Jorn

Symphonic


CD-Review

Reviewdatum: 14.01.2013
Jahr: 2013
Stil: Symphonic Metal

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Redakteur(e):

Marc Langels


Jorn
Symphonic, Frontiers Records, 2013
Jorn LandeGesang
Willy BendiksenSchlagzeug
Nic AngileriBass
Tore MorenGitarre
Jimmy IversenGitarre
Produziert von: Jorn Lande & Lasse Jensen Länge: 73 Min 17 Sek Medium: CD
01. I Came To Rock08. Black Morning
02. Rock And Roll Children09. Like Stone In Water
03. The World I See10. Vision Eyes
04. Burn Your Flame11. War Of The World
05. Man Of The Dark12. Behind The Clown
06. My Road13. A Thousand Cuts
07. Time To Be King14. The Mob Rules

Jorn Lande ist gemessen an seinem Talent vielleicht eines der nach wie vor am besten gehüteten Geheimnisse im Heavy Metal. Der Norweger verfügt über eine Stimme, die selbst sonst so größenwahnsinnige Vergleiche, wie die mit Ronnie James Dio (RAINBOW, BLACK SABBATH, DIO) oder David Coverdale (DEEP PURPLE, WHITESNAKE) nicht zu scheuen braucht. Denn in seinen Stimmbändern vereint Lande die Power und Überzeugungskraft des Gesangs-Gottes aus den USA und die Sanftheit und das Einschmeichelnde der obersten Weißen Schlange aus Großbritannien. Leider ist es dem nordischen Gesangshünen trotz dieser idealen Voraussetzungen nie gelungen, in ähnliche Kategorien – sowohl was die Absatzzahlen als auch was die Popularität anbelangt - vorzudringen wie diese beiden Großen.

Aber an seinen Qualitäten hat das nicht gelegen. Diese ins rechte Licht und ins Zentrum der internationalen Aufmerksamkeit zu rücken ist nun die Aufgabe seiner neuen CD "Symphonic". Dazu hat sich Lande nicht bloß einige seiner Favoriten aus dem jüngeren Backkatalog (berücksichtigt werden lediglich die Alben “Out To Every Nation“ aus dem Jahr 2004, “Lonely Are The Brave“ von 2008, das 2009er Werk “Spirit Black“ sowie das jüngste “Bring Heavy Rock To The Land“ aus dem vergangenen Jahr) gefischt, sondern diese einer kleinen Frischzellenkur in Form eines Symphonieorchesters unterzogen. Die Arrangements dazu steuerte Lasse Jensen bei.

Man sollte aber nun nicht befürchten, dass man diese CD in der Klassik-Abteilung des lokalen CD-Shops suchen muss. Die Gitarren dominieren von einigen Verschnaufpausen mal abgesehen das Gesamtbild der Scheibe schon noch deutlich (natürlich abgesehen vom Gesang). Keine Bange, hier wird nach wie vor heftig gerockt mit druckvollen Gitarren, Bass und Schlagzeug. Aber die Sounds aus den Keyboards werden hier ersetzt durch echte Streicher und Bläser. Insofern macht JORN hier wirklich symphonischen Metal.

Der Einsatz des Orchesters macht natürlich bei manchen Songs mehr Sinn als bei anderen. So sind es die eher getragenen Stücke, die besonders von den neuen Arrangements profitieren. Das beste Beispiel für diese gelungene Symbiose aus hartem Rock und dem Orchester liefert sofort der Opener I Came To Rock, der im Vergleich zur regulären Version um eine Art Mini-Ouvertüre erweitert wurde und der auch klangtechnisch die perfekt Balance findet, zwischen der Heavy-Rock-Band auf der einen Seite und den Streichern und Bläsern auf der anderen. Up-Tempo-Nummern wie etwa Burn Your Flame (das genau so gut auf die aktuelle WHITESNAKE-Scheibe gepasst hätte) oder den BLACK SABBATH-Klassiker The Mob Rules hingegen erscheinen mir phasenweise etwas überfrachtet mit den diversen Tonspuren mit verschiedenen Instrumenten. Das hätten Keyboards sicherlich genau so gut hinbekommen (aber dann hätte die Stücke natürlich nicht mehr auf diese Platte gehört).

Den positivsten Effekt hat das neue Soundgewand aber ausgerechnet auf die Stimme von Lande. Sie scheint noch mehr zu strahlen und mit noch mehr Überzeugung und Leidenschaft aus Lande zu kommen. Und das obwohl die Gesangsspuren nicht noch einmal neu eingesungen wurden. Aber die neuen Arrangements bringen JORNs Qualitäten irgendwie deutlicher zum Vorschein, als es bisher der Fall gewesen ist. Er liefert hier wirklich wieder eine Leistung ab, die man nur mit dem Attribut „majestätisch“ beschreiben kann. Sei das nun bei eigenen Kompositionen, wie zum Beispiel I Came To Rock sowie Man Of The Dark oder aber Cover-Versionen wie die DIO-Nummer Rock'n'Roll Children. Hier zeigt Lande noch einmal, dass er die Stimme hat, um dieses Material würdig zu covern. Die Streicher verleihen dem Stück noch eine spezielle Atmosphäre. Dies gilt auch für zahlreiche der anderen Kompositionen, aber I Came To Rock und Rock’n’Roll Children sind die ganz klaren Highlights dieses Albums.

"Symphonic" schafft es noch mehr als die bisherigen Veröffentlichungen, JORN und seine Qualitäten zu präsentieren. Er dürfte wohl momentan neben Russel Allen von SYMPHONY X und ADRENALINE MOB das beeindruckendste Organ im Bereich Metal haben. Und selten stellte er es so eindrucksvoll zur Schau wie auf diesem Werk. Vielleicht wird ihm hiermit ja auch etwas breitere Aufmerksamkeit zuteil. Zu gönnen wäre es ihm, nicht zuletzt für diese außergewöhnliche Leistung.

Marc Langels, 13.01.2013

 

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