Jon Dee Graham

The Great Battle


CD-Review

Reviewdatum: 24.09.2004
Jahr: 2004

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Redakteur(e):

Frank Ipach


Jon Dee Graham
The Great Battle, Blue Rose Records, 2004
Jon Dee Graham Guitars, Vocals
Michael Hardwick Electric & Acoustic Guitars, Resonator Guitar, Pedal Steel
Andrew Duplantis Bass, Vocals
Jason White Drums, Percussion
Charlie Sexton Electric & Acoustic Guitars, Mando Guitar, Piano, Wurlitzer Piano, Pump Organ
Patty Griffin & Bruce Hughes Vocals
Produziert von: Charlie Sexton Länge: 42 Min 48 Sek Medium: CD
1. Twilight7. Robot Moving
2. I Don't Feel That Way8. The Change
3. Majesty Of Love9. Something To Look Forward To
4. The Great Battle10. Harvest
5. E. 11th Street11. Sleep Enough To Dream
6. Lonesome Valley12. World So Full

Schwelende Brandherde überziehen unseren Globus. Die Zerrissenheit unserer Welt trat nie deutlicher zu Tage als im Moment. Doch während ein Tornado nach dem anderen unsere Ängste schürt, sich religiöse Eiferer in die Luft sprengen, um eine mehr als fragwürdige Freiheit zu erkämpfen, konzentriert sich Jon Dee Graham auf seinen ganz persönlichen Kampf. Statt Blut fliessen gelegentlich Tränen.

Sein aktuelles Album "The Great Battle" offenbart einen sensiblen und nachdenklichen Zeitgenossen, der versucht, den Wettstreit zwischen Glück und Unglück, Enttäuschung und Zuversicht als Sieger zu beenden. Das Ringen um Zufriedenheit und Liebe bestimmt den Mikrokosmos unseres singenden Künstlers. Und das macht ihn so sympathisch. Denn diese allgegenwärtigen Sehnsüchte können wir alle mit ihm teilen.
Namhafte Sangespartner wie Patty Griffin und sein befreundeter RESENTMENTS-Kollege, Bruce Hughes unterstützen Jon Dee auf diesem holprigen Weg.
Allerdings erfreut uns JDG nicht nur mit allzu menschlichen Texten, sondern auch mit der hocherfreulichen Präsenz von drei Gitarristen, die es verstehen Jons Visionen lebendig werden zu lassen. Grahams alter Weggefährte Michael Hardwick sorgt mit seinen elektrischen und akustischen Gitarren ebenso für Stimmung wie der auch als sensibler Produzent agierende Charlie Sexton, dessen musikalischer Background seit mehr als einem Jahrzehnt die Grossen des Business (u.a. Bob Dylan, Lucinda Williams, Edie Brickell) veranlasst, ihn als Produzenten und Saitenvirtuosen zu verpflichten.
Nicht zuletzt diesem Gitarren-Dreigestirn aus Jon Dee, Michael und Charlie ist es zu verdanken, dass die doch oftmals bleierne Tristesse der einen oder anderen sogenannten Roots-Rock Produktion hier in ein erfrischendes musikalisches Wechselbad getaucht wird und sich souverän durch mächtige Gitarrenrocker, halbakustische Singer-Songwriter-Balladen und country-fizierten Wellengang krault.

Die auf Grahams letzten Album ("Hooray For The Moon") angedeutete Anbiederung an allzu hooklastige Melodien und wenig glaubhafte Leichtigkeit verschwindet zugunsten eines ehrlicheren Tons mit erheblich mehr Tiefe und entsprechender Langzeitwirkung. Sogar ein liebgewonnener Titel wie Neil Youngs Harvest, den Jon Dee und seine Mannen erbarmungslos aus der heilen Akustik-Welt zwischen die Mühlsteine dreschender Gitarren werfen, überlebt und passt sich fabelhaft in den Kontext dieses letztendlich doch sehr optimistischen Albums ein.
Denn wenn Jon Dee Graham im Schlusslied World so full seinen Blick in den Nachthimmel wirft und müde, aber gutgelaunt resümiert, es sei noch nicht aller Tage Abend, dann sicher auch in der Gewissheit, mit dem besten Album seit seiner Debut-LP ("Escape From Monster Island") aufwarten zu können.

Frank Ipach, 24.09.2004

 

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