Rory Gallaghers Mörder-Interpretation) erstmal weniger prickelnd. Auch so olle Kamellen wie Johnny B. Goode oder Suzie Q. Da hätte Johnny Winter schon noch andere Kracher im Back-Katalog gehabt. Aber bekanntlich macht(e) schon immer das "Wie" die Musik und jeder, der bei diesen beiden Nummern ein anfängliches, mentales Gähnen vernehmen ließ, wurde eines besseren belehrt. JOHNNY WINTER hatte Bock. Bock auf ein richtig gutes Konzert. Und nicht nur er. Seine beiden Mitstreiter Jon Paris an Bass, Klampfe und Harmonica und Bob Torello am Schlagzeug zeichneten sich bei diesem Auftritt ebenfalls durch immense Spielfreude aus. Trugen mit beinhartem Groove, Spielwitz und immer perfekter Ergänzung ihren Gitarrero von einem Höhenflug zum anderen. Hört/seht einfach nur das 17:39 lange Mississippi Blues. Oder guckt mal, wie hippelig Patti Smith an der Bühnenkante darauf wartet ein paar schräge Klarinettentöne loszuwerden. Lasst euch mitreißen von so zupackenden Nummern wie I'm Ready, Walkin' By Myself oder Jumpin' Jack Flash. Genau diese brodelnde Stimmung ist es, die sehr gute, unvergessliche Konzerte ausmacht. Wäre jener Eingangs erwähnte Konzertabend von Johnny Winter nur mit der halben Voltzahl abgegangen - des Schreibers Einstellung zu ihm wäre um ein vielfaches entkrampfter...


Promofoto (c) MIG

Ein denkwürdiger Rockpalast Auftritt hat mit dieser DVD den Weg zurück ins Wohnzimmer gefunden. Wohl nicht nur für mich eine Zeitreise in die beste Zeit meines Lebens. Tut euch also keinen Zwang an und lasst euch zurück tragen in jene Nacht, die an 21./22. April 1979 europäische Musikgeschichte schrieb.
Die Ausstattung der DVD ist zwar mit "Concert, Setlist und Trailer" typisch karg (immerhin gibt es ein kleines Booklet mit den Erinnerungen Peter Rüchels), aber was, außer dem Konzert, hätte man noch auf die DVD pressen sollen? Eine langweilige Bildergalerie? Nein, so ist das schon ok. Bild und Ton sind (für mich) ebenfalls in Ordnung. Für das Konzert (und allein darum geht es) gibt es jedenfalls die volle Punktzahl! Und an die Macher der DVDs eine kleine Bitte: Macht doch auch endlich komplette DVD-Boxen. Wir hätten neben dem "Blonden" auch gerne die J. GEILS BAND und PATTI SMITH (mit Spielführer-Binde) gesehen...!

Christian "Grisu" Gerecht, 03.03.2011

 

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