Julian Sas

Der Boogiemann aus Holland

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Interview

Reviewdatum: 23.11.2002

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Redakteur(e):

Joachim Domrath


Julian Sas
Der Boogiemann aus Holland, Interview

Hooked on Music: Wie war die bisherige Tour. Bist Du zufrieden?

Julian Sas: Ja. Vollauf. Die Clubs sind allerdings sehr unterschiedlich. So hatten wir in der Bluesgarage ?ber 300 Zuschauer. In Idar-Oberstein waren es sogar 500, w?hrend wir in Wetzlar vor knapp 40 Besuchern gespielt haben.

HOM: Spielt die Anzahl der Besucher eine Rolle bei Deiner Show?

J.S.: Nein. Entscheidend ist die Reaktion auf der anderen Seite. Hast Du nur 2 Leute im Club und die geben sich meiner Musik hin, dann tun wir das gleiche f?r die beiden Fans. Ich spiele nicht um reich zu werden. Das ist bei unserer Musik auch vollkommen unm?glich. Musik ist mein Leben und jede Show ist eine neue Herausforderung f?r mich und die Band.
Wenn alles gut l?uft, spielen wir so an die 2-3 Stunden. Egal ob 2 oder 2000 Leute vor der B?hne ausharren. Musik und Rhythmus kommen aus dem Herzen.
Und wenn sich die Herzen der Besucher ebenfalls ?ffnen, dann sind das die besten Voraussetzungen f?r einen tollen Konzert Abend.

HOM: Aus Holland kamen ja eine Menge guter Bands wie LIVIN' BLUES oder VITESSE. Wie siehst Du die gegenw?rtige Rock- und Blueslandschaft in Deinem Heimatland. Gibt es Geheimtipps die ich noch nicht kenne?

J.S.: Die Lage ist eher entt?uschend. Die meisten Musiker und Bands in Holland haben kein eigenst?ndiges Profil, weil sie ihren Stil st?ndig dem herrschenden Trend anpassen. Es gibt kaum Leute wie mich, die ihren Stiefel herunterspielen. Rock Blues und Boogie. Etwas anderes kann es f?r mich nicht geben. Das wissen die Fans und werden auch in 10 Jahren nichts anderes von mir h?ren.

HOM: Du bist wohl einer der schillerndsten Boogie Bluesrocker der Gegenwart. Ich kenne jedenfalls keinen Musiker, der den Boogie so leidenschaftlich zelebriert wie Du.

J.S.: Das ist der Musikstil f?r mich schlechthin. Mein gro?es Vorbild John Lee Hooker zum Beispiel. Boogie ist ein Groove der aus dem Herzen kommt. Leidenschaftlich und aufrichtig. Und er bringt die Fans und mich zum Kochen. Alle in der Band sind dem Boogie verfallen. Unser Schlagzeuger tr?gt nicht umsonst den Spitznamen "Boogie Machine".

HOM: Apropos Band. Wie lange spielt ihr zusammen und wer sind Eure musikalischen Vorbilder?

J.S.: Mit Drummer PIERRE DE HAARD ("Boogie Machine") bin ich seit ?ber 7 Jahren zusammen. Er ist 20 Jahre ?lter als ich (51) und hat den gro?en Jimi Hendrix noch live erlebt. Er steht auf Allmans, Skynyrd, Freddy King, Rory, Jimi. Also hat er in etwa die gleichen Helden wie ich. Oh ja. Johnny Winter wollen wir nat?rlich auch nicht vergessen.
Basser TENNY TAHAMTA ist vor knapp 2 Jahren zu uns gesto?en. Er liebt auch alles was mit Jam und Gitarre zu tun hat. Allerdings ist er auch ein gro?er Jazz Fusion Freak. Alphonse Mouzon ist einer seiner Vorbilder.

HOM: Auf Deiner Website sind eine Menge Gitarren abgebildet. Wie ist Dein Verh?ltnis zu diesem Instrument?

J.S.: Ich bin ein absoluter Gitarrenfreak. Ich habe etliche in meiner Sammlung. Meine edelsten Teile sind zwei alte Strat und eine uralte National Duolian 1934. Au?erdem eine eigens f?r mich angefertigte Strat Gitarre von Patrick Kopman.

HOM: Welche Gitarren benutzt Du bei Deinen Shows?

J.S.: Meistens drei verschiedene. Die Kopman Strat z.B. f?r die heftigen Boogie Songs und die Gallagher und Hendrix Cover. Die Gibson LesPaul Gold f?r Blues Balladen bzw. solche Southern Rocker wie Searchin'. Und dann die Slidegitarre schlechthin, eine Gibson Firebird.

HOM: Du erw?hnst Searchin' von Deiner aktuellen CD "Ragin'River". Das ist ein purer Southern Rock Song wie ihn LYNYRD SKYNYRD nicht besser machen k?nnten.

J.S.: LS geh?ren neben all den Bluesern zu meinen Vorbildern. Ich habe den Song meinem Bruder gewidmet. Es ist 100 % Southern Rock. Zuerst habe ich das Gitarren-Solo mit einer Fender eingespielt. Doch dem Sound fehlte der DICKEY BETTS Touch.
Nichts gegen Fender. Aber ihr fehlt der typische S?dstaaten Klang.
Ich habe den Song dann neu mit meiner Gibson Les Paul eingespielt. Ja. Da war er. Der klassische Dickey Betts Sound. Wunderbar.

HOM: Der Hero f?r Dich schlechthin ist Rory Gallagher. Hast Du ihn jemals live gesehen?

J.S.: Zwischen 1987 und 1992 insgesamt 21 mal. Er ist einer der Gr??ten aller Zeiten. Er ist f?r mich allgegenw?rtig. In jedem Konzert geh?ren Coverversionen fest zum Programmbestandteil.
Rekord waren 6 Livebesuche innerhalb einer Woche.

HOM: Letzte Woche fanden die MTV Awards statt. Wie ist Dein pers?nliches Verh?ltnis zu MTV und VIVA?

J.S.: Ich habe keins. Videoclips sind das Letzte. Inhalt und Musik haben eigentlich nie etwas miteinander zu tun. Schau Dir Nickelback oder Limp Bizkit an. Der Sound auf den Videos ist fett und dynamisch. Live klingen die d?nn und amateurhaft. Gepuschte Sch?lerbands - mehr nicht.
Mir kommen nur Live DVDs oder Videos ins Regal. 2 Stunden authentische Livemusik und nicht 15 Clips in Reihenfolge wie das f?rchterliche ZZ TOP Machwerk. Was haben leichtbekleidete Damen und Cabrios mit ihrer Musik zu tun. Das ist Film und nicht Musik in meinen Augen.

HOM: Wie ist Deine Meinung zu den neuen Soundformaten DVD-AUDIO oder SUPER-AUDIO-CD?

J.S.: Ich bin ein Anh?nger des klassischen Stereo-Sounds. Zu viele Lautsprecher oder Kan?le machen mich orientierungslos. Du wei?t nicht mehr, worauf du achten musst. Rechts die Gitarre, hinten die Mundharmonika und vorne rechts die Hammond. Das wird mir zuviel. Stereo forever!

HOM: Demn?chst kommen ja die Stones f?r horrende Eintrittspreise auf Tour.

J.S.: Auweia. In Holland ist der Stones Hype noch viel schlimmer. Wenn die auf Tour sind will sie jeder, aber auch wirklich jeder sehen.
Schau Dir die Leute im Stadion an. Nicht einen wirst Du jemals bei unseren Konzerten sehen. F?r die ist das ein Event ?hnlich wie Oper oder Museum. Abendgarderobe eingeschlossen. Das sind gr??tenteils Leute die sich nicht wirklich ernsthaft mit Musik auseinandersetzen. Es gibt sicherlich auch viele unter den Besuchern, die nicht einmal eine Stones Scheibe in ihrer Sammlung haben.

HOM: Habt ihr manchmal pers?nliche Kontakte mit anderen Musikern auf Tour?

J.S.: Eigentlich nein. Vor 9 Jahren bin ich mal mit LARRY GARNER getourt. Aber wenn du t?glich in anderen St?dten bist und die Kollegen ebenfalls, dann verliert man sich aus den Augen.
Lediglich bei Festivals besteht die Chance zu einem Treffen.

HOM: Deine pers?nliche Meinung zum Internet?

J.S.: Nur positiv. Hier kannst du alles ?ber deine Helden nachlesen, was Du sonst nie in dieser Ausf?hrlichkeit erfahren w?rdest. Ich liebe die tolle Hendrix Site.
Meine Website l?uft auch nicht schlecht. ?ber 50.000 Besucher in zwei Jahren. Das freut einen schon.

HOM: Was machst Du, wenn Du nicht auf Tour bist?

J.S.: Im Grunde genommen z?hle ich noch zum Kreis der Amateurmusiker. Ich arbeite 2 1/2 Tage in der Woche in einem M?belhaus. Also noch nichts mit Vollprofi-Musiker.

HOM: Alle Achtung. Das h?rt man auch nicht alle Tage.
Vielen Dank f?r das Interview. Und eine Bitte h?tte ich noch.

J.S.: Was darf's denn sein?

HOM: Searchin' mit einem langen Gitarrensolo.

J.S.: Versprochen!

Joachim Domrath, 23.11.2002

 

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